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Detlef Georgia Schulze / Sabine Berghahn / Frieder Otto Wolf (Hrsg.)

Rechtsstaat statt Revolution, Verrechtlichung statt Demokratie? Transdisziplinäre Analysen zum deutschen und spanischen Weg in die Moderne. Die historischen Voraussetzungen

Münster: Westfälisches Dampfboot 2010 (Neue Analysen zu Staat, Recht und Politik. Serie A: Sammelbände und Monographien 2.1); 479 S.; 45,- €; ISBN 978-3-89691-672-3
Demokratie und Rechtsstaatlichkeit gelten als die Grundlagen der westlichen Welt und werden meist mit den Begriffen Terror und Gewalt kontrastiert. Schulze, Berghahn und Wolf führen in ihrem Vorwort aus, dass sich diese Prämissen in mehrfacher Hinsicht infrage stellen ließen. Ist der Rechtsstaat überhaupt Ausdruck von Demokratie? Sind Rechtsstaaten mit Staaten gleichzusetzen, in denen schlichtweg das parlamentarische Gesetz gilt? Die grundlegenden Fragen werden in diesem Band vor allem anhand der deutschen und spanischen Verhältnisse untersucht. Aus der deutsch-spanischen Tradition der Ableitung von Rechtssätzen aus Naturrecht und überpositiven Rechten ließe sich die Frage stellen, ob damit bereits ein Gegenmodell zu westlichen Staaten aufgezeigt ist, die in der Tradition eines demokratisch-parlamentarischen Gesetzesstaates stehen. Während Ellen Meiksins Wood in ihrem Beitrag betont, dass die Unterschiede zwischen Frankreich und England nicht geringer als zwischen Deutschland und Spanien seien und Julia Macher in ihrem Aufsatz überhaupt die Analyse deutsch-spanischer Gemeinsamkeiten mittels eines Sonderwegmodells bezweifelt, versucht Carsten Zorn, gerade dieses Modell wieder für die Analyse fruchtbar zu machen. Dafür knüpft er an das Konzept der Gesellschaftsgeschichte nach Hans-Ulrich Wehler und die Systemtheorie von Niklas Luhmann an. Eine forschungsleitende Fragestellung wäre dann, warum funktionale Differenzierungen nicht nur ihre eigenen Strukturen, sondern immer auch die Möglichkeit faschistischer Reaktionen reproduzierten. Er betont vor diesem Hintergrund aber, „dass mit dem deutschen Sonderweg sicher nur eine Entwicklungsmöglichkeit zum Faschismus in der modernen Gesellschaft rekonstruiert werden kann“ (170). Die Sonderwegsthese müsse immer ganz besonders, so Zorn, in Konfrontation mit anderen Theorien betrachtet werden. Der Band ist das Ergebnis eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin geförderten Forschungsprojekts.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.1 | 2.21 | 2.61 | 2.3 | 2.31 | 2.35 | 2.331 | 5.43 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Detlef Georgia Schulze / Sabine Berghahn / Frieder Otto Wolf (Hrsg.): Rechtsstaat statt Revolution, Verrechtlichung statt Demokratie? Münster: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/28386-rechtsstaat-statt-revolution-verrechtlichung-statt-demokratie_33437, veröffentlicht am 27.05.2010. Buch-Nr.: 33437 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken