Skip to main content
Ferhad Ibrahim

Konfessionalismus und Politik in der arabischen Welt. Die Schiiten im Irak

Münster: Lit 1997 (Konfrontation und Kooperation im Vorderen Orient 2); 387 S.; 68,80 DM; ISBN 3-8258-3350-X
Die gewaltsamen Konflikte und Bürgerkriege in nahezu allen Staaten des Nahen Ostens und Nordafrikas in den letzten Jahrzehnten werden aus der Sicht der Akteure ethnisch oder konfessionell legitimiert und stellen den Versuch dar, die Machtverhältnisse in den nach dem Ersten Weltkrieg maßgeblich von außen konstruierten Staaten zugunsten anderer Gruppen zu revidieren, die ihrerseits wiederum Herrschaftsansprüche mit universalistischen Ideologien zu rechtfertigen suchen. Föderalistische Staatskonzepte, "die mehr Raum für den ethnisch-konfessionellen Pluralismus lassen" (8), werden im Irak sowohl von der sunnitischen Minderheitsregierung als auch von den Gruppen der schiitischen Opposition abgelehnt. Die detaillierte Studie untersucht am Beispiel der Schiiten im Irak die Ursachen für die politische Desintegration und Instabilität in den gegenwärtigen arabischen Gesellschaften. Der Begriff "politischer Konfessionalismus" dient als Analyseinstrument und zeigt den Widerspruch zwischen konfessionellen, ethnischen oder kommunalistischen Bindungen und Loyalitäten einerseits und den ideologischen panarabischen oder islamistischen Ansprüchen andererseits. Die Erörterung der zentralen Problemstellung beruht auf drei wesentlichen Elementen: "Auf den historischen Bedingungen, die die Prozesse des state-building umrahmten, der sozialen Differenzierung in den post-kolonialen Staaten und auf der sozialen und politischen Organisation der einzelnen Gruppen selbst." (337) Die Studie soll zeigen, daß ein ethnisch-konfessioneller Pluralismus an sich keineswegs die Ursache für gewaltsame Konflikte darstellt, sondern vielmehr der Unwille herrschender Eliten, andere Gruppen am politischen System zu beteiligen. Inhalt: I. Die Schiiten unter der Monarchie: 1. Historische und soziale Hintergründe; 2. Die Position der Schiiten im Staatsbildungsprozeß; Staatsgründung und Konfessionalismus; Die Rolle der Schiiten im politischen System 1921-1958; Exkurs: Die Schul- und Kulturpolitik Sati`al-Husris; 3. Die Intervention der Armee und der Wandel des Systems; 4. Die schiitische Elite: Von Ausgrenzung zu Partizipation; 5. Die schiitische Gesellschaft in der letzten Dekade der Monarchie: Politisierung als Folge sozialer Marginalisierung; 6. Die schiitische Gesellschaft und die Opposition: Nationalismus, Kommunismus und Islamismus. II. Die Schiiten nach 1958: 7. Die irakische Revolution von 1958; 8. Die Herausbildung der schiitisch-islamischen Bewegung; 9. Qasim, die Kommunisten und die arabischen Nationalisten; 10. Exkurs: Die Debatte über al-Shu`ubiya; 11. Die Schiiten zwischen den beiden Coups d'état der Ba`th-Partei. III. Die Schiiten im Ba`th-Staat: 12. Der Putsch von 1968 und die Entwicklung des Ba`th-Staats; 13. Die Schiiten zwischen dem Putsch von 1968 und dem Ausbruch des irakisch-iranischen Krieges 1980; 14. Exkurs: Die Debatte der Ba`th-Partei über Religion; 15. Der irakisch-iranische Krieg und die schiitische Position; 16. Die Revolte von 1991.
Andreas Eis (AE)
Jun.-Prof. Dr., Didaktik des politischen Unterrichts und der politischen Bildung, Institut für Sozialwissenschaften Oldenburg, Fakultät I.
Rubrizierung: 2.63 | 2.23 | 4.41 | 4.42 Empfohlene Zitierweise: Andreas Eis, Rezension zu: Ferhad Ibrahim: Konfessionalismus und Politik in der arabischen Welt. Münster: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/4484-konfessionalismus-und-politik-in-der-arabischen-welt_6293, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 6293 Rezension drucken