Jasmin Siri

Parteien. Zur Soziologie einer politischen Form

Wiesbaden: Springer VS 2012; 282 S.; 34,95 €; ISBN 978-3-531-18721-1
Soziolog. Diss. München. – Die Analyse von Parteien ist seit jeher ein starkes Forschungsgebiet aller Sozialwissenschaften. Doch nach Meinung der Autorin hat die Soziologie die Forschung zu dieser Organisationsform allein der Politikwissenschaft überlassen, weshalb sie „soziologisch schlechter erforscht sind als manche populäre Subkultur“. Dies zeige sich besonders deutlich anhand der vielbeschworenen Krise der Parteien, in deren Kontext „viele Soziologen sich schon lange für Alternativen zur parteilichen Organisierung des Politischen erwärmen und ihre Aufmerksamkeit auf Globalisierungsphänomene, veränderte politische Verfahren und Governance‑Strukturen richten“ (10). Um die Krise der Parteien soziologisch zu erforschen, greift Jasmin Siri aus der Reihe gesellschaftstheoretischer Perspektiven ganz wesentlich auf die Systemtheorie von Niklas Luhmann zurück. An jenen Punkten, in denen sie die gesellschaftliche Kommunikation der Krise der Parteien behandelt, bezieht sich Siri außerdem auf den Diskursbegriff Michel Foucaults, mit dessen Vorgehensweise die funktionale Analyse Luhmanns im Übrigen große konzeptionelle Parallelen habe. Im Ergebnis stellt die Autorin heraus, dass hinter der Redeweise von der Parteienkrise das alte Unbehagen darüber stehe, Politik überhaupt organisieren zu müssen. In diesem Zusammenhang komme dem Krisendiskurs, dessen Diagnosen Siri letztlich nicht in Zweifel zieht, eine „paradoxe Funktionalität“ (11) zu: Krisenbeschreibungen brächten gesellschaftlich ansonsten nicht beobachtbare Phänomene wie den Gehalt der demokratischen Entscheidung oder die Identität von Volk und Regierung symbolisch ins Bewusstsein und machten sie sichtbar. Dadurch trügen sie zur Mobilisierung von Mitgliedern bei. Leider bringt die von der Autorin eingenommene Perspektive auch die Gefahr mit sich, angemessene normative Maßstäbe zu verwischen. Siri selbst bemerkt, dass, mit dem Vorzeichen der Funktionalität von Parteienkrisen, die Beurteilung eines „echten“ Problems demokratischer Parteien schwer fällt. Hierzu wäre beispielsweise eine Auseinandersetzung mit den gegenwärtigen Repräsentationsansätzen aus der Politischen Theorie hilfreich gewesen. Zu den Studien der Parteienforschung aber stellt die Arbeit einen begrüßenswerten Diskussionsbeitrag dar.
Hendrik Claas Meyer (HCM)
M. A., Politikwissenschaftler und Soziologe, Universität Bayreuth.
Rubrizierung: 2.331 | 2.22 Empfohlene Zitierweise: Hendrik Claas Meyer, Rezension zu: Jasmin Siri: Parteien. Wiesbaden: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/36642-parteien_44783, veröffentlicht am 23.01.2014. Buch-Nr.: 44783 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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