Daniela Klimke / Aldo Legnaro (Hrsg.)

Politische Ökonomie und Sicherheit

Weinheim/Basel: Beltz Juventa 2013; 328 S.; 34,95 €; ISBN 978-3-7799-2877-5
Fritz Sack, zuletzt Professor am Institut für Kriminologische Sozialforschung der Universität Hamburg, hat wesentliche Verdienste an der Entwicklung und Etablierung der Kriminalsoziologie in Deutschland. Das ist zum einen ablesbar an seinen Aktivitäten zur Institutionalisierung dieser Disziplin – so der Gründung des Arbeitskreises Junger Kriminologen, des Kriminologischen Journals und des Hamburger Aufbaustudiums Kriminologie. Zum anderen hat Fritz Sack, in guter Durkheim'scher Perspektive Symbolischen Interaktionismus, Ethnomethodologie und Sozialstrukturanalyse verbindend, substanziell dazu beigetragen, dass die Kriminalsoziologie als Teil der Allgemeinen Soziologie Anschluss an neuere Theorieentwicklungen gefunden hat, die sich kritisch mit der zunehmenden Ökonomisierung der modernen Gesellschaft befassen. Diese Diagnose eines sich in westlichen Gesellschaften ausbreitenden punitive turn – der schrittweisen Ablösung sozialstaatlicher Politik durch eine zunehmend repressiv ansetzende Sicherheitspolitik – war das Rahmenthema eines 2011 anlässlich des 80. Geburtstages von Fritz Sack veranstalteten Symposiums. Die Beiträge diskutieren die vielfältigen Verschränkungen ökonomischer (Flexibilisierung), sozialer (Individualisierung) und politischer (Deregulierungen) Entwicklungen, die den Boden bereiten für eine Sicherheitsmentalität, die im Zeichen harter Strafen und möglichst präventiver Kontrollen rechtsstaatliche Standards untergräbt. Thematisch zentral für die Analyse von Voraussetzungen und Auswirkungen einer sich auch in Deutschland durchsetzenden punitiven Wende sind die Beiträge von Karl‑Ludwig Kunz, Daniela Klimke/Fritz Sack/Christiana Schlepper, Loïc Wacquant und Peter‑Alexis Albrecht. Einen zweiten Schwerpunkt bildet die Auseinandersetzung mit den vermeintlich abschreckenden Wirkungen harter Sanktionen – einerseits auf Basis internationaler Wirkungsforschung (Helmut Kury), andererseits durch eine differenzierte Kritik des Rational‑Choice‑Ansatzes als Erklärungsmodell abweichenden Verhaltens (Günter Albrecht). Insgesamt handelt es sich um eine sehr anregende Publikation, die gleichermaßen auf das Interesse von Kriminalsoziologen wie von Politikwissenschaftlern stoßen dürfte.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 1.32.22.2632.32.3435.45 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Daniela Klimke / Aldo Legnaro (Hrsg.): Politische Ökonomie und Sicherheit Weinheim/Basel: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/37193-politische-oekonomie-und-sicherheit_44401, veröffentlicht am 19.06.2014. Buch-Nr.: 44401 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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