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Peter Fritz

Politik der Angst. 9/11 und die Folgen

St. Pölten: Residenz Verlag 2011; 235 S.; 22,90 €; ISBN 978-3-7017-3230-2
Als Auslandskorrespondent berichtete Fritz von 1998 bis 2003 für den ORF aus Washington. Dies ist auch der Ausgangspunkt seines Buches. Im Reportagestil berichtet er ausführlich über seine Erlebnisse und Eindrücke am 11. September 2001. Er vermittelt ein Gefühl der Unsicherheit und der Bedrohung, das in diesen dunklen Stunden durch das amerikanische Volk geisterte. Darauf aufbauend postuliert er die These, dass die Bush-Regierung mithilfe von Psychologie menschliche Verhaltens- und Denkmuster ausnutzte und eine auf einer Politik der Angst beruhende Vergeltungsstrategie verfolgte. Damit legitimierte sich die Regierung zu Reaktionen – zeitweilig zu Überreaktionen –, mit deren Konsequenzen die USA heute noch zu kämpfen haben. Die Rede ist sowohl von der Afghanistaninvasion als auch vom Irakkrieg. So weit so gut. Doch anstatt diese These zu belegen, folgen dann auf den restlichen 160 Seiten Berichte, Reportagen und Interviews, die – wohlwollend bezeichnet – zur Betrachtung der Folgen dieser Politik dienen können. Fritz erzählt von seinen Treffen mit hochrangigen Politikern, Diplomaten, Journalisten und Professoren. So spricht er mit Joschka Fischer über dessen Nein zum Irakkrieg, mit Wolfgang Ischinger über die Vergeltungsstrategie der USA, mit Joseph Nye über einen Cyberwar, mit Francis Fukuyama über den Neokonservatismus und mit Volker Perthes über die arabische Revolution. Episodenartig werden diese Leute interviewt, doch die meist nicht mehr als vier Seiten umfassenden Berichte fügen sich leider nicht zu einem kohärenten Bild. So mäandert das Buch zu einer Bilanz des Weltgeschehens der vergangenen zehn Jahre. Die anfänglich gesetzten Schwerpunkte verschwimmen und dieses Abgleiten führt dazu, dass man noch die Finanzkrise bespricht, das Atomprogramm der Iraner begutachtet und sich mit dem Aufstieg der Chinesen und der Inder auseinandersetzt. Eine Konzentration und gewisse Tiefenschärfe wären hilfreicher gewesen als ein Rundumschlag. Dennoch birgt dieses Buch durch seine vielen Episoden und die darin enthaltenen Anekdoten einige neue Facetten. So beschreibt Fritz beispielsweise, dass 2002 mehr US-Soldaten die Olympischen Spiele in Utah sicherten als in Afghanistan Dienst taten.
Mario-Gino Harms (MGH)
Dipl.Pol., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 4.1 | 4.41 Empfohlene Zitierweise: Mario-Gino Harms, Rezension zu: Peter Fritz: Politik der Angst. St. Pölten: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/34057-politik-der-angst_40823, veröffentlicht am 22.09.2011. Buch-Nr.: 40823 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken