Andreas Klee (Hrsg.)

Politische Kommunikation im städtischen Raum am Beispiel Graffiti

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2010; 120 S.; brosch., 34,95 €; ISBN 978-3-531-16276-8
Die Autoren setzen sich interdisziplinär wissenschaftlich mit Graffiti als Sprache an den Wänden auseinander. In der Einleitung kündigt Herausgeber Klee an, dass in diesem Sammelband „Konturen eines bisher unbearbeiteten Forschungsfeld[es]" (8) entwickelt werden. Dementsprechend bieten die einzelnen Texte eine vielschichtige und gut nachvollziehbare Annäherung an die titelgebende Thematik. Dirk Lange stellt in seinem Beitrag die Weichen dafür, dass ein scheinbares Alltagsphänomen wie Graffiti in seiner politischen Relevanz erkannt werden kann. Da die traditionelle Vorstellung von Politik den Alltag per se ausschließt, muss es zu einer Erweiterung oder Modifikation des Politikbegriffes kommen. Unter anderem mit Rückgriff auf die feministische Theorie und Foucaults Konzept des horizontalen Machtverständnisses gelangt er zu dem Schluss, dass „Alltag also vollends zu einer für die Politikwissenschaft relevanten Kategorie geworden" (20) ist. Lothar Probst und Philip Mehrtens gehen speziell auf den Zusammenhang zwischen Wahlverhalten und Stadtteil ein. Sie verbinden damit Erkenntnisse der stadtsoziologischen Forschung mit politikwissenschaftlichen Forschungsansätzen zum Wahlverhalten. Stefan Luft erläutert anschließend die Grundlagen über Medienakteure und -nutzung sowie rechtliche und ökonomisch-technische Rahmensetzung. Michael Windzio erklärt, dass die „identitätsstiftende Funktion" (70) des Sprühens oft dazu führt, dass positive Aspekte wie Akzeptanz in der Gruppe die negativen wie Strafverfolgung überlagerten. Janna Volland zeigt, dass American Graffiti (eine Ausprägung, bei der es um das Aussehen und nicht die Aussage geht) als Bild keine politische Dimension hat, wohl aber die Tätigkeit des Sprühens an sich. Abgeschlossen wird der Band durch einen Beitrag des Herausgebers, der viele der in den vorhergehenden Texten angesprochenen Einzelaspekte aufgreift und verbindet. Graffiti-Sprüher sind nach Klees Überlegungen „in der Entwicklung befindliche politische Akteure“ (115), die in dieser Form der anonymen Kommunikation eine ihnen angenehme Partizipationsmöglichkeit sehen.
Nadja Hagen (NAH)
Studentin, MA Medien-u. Kommunikationswiss./Politik/Slavistik, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.
Rubrizierung: 2.23 | 2.35 | 2.325 Empfohlene Zitierweise: Nadja Hagen, Rezension zu: Andreas Klee (Hrsg.): Politische Kommunikation im städtischen Raum am Beispiel Graffiti Wiesbaden: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/30968-politische-kommunikation-im-staedtischen-raum-am-beispiel-graffiti_36805, veröffentlicht am 28.04.2010. Buch-Nr.: 36805 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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