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Silvan Siefert

Social Security in India and China. Reforms, Development and Determinants of Social Security Provision in India and China (2004-2009)

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2015 (Moderne Südasienstudien – Gesellschaft, Politik, Wirtschaft 4); 460 S.; 89,- €; ISBN 978-3-8487-2682-0
Politikwiss. Diss. Heidelberg; Begutachtung: S. Mitra, M. Schmidt. – Sehr viele Menschen in China und Indien sind nach wie vor ungenügend sozial abgesichert. Im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs habe es zwar deutliche Fortschritte im Aufbau der Sozialsysteme gegeben, schreibt Silvan Siefert, doch die jüngste Finanzkrise habe auf drastische Weise gezeigt, wie wenig soziale Sicherheit für große Teile der Bevölkerung gewährleistet sei. Er verweist jedoch darauf, dass China offenbar wesentlich erfolgreicher damit ist, diese Problematik anzugehen. Dass Indien hier als demokratisches System im Vergleich zu einem autokratisch regierten Land weniger für seine Bürger zu leisten vermöge, widerspreche allerdings den gängigen Annahmen westlicher liberaler Theorien. Der Autor beleuchtet mit seiner Studie die Hintergründe dieses Phänomens, indem er die Sozialpolitik beider Länder und ihre Performanz im Hinblick auf soziale Sicherheit gegenüberstellt. Neben der Kernfrage des Warums der unterschiedlich erfolgreichen Sozialpolitik geht Siefer in einer weiteren Forschungsfrage auch darauf ein, inwieweit zwei so unterschiedlich gestaltete politische Systeme überhaupt auf diese Art verglichen werden können. In vielen ländervergleichenden Studien werde der Faktor der Bürokratie vernachlässigt, erklärt der Autor im Untersuchungsteil seiner Arbeit. Er findet hier große Gemeinsamkeiten zwischen den Ländern: Sowohl in China als auch Indien fehle es an guter Ausbildung und den nötigen Ressourcen in der Verwaltung, Ineffizienz und Korruption seien weit verbreitet. Zudem sei das Niveau der Rechtsstaatlichkeit relevant für den Zugang der Bürger zur sozialen Absicherung, allerdings weniger als oft vermutet. In den Verfassungen beider Länder seien soziale Rechte nur als Prinzipien formuliert, aber nicht als messbare politische Ziele. Die Gewerkschaftsbewegung in beiden Ländern sei historisch eng mit Parteien verknüpft gewesen und daher traditionell in Unabhängigkeit und Einfluss beschränkt. Allerdings existiere in China eine organisierte Arbeitnehmervertretung quasi nur auf dem Papier, während die Organisationen in Indien zumindest gewisse Freiheiten hätten. Als einen entscheidenden Faktor nennt der Autor in seinem Fazit schließlich das höhere chinesische Wirtschaftswachstum, das mehr soziale Absicherung ermögliche. Ein weiterer Teil der vielschichtigen Antwort auf die Forschungsfrage sei, dass Chinas Regierung institutionell und konstitutionell weniger gehemmt agieren und ohne Rücksicht auf Interessensausgleich oder Konsensfähigkeit regieren könne.
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Rubrizierung: 2.682.22.212.262 Empfohlene Zitierweise: Wolfgang Denzler, Rezension zu: Silvan Siefert: Social Security in India and China. Baden-Baden: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39728-social-security-in-india-and-china_48160, veröffentlicht am 02.06.2016. Buch-Nr.: 48160 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken