Christian Henning / Eric Linhart / Susumu Shikano (Hrsg.)

Parteienwettbewerb, Wählerverhalten und Koalitionsbildung. Festschrift zum 70. Geburtstag von Franz Urban Pappi

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2009; 192 S.; 29,- €; ISBN 978-3-8329-4196-3
In der Festschrift für den emeritierten Mannheimer Politikwissenschaftler Pappi wird die Wahlentscheidung als sequenzieller Prozess beleuchtet. Es beginnt mit der dynamischen Positionierung der Parteien im Wettbewerb, die von Susumu Shikano und Thomas Bräuninger untersucht wird. Eine wichtige Erkenntnis lautet: Vor allem nach Niederlagen verändern „die Parteien opportunistisch ihre Positionen“ (13) und orientieren sich tendenziell am Wahlsieger. Weitere untersuchte Aspekte betreffen die Frage, warum Wähler sich für Stimmenthaltung oder für die Wahl einer Partei entscheiden und welche Rolle Schocks oder Ereignisse wie Skandale, Anschläge und Krisen hierbei haben. Großes Interesse findet derzeit die Frage des taktisch-strategischen Wählens im Mehrparteiensystem. Michael Herrmann legt seinen Schwerpunkt auf strategisches Erststimmen-Wählen, Michael F. Meffert und Thomas Gschwend konzentrieren sich in einem Gruppenexperiment auf „optimales Wählen“ (109) in Bezug auf Koalitionspräferenzen. Untersucht wurde dabei vor allem, ob durch die wiederholte Teilnahme an Wahlen ein Lerneffekt zu beobachten ist, der „zu einer Optimierung der [Wahl-]Entscheidung führt“ (107). Der naheliegende Effekt konnte jedoch im theoretischen Experiment nicht nachgewiesen werden. Das interessanteste Ergebnis haben Eric Linhart und Sascha Huber vorgelegt. Demnach sind rational kalkulierende Wähler mit Blick auf mögliche Koalitionsszenarien „durchaus bereit [...], nicht die ihnen nahestehende Partei zu wählen, um dadurch ihren Nutzen über das erwartete Politikergebnis zu maximieren“ (156). Im vorliegenden Fall bevorzugen immerhin 12 Prozent der Probanden die taktische Wahlentscheidung zugunsten des möglichen Koalitionspartners. Dies geschieht häufiger bei SPD- und CDU-Anhängern. Generalisieren lässt sich das Ergebnis nicht, da im Experiment die Öffnung der Grünen in Richtung Jamaika-Koalition negative Effekte auf die eigene Klientel hatte. Das Buch ist wegen der empirisch-analytischen Ausrichtung auf der Grundlage räumlicher Wählermodelle sehr anspruchsvoll – passend zur „Mannheimer Schule“.
Armin König (AK)
Dr., Verwaltungswissenschaftler, Bürgermeister der Gemeinde Illingen, Dozent Fachhochschule für Verwaltung (FHSV) des Saarlandes.
Rubrizierung: 1.3 | 2.331 | 2.332 | 2.325 | 2.22 | 2.2 | 2.263 | 5.45 Empfohlene Zitierweise: Armin König, Rezension zu: Christian Henning / Eric Linhart / Susumu Shikano (Hrsg.): Parteienwettbewerb, Wählerverhalten und Koalitionsbildung. Baden-Baden: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/31224-parteienwettbewerb-waehlerverhalten-und-koalitionsbildung_37139, veröffentlicht am 30.09.2009. Buch-Nr.: 37139 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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