Carlo Masala / Stephan Stetter / Marina Karbowski (Hrsg.)

Mit Sicherheit unsicher? Debatten zu Krieg und Frieden in den internationalen Beziehungen

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2014 (ZIB-Reader 2); 383 S.; brosch., 49,- €; ISBN 978-3-8487-0970-0
Carlo Masala, Stephan Stetter und Marina Karbowski tragen in ihrem Reader ausgewählte Beiträge zu Fragen der Friedens‑, Konflikt‑ und Sicherheitsforschung zusammen, die im Verlaufe der vergangenen 20 Jahre in der Zeitschrift für Internationale Beziehungen (ZIB) – dem Ort zentraler Debatten in der deutschsprachigen IB‑Gemeinde – veröffentlicht worden sind. Das Spektrum der Themen und theoretischen Perspektiven ist – mit Ausnahme realistischer Ansätze – breit, bestimmte Forschungsprogramme sind allerdings besonders prominent vertreten. Dies gilt vor allem für die These des Liberalen bzw. Demokratischen Friedens (DF), dem vier Beiträge gewidmet sind. So versuchen Anna Geis, Harald Müller und Niklas Schörnig, aus sozialkonstruktivistischer Perspektive die Varianz in der Kriegsbereitschaft von Demokratien zu erklären. Dazu werten sie Parlamentsdebatten in sieben Staaten (vier europäische Staaten, Australien, Kanada und die USA) vor der Beteiligung bzw. Nichtbeteiligung am Golfkrieg (1991), Kosovo‑Krieg (1999) und Irak‑Krieg (2003) vergleichend aus. Während viele Grundannahmen der DF‑These Bestätigung finden, erstaunt die Übereinstimmung von Elitenpositionen und Mehrheitsmeinung bei Kriegsentscheidungen in 10 von 13 Fällen. Den Autor_innen zufolge wäre es demnach nicht nur „ein Fehler, eine a‑priori‑Immunität demokratischer Öffentlichkeiten gegen militärische Gewaltanwendung zu unterstellen“. Die Fälle, in denen Demokratien auch gegen den Willen der Mehrheit in den Krieg gezogen sind, zeugten darüber hinaus von den „Grenzen der Wirksamkeit demokratischer Kontrolle“ (106). Mit demselben Thema, allerdings unter Verwendung eines anderen Ansatzes, beschäftigen sich auch Sandra Dieterich, Hartwig Hummel und Stefan Marschall. Sie untersuchen mit der Hypothese des „parlamentarisch‑demokratischen Friedens“ (153) den Zusammenhang zwischen der Kriegsbeteiligung von Demokratien und der sicherheitspolitischen Macht ihrer Parlamente anhand von 25 Fällen der Beteiligung und Nichtbeteiligung am Irakkrieg 2003. Sie sehen in ihren Ergebnissen die These, „dass eine demokratisierte, d. h. parlamentarisierte Sicherheitspolitik zu einer höheren Friedfertigkeit von Demokratien führen kann, [...] deutlich unterstützt“ (178). Der Reader bietet zu jedem Beitrag eine kommentierte Bibliografie, die sich als hilfreiche Stütze für eine begleitende bzw. weitergehende Recherche anbietet. Wer also nach einem Einstieg in die anspruchsvolle, theoriegeleitete deutsche IB‑Forschung und/oder einem Überblick über die Debatten zu den Themen Frieden, Sicherheit und Konflikt sucht, ist mit diesem Band gut beraten.
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Rubrizierung: 4.14.34.412.615.444.2 Empfohlene Zitierweise: Christian Patz, Rezension zu: Carlo Masala / Stephan Stetter / Marina Karbowski (Hrsg.): Mit Sicherheit unsicher? Baden-Baden: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38016-mit-sicherheit-unsicher_45587, veröffentlicht am 29.01.2015. Buch-Nr.: 45587 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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