Wolfgang Benz (Hrsg.)

Ressentiment und Konflikt. Vorurteile und Feindbilder im Wandel. Hrsg. im Auftrag des Sir Peter Ustinov Instituts, Wien

Schwalbach/Ts.: Wochenschau Verlag 2014 (Wochenschau Wissenschaft); 237 S.; 24,80 €; ISBN 978-3-7344-0009-4
Der vom renommierten Antisemitismusforscher Wolfgang Benz herausgegebene Band ist aus einer interdisziplinären Fachtagung im Mai 2013 hervorgegangen. In seinem Eröffnungsbeitrag umreißt Benz brillant ein Panorama der Ressentiments in Deutschland, ausgehend von den Thesen Thilo Sarrazins. Der „streitbare Populist“ (9) dient Benz als Beispiel für die um sich greifende Abneigung gegenüber Muslimen, die angeblich Deutschland oder ganz Europa zu islamisieren versuchen. Auch wenn, wie etwa die Langzeituntersuchungen „Deutsche Zustände“ unter der Federführung von Wilhelm Heitmeyer zeigten, Homophobie und Antisemitismus in Deutschland rückläufig seien, sei heute besonders der Antiziganismus „in der Mitte der Gesellschaft verbreitet“ (12). Vertiefend zeigt dazu Brigitte Mihok in ihrem Beitrag zur Roma‑Feindlichkeit, wie „Schreckbilder vom ‚Zuzug der Roma’ in der massenmedialen Deutung der Migration immer wieder zurückkehren“ (111). Mehrere Beiträge nehmen auch die Situation außerhalb Deutschlands in den Blick, etwa die wachsende Europa‑Skepsis in Griechenland oder ethnische Ressentiments in Ungarn. Einen Vergleich macht Farid Hafez am Beispiel islamophober Politiken in der Schweiz, Deutschland und den Niederlanden auf und zeigt, dass „rechtspopulistische Parteien im Bereich islamophob‑populistischer […] Wahlkampfstrategien länderübergreifend voneinander lernen“ (32). In seinem meinungsstarken, analytisch leider wenig zusammenhängenden Beitrag bildet Deutschland das Beispiel dafür, dass selbst ohne eine regierende rechtspopulistische Partei islamfeindliche Politiken festzustellen seien, da auch „auf Seiten der SPD und der Unionsparteien islamophobe Haltungen zu beobachten sind“ (39). Aufgrund des Zeitpunktes der Konferenz ist leider kein eigener Beitrag zur aktuellen Flüchtlingsdebatte enthalten; auch der Rechtspopulismus der „Alternative für Deutschland“ (AfD) oder die antisemitischen Auswüchse bei Protesten gegen die Politik Israels im zurückliegenden Sommer bleiben deshalb außen vor. Dennoch bietet der Band eine lesenswerte Bestandsaufnahme, zumal die knapp und übersichtlich gehaltenen Beiträge auch für Nichtexpert_innen gut verständlich sind.
{FK}
Rubrizierung: 2.232.352.612.42.54.42 Empfohlene Zitierweise: Frank Kaltofen, Rezension zu: Wolfgang Benz (Hrsg.): Ressentiment und Konflikt. Schwalbach/Ts.: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/37886-ressentiment-und-konflikt_46134, veröffentlicht am 11.12.2014. Buch-Nr.: 46134 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

Das Portal für Politikwissenschaft ist eine Einrichtung der Stiftung Wissenschaft und Demokratie.