Daniel Horn

Political Demobilization and the Welfare State: Criminal Disenfranchisement in Perspective – North Carolina Case Study

Bremen: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen 2015 (http://elib.suub.uni-bremen.de/edocs/00104601-1.pdf); XVI, 524 S.
Diss. Bremen; Begutachtung: O. Groh‑Samberg, K. Boehnke, C. Uggen. – Daniel Horn fragt, inwieweit der in den vergangenen zwei Jahrzehnten massiv zunehmende Entzug des Wahlrechts bei Schwerverbrechen zu einer Veränderung wohlfahrtsstaatlicher Politiken beigetragen hat. In den USA werden all diejenigen Personen als Schwerverbrecher bezeichnet, deren Vergehen zur Verhängung einer Gefängnisstrafe von über einem Jahr geführt haben. Indem diesem Personenkreis, der zumeist aus wirtschaftlich und sozial schwächeren Schichten stamme, häufig im Zusammenhang mit ihrer Strafe das Recht zu wählen aberkannt werde, so Horn, sei zu erwarten, dass das demokratische politische System weniger Input aus dieser Bevölkerungsschicht erhalte und entsprechende politische Programme weniger zielgerichtet entwerfen könne. Im Zuge der Erhebung von qualitativen wie quantitativen Daten des Strafvollzugssystems von North Carolina und dessen Umfeld kommt Horn unter anderem zu dem Schluss, dass das politische ebenso wie das soziale System vor massiven Problemen stehe. Mit dem Entzug des Wahlrechts sei die demokratische Qualität zwar nicht grundsätzlich infrage gestellt, obschon sich zeigen lasse, dass die Republikanische Partei von der politischen Demobilisierung sozial schwacher Wähler nicht profitiere und zugleich der Wohlfahrtstaatlichkeit gegenüber kritische Tendenzen in der Demokratischen Partei gestärkt würden. Es schade also nicht, so Horn, wenn sich die politisch Verantwortlichen künftig wieder verstärkt um die Belange von Gefängnisinsassen bemühten und diese in sozialstaatliche Programme einbringen würden. So sehr die Studie durch die ausgewogene Balance in der Zusammenschau von qualitativen und quantitativen Daten überzeugt, so bemerkenswert ist auch, dass sich den ohnehin vielen Fragen, die sie aufwirft, wenige wirkliche Antworten, dafür aber umso mehr Fragen anschließen. Das aber ist keineswegs ein Malus der Arbeit, sondern vielmehr der problematischen und komplexen Ausgangslage geschuldet, die zwischen Gefängnissystem, Sozialstaat, politischer Repräsentation und deren Wechselverhältnissen gegeben ist.
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Rubrizierung: 2.642.22.22 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Daniel Horn: Political Demobilization and the Welfare State: Criminal Disenfranchisement in Perspective – North Carolina Case Study Bremen: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/40120-political-demobilization-and-the-welfare-state-criminal-disenfranchisement-in-perspective--north-carolina-case-study_48473, veröffentlicht am 27.10.2016. Buch-Nr.: 48473 Rezension drucken

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