Katja Gloger

Putins Welt. Das neue Russland, die Ukraine und der Westen

Berlin: Berlin Verlag 2015; 352 S.; kart., 18,- €; ISBN 978-3-8270-1296-8
Mit dem Konflikt in der Ukraine – wenngleich aus den medialen Debatten in Deutschland wieder weitgehend verschwunden – ist in den vergangenen Jahren auch die Frage nach der inneren Verfassung Russlands verstärkt in das Blickfeld wissenschaftlichen und journalistischen Interesses geraten. Die studierte Slawistin und frühere Moskau‑Korrespondentin des Magazins Stern Katja Gloger legt eine Analyse vor, in der sie Vladimir Putin ins Zentrum ihrer Darstellung rückt. Ausgehend unter anderem von einem Anfang der 2000er‑Jahre entstandenen Porträt des damaligen wie heutigen russischen Staatspräsidenten leiten knappe biografische Informationen und eine erste Aufzählung der strukturellen Probleme des Landes die Darstellung ein. In acht Kapiteln werden Letztere anschließend detailliert ausgeführt. Während Gloger unter den Schlagworten Wirtschaft, Ideologie, Propaganda und Zivilgesellschaft die innere Entwicklung Russlands betrachtet, ist die zweite Hälfte des Buches der Außenpolitik gewidmet. Dabei wird der Ukraine‑Konflikt besonders ausführlich untersucht, wenngleich weit weniger prominent als es der Untertitel des Buches vermuten lässt. Es folgen Kapitel zu den Beziehungen Russlands zur NATO und zum deutsch‑russischen Verhältnis. In allgemein verständlicher Sprache und auf der Basis deutscher, englischer und russischer journalistischer und wissenschaftlicher Quellen verdeutlicht die Autorin, wie das Land besonders in der dritten Amtszeit Putins als Staatspräsident von einer starken „Reideologisierung“ der Politik geprägt ist. Klare Freund‑Feind‑Bilder und „zunehmend nationalistisch[e] Heilsversprechen“ (84) bestimmen die innen‑ und außenpolitischen Diskurse – gerade auch angesichts der zunehmenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten, nachdem während Putins erster und zweiter Präsidentschaft das Land aufgrund der damaligen hohen Preise für fossile Energieträger einen starken Aufschwung erlebte, an dem größere Gruppen der Gesellschaft partizipieren konnten. Als wichtigste Ursache für das konflikthafte Verhältnis Russlands zum Großteil der europäischen Staaten und den USA sieht Gloger im „Legitimationsdefizit des Systems Putin“ (11). Ob dieses letztlich zu einem Ende dieses Systems führen wird, bleibt abzuwarten.
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Rubrizierung: 2.622.14.34.224.21 Empfohlene Zitierweise: Martin Munke, Rezension zu: Katja Gloger: Putins Welt. Berlin: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39318-putins-welt_47795, veröffentlicht am 28.01.2016. Buch-Nr.: 47795 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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