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Martin K. W. Schweer (Hrsg.)

Sex and Gender. Interdisziplinäre Beiträge zu einer gesellschaftlichen Konstruktion

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2009 (Psychologie und Gesellschaft 7); 172 S.; brosch., 34,- €; ISBN 978-3-631-57991-6
Die Autoren widmen sich weniger aus dem im Titel angekündigten interdisziplinären Blickwinkel (die meisten Artikel entstammen dem Bereich der Erziehungswissenschaft und Sozialen Arbeit) denn aus einer intersektionalen Perspektive dem Gegenstand der sozialen Konstruktion von Geschlecht zu. Dabei werden die Zusammenhänge von Geschlecht und Alter, sozialer und nationaler Herkunft, Bildung und Arbeit dargestellt, ohne dass hierbei allerdings nennenswert neue Ergebnisse für die Geschlechterforschung zu konstatieren wären. Im Gegenteil: Gerade in den Bereichen, in denen aktuell eine stärkere Fokussierung innerhalb der Geschlechterforschung zu verzeichnen ist – nämlich die Analyse von Interdependenz (und nicht Addition) von Gender mit anderen Strukturkategorien – vergeben die Autoren die Chance, neue Erkenntnisse hervorzubringen. Stattdessen werden bereits mehrfach postulierte Forderungen wie die Notwendigkeit einer geschlechtersensiblen Schulbildung, Medien- oder Sexualerziehung sowie entsprechend ausgerichtete Curricula-Entwicklungen für Lehrende und Erziehende usw. aufgegriffen und dabei oft nur bedingt überzeugend argumentativ belegt. So beschreibt Mogge-Grotjahn in ihrem Beitrag zwölf reale und fiktionale Beispiele von Menschen mit Migrationshintergrund, um daran die Komplexität von Migration zu verdeutlichen. Was als guter Ansatz beginnt (so differenziert sie nach verschiedenen Arten von Migration und zeigt deren Einfluss auf die Geschlechter auf), endet abrupt mit der Feststellung, das Geschlecht eine wesentliche Variable im Verständnis von Biografien mit Migrationshintergrund darstellt, aber eben nicht die einzige. Auch die Prognose von Backes, nach der die zunehmende Alterung der Gesellschaft zu Legitimationsproblemen der bisher praktizierten Geschlechterrollenverteilung in Beruf und Familie führt, ist wenig überraschend. Insgesamt etwas befremdlich ist die Unverbundenheit der Artikel, durch die trotz des Querschnittscharakters des Themas doch der Eindruck eines Sammelsuriums entsteht.
Eva Voß (EV)
Dr., Politikwissenschaftlerin, Senior Referentin für Diversity Management bei der Bertelsmann AG.
Rubrizierung: 2.36 Empfohlene Zitierweise: Eva Voß, Rezension zu: Martin K. W. Schweer (Hrsg.): Sex and Gender. Frankfurt a. M. u. a.: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/31087-sex-and-gender_36961, veröffentlicht am 23.09.2009. Buch-Nr.: 36961 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken