Susanne Fischer

Reisen für den Frieden? Engagement von Unternehmen der Tourismusbranche in Israel und den Palästinensischen Gebieten

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2012 (Studien der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung 12); 212 S.; brosch., 34,- €; ISBN 978-3-8329-6788-8
Politikwiss. Diss. Darmstadt; Begutachtung: K. D. Wolf, N. Deitelhof. – Spätestens seit dem öffentlichen Skandal um die sogenannten Blutdiamanten des DeBeer-Konzerns werden Unternehmen, die in Kriegsgebieten agieren, besonders kritisch beäugt. Von ihnen wird nicht nur erwartet, dass sie ihre ökonomischen Interessen zurückstellen, wenn diese zur Entstehung, Eskalation oder Persistenz von Gewalt beitragen. Ihr Engagement soll sich auch pazifizierend auf den Konflikt auswirken. Die Forschung zum Zusammenhang von privatwirtschaftlichem Handeln und Gewaltkonflikten konzentriert sich allerdings überwiegend auf die negativen Auswirkungen einer ethisch und politisch blinden ökonomischen Gewinnmaximierung sowie zum großen Teil auf die extraktive Branche. Entdeckt wurden sogenannte Kriegsökonomien – Systeme, in denen Gewalt und Profitstreben interdependent funktionieren, (internationale) Unternehmen und lokale Bürgerkriegsparteien eine unheilvolle Allianz bilden, die ein Ende der Gewalt unwahrscheinlich werden lässt. Fischer führt insofern einen doppelten Perspektivwechsel durch. Sie beschäftigt sich mit den pazifizierenden Unternehmensaktivitäten der Tourismusbranche. Erforscht wird das unternehmerische Engagement, das die Voraussetzung erfüllt, potenziell zu einer Befriedung des Israel-Palästina-Konfliktes beizutragen, und nicht seine tatsächlichen Effekte. Konkret untersucht die Politologin das friedenspolitisch relevante Verhalten von sechs großen Konzernen mit Sitz in Deutschland und Palästina. Es zeigt sich zunächst, dass sich nur zwei der sechs umfassend für den Frieden einsetzen, wohingegen die übrigen vier sich diesbezüglich nur geringfügig engagieren. Auf der Grundlage von qualitativen Interviews mit leitenden Angestellten der Konzerne plausibilisiert Fischer die These, dass Strukturfaktoren wie staatliche Anreizstrukturen, die Marktflexibilität der Unternehmen und der Branchendiskurs über Unternehmensverantwortung das geringe Engagement der Mehrheit erklären können, wohingegen Akteursfaktoren wie das Reisekonzept, die Unternehmensleitung und die Unternehmensstruktur das herausragende Engagement der beiden „Vorreiter“ (187) bedingen.
Marius Hildebrand (HIL)
M. A., Politikwissenschaftler, Doktorand, Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 4.41 | 2.63 | 4.45 Empfohlene Zitierweise: Marius Hildebrand, Rezension zu: Susanne Fischer: Reisen für den Frieden? Baden-Baden: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/34849-reisen-fuer-den-frieden_41893, veröffentlicht am 12.04.2012. Buch-Nr.: 41893 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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