Christian Schemer / Werner Wirth / Carsten Wünsch (Hrsg.)

Politische Kommunikation: Wahrnehmung, Verarbeitung, Wirkung

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2010 (Rezeptionsforschung 21); 283 S.; 26,- €; ISBN 978-3-8329-5596-0
Der auf eine Tagung der Fachgruppe „Rezeptions- und Wirkungsforschung“ der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft zurückgehende Sammelband verdeutlicht die erhebliche Breite dieses kommunikationswissenschaftlichen Gebietes. Schemers Studie zum Einfluss der Mediennutzung auf Emotionen in politischen Kampagnen ist für die Schweiz repräsentativ. Er zeigt, dass die Nutzung von Boulevardzeitungen negative Emotionen gegenüber Asylsuchenden verstärkt, wohingegen die Nutzung überregionaler oder regionaler Zeitungsmedien eher abschwächend wirkt. Ein Desiderat, das Schemer mit seiner dreiwelligen Telefonbefragung nicht abdecken kann, ist die Erfassung der Konsequenzen „medial induzierter Emotionen in politischen Kampagnen“ (149). Ein Gewinn der Studie ist, dass es sich „bei den nachgewiesenen Medienwirkungen um kausale Effekte handelt“ (146). Dorothée Hefner und Christoph Klimmt zeigen den Zuschnitt einer möglichen Forschung zu politischer Kommunikation in Computerspielen. Die Autoren fragen, „inwiefern Wirkungen im Sinne politischer Kommunikation, wie Einstellungsänderungen, von handelsüblichen Computerspielen ausgehen, denen […] keine politischen Kommunikationsabsichten zugrunde liegen“ (98). Zudem sei das Unterhaltungspotenzial sogenannter Edutainment-Spiele zu betrachten, da diese politische Kommunikationsziele verfolgen können. Die Autoren zeigen auf, dass gerade originär unpolitische Spiele „nicht intendierte politisch relevante Wirkungen auf Vor- und Einstellungen des Publikums“ (101) erzielen können. Zu Recht argumentieren Hefner und Klimmt für das „Aufholen eines Forschungsrückstands“ (111), da politische Sozialisation auch durch Computerspiele vollzogen werde. Folgerichtig seien PC-Spiele zum Politainment-Sektor hinzuzurechnen und in ihren Wirkungen entsprechend zu erforschen.
Isabelle Borucki (ISA)
Dr., Politikwissenschaftlerin (Soziologin, Philosophin), wiss. Mitarbeiterin SFB 600 Fremdheit und Armut, Institut für Politikwissenschaft, Universität Trier.
Rubrizierung: 2.22 | 2.333 Empfohlene Zitierweise: Isabelle Borucki, Rezension zu: Christian Schemer / Werner Wirth / Carsten Wünsch (Hrsg.): Politische Kommunikation: Wahrnehmung, Verarbeitung, Wirkung Baden-Baden: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/32634-politische-kommunikation-wahrnehmung-verarbeitung-wirkung_38948, veröffentlicht am 24.08.2010. Buch-Nr.: 38948 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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