Martin Hofbauer / Philipp Münch (Hrsg.)

Mali. Hrsg. im Auftrag des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr

Paderborn u. a.: Ferdinand Schöningh 2013 (Wegweiser zur Geschichte); 263 S.; 15,90 €; ISBN 978-3-506-77884-0
Mali gehört nicht zu den Ländern, die im Zentrum weltweiter Aufmerksamkeit stehen, auch wenn sich das mit dem Militärputsch 2012 kurzfristig geändert hat. Der Sammelband wird das generell geringe Interesse an afrikanischen Ländern nicht ändern, jedoch leistet er eine profunde Einführung in die politischen, historischen und kulturellen Verhältnisse, wie sie gegenwärtig zwischen Bamako und Timbuktu herrschen. Unterstützt durch zahlreiche Bilder, Grafiken, Karten und Infokästen erläutern die einzelnen Beiträge die Geschichte Malis bis zurück in die vorkoloniale Zeit. Klaus Schlichtes Aufsatz setzt dann in der jüngeren Vergangenheit beim Militärregime Moussa Traorés an, der von 1968 bis 1991 Staatspräsident Malis war. In seiner von ihrer Bilanz her verheerenden Amtszeit, so Schlichte, sei es ihm mit seinem Rückgriff auf koloniale Wirtschaftspraktiken weder gelungen, die ökonomische Entwicklung zu fördern, noch den nationalen politischen Zusammenhalt zwischen Zentrum und Peripherie (regionale Besonderheit und Eigenständigkeit der Tuareg) zu festigen. Nachdem das autoritäre Traoré‑Regime 1991 durch einen Militärputsch gestürzt wurde, konnte Anfang 1992 eine erste demokratische Verfassung durch ein Referendum bestätigt werden. Charlotte Heyl und Julia Leininger bescheinigen in ihrem Beitrag der noch jungen Demokratie in Mali trotz aller Defizite – weit verbreitete Korruption, mangelhaft ausgeprägte staatliche Strukturen – gute Chancen, allerdings mit einer entscheidenden Einschränkung: „Nur wenn der politische Wille zur Demokratisierung besteht, kann etwas verändert werden – von besonderer Relevanz sind die Militärreform, Wiederherstellung demokratischer zivil‑militärischer Beziehungen und eine effektive Korruptionsbekämpfung.“ (83) Abgerundet werden diese eher politisch‑historisch akzentuierten Beiträge durch drei Städteporträts. Peter Pannke stellt die Hauptstadt Bamako und die bedeutenden Zentren Koulikoro und Segou vor. Seit Kurzem, so Pannke, gibt es in Bamako insgesamt drei Brücken über den Niger, es sind die einzigen im ganzen Land. Will man ansonsten den Fluss überqueren, ist man auf Fährverbindungen angewiesen – man könnte es als eine Metapher für die immer noch mehr als schleppende Annäherung innerhalb des Landes verstehen.
Matthias Lemke (LEM)
Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.67 | 2.21 | 2.22 | 2.23 | 2.25 | 4.1 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Martin Hofbauer / Philipp Münch (Hrsg.): Mali. Paderborn u. a.: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/36612-mali_44670, veröffentlicht am 16.01.2014. Buch-Nr.: 44670 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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