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Manfred Quiring

Pulverfass Kaukasus. Konflikte am Rande des russischen Imperiums

Berlin: Ch. Links Verlag 2009; 200 S.; brosch., 16,90 €; ISBN 978-3-86153-514-0
Im Anschluss an ein Kapitel zur Geschichte der russischen Eroberungen im Kaukasus schildert der Autor, Moskau-Korrespondent der Zeitung „Die Welt“, der die Region seit 1982 immer wieder bereist hat und sie dadurch bestens kennt, in sieben Reportagen die Situation in den einzelnen Ländern des Kaukasus. Die Kammlinie des Großen Kaukasus trenne zwei Welten, berichtet er: Während im Norden die islamisch geprägten, zur Russischen Föderation gehörenden autonomen Republiken Dagestan, Tschetschenien, Inguschetien, Nordossetien, Kabardino-Balkarien, Karatschai-Tscherkessien und Adygej liegen, bildeten das muslimische Aserbaidschan sowie die christlichen Staaten Georgien und Armenien eine Landbrücke zwischen dem Kaspischen und dem Schwarzen Meer im Süden, dem sogenannten Transkaukasus. In dem zum Teil sehr unwirtlichen Gebirgsmassiv des Kaukasus lebten 46 verschiedene Völker – insgesamt 30 Millionen Menschen. Neben den Streitigkeiten innerhalb der einzelnen Gruppen präge Russland die politischen Auseinandersetzungen, denn die russische Führung betrachte das Gebiet der einstigen Sowjetrepubliken traditionell als seine Einflusssphäre, in dem es „‚privilegierte Interessen’“ (11) verfolge. Die Bürgerkriege in Georgien und Aserbaidschan Anfang der 90er-Jahre, die beiden Tschetschenien-Kriege, das Flüchtlingselend in Inguschetien und auch die Geiselnahme von Beslan hätten Spuren in den Gesellschaften der Länder hinterlassen. Der Kaukasus werde ein Ort potenzieller militärischer Konflikte bleiben, denn der Fünf-Tage-Krieg im Sommer 2008 habe den georgisch-abchasisch-südossetischen Konflikt nicht gelöst und andere Streitigkeiten wie die um die Region Karabach drohten wieder aufzubrechen, so die Prognose Quirings. Im Nordkaukasus sehe sich Russland „mit zentrifugalen, von nationalistischen und islamistischen Grupppen beförderten Kräften konfrontiert [...], die Lunte glimmt gleich an mehreren Stellen“ (12).
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.63 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Manfred Quiring: Pulverfass Kaukasus. Berlin: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/30736-pulverfass-kaukasus_36510, veröffentlicht am 21.10.2009. Buch-Nr.: 36510 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken