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Tobias Dürr / Franz Walter (Hrsg.)

Solidargemeinschaft und fragmentierte Gesellschaft: Parteien, Milieus und Verbände im Vergleich. Festschrift zum 60. Geburtstag von Peter Lösche

Opladen: Leske + Budrich 1999; 562 S.; 88,- DM; ISBN 3-8100-2246-2
Festschriften - man weiß es - sind eine heikle "Textsorte" und zwar gleichermaßen für den Jubilar wie für die Gratulanten. Die vorliegende zu Ehren des Göttinger Parteienforschers sucht, durchaus mit einigem Erfolg, eine Gratwanderung zwischen sachlicher Ausrichtung auf das Leitthema Lösches - der Transformation politischer Milieus - und lockerer, nicht akademisch fixierter Komposition, die den Beiträgen Spielraum für praxisnahe Formulierungen läßt. Vor allem in den Teilen II und IV ist das gelungen. Die Mehrheit der Autoren gehört zum universitären Milieu, ein knappes Drittel wird von Nachwuchswissenschaftlern gestellt; die politische Praxis ist indes auch vertreten: das Autorenverzeichnis weist bei einem Verfasser die knappe Berufsangabe "Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland" auf. Inhalt: I. Ein Gespräch mit Peter Lösche: Peter Lösche / Tobias Dürr / Franz Walter: "Abschiednehmen von der alten Solidargemeinschaft" (15-38). II. Parteien, Milieus und Verbände im historischen Vergleich: Franz Walter: Katholisches Milieu und politischer Katholizismus in säkularisierten Gesellschaften: Deutschland, Österreich und die Niederlande im Vergleich (43-71); Jens Borchert: Die Politik der Milieus und das Milieu der Politik (73-88); Dietmar Klenke: Überlebenstechniken des Eichsfelder Katholizismus unter den deutschen Diktaturen: Identitätssicherung oder Selbstaufgabe? (89-110); Helge Matthiesen: Volksgesetzgebung - eine Gefahr für die Demokratie? Das Youngplan-Referendum 1929 und die Weimarer Erfahrungen (111-129); Birgit Behrends: Das bürgerlich-liberale Milieu in der Stadt Nordhausen - ein Sonderfall? (131-150); Ursula Birsl: Die veränderte Geschäftsgrundlage gewerkschaftlicher Politik: Von der Einheitsgewerkschaft zur Konkurrenzgewerkschaft (151-172). III. Parteien- und Regierungssysteme: Gerhard Schröder: Politische Strategien im Spannungsfeld zwischen Ökonomie und Ökologie (177-185); Tobias Dürr: "Irlandisierung", nicht Ende? Einige Überlegungen zur Zukunft der deutschen Volksparteien nach dem Zerfall ihrer Voraussetzungen (187-208); Hans-Joachim Veen: Die Bundestagswahl vom 27. September 1998: Politisch-kultureller Wendepunkt der Parteiendemokratie in Deutschland (209-222); Winfried Steffani: Ministerpräsident und/oder Premierminister? (223-248); Herbert Dittgen: Politische Führung in Bonn und Washington: Formelle und informelle Bedingungen des Regierens im parlamentarischen und präsidentiellen Regierungssystem (249-264); David B. Walker: Von der Differenz zur Konvergenz? Deutscher und amerikanischer Bundesstaat im Vergleich (265-286); Wolfgang Renzsch: Konfliktlösung im parlamentarischen Bundesstaat: Zur Verfahrenssteuerung durch politische Parteien (287-302); Ina Stephan / Michael Minkenberg: Präsidenten und Frauen: Privatleben und öffentliches Interesse in den USA und in Frankreich (303-317); Ernst Kuper: Die Osterweiterung von NATO und Europäischer Union: Ein Vergleich der Argumentationsmuster in Deutschland und in den USA (319-339). IV. Sozialdemokratie und christliche Union in der Bundesrepublik: Tilman Fichter: Eliten- und Theoriebildung in der SPD nach 1945 (343-352); Heinz Thörmer: Ständiger Wandel als Aufgabe: Überlegungen zur Programmatik und zur Organisationskultur der SPD (353-360); Jürgen Ackermann: Die Krise der SPD in den Großstädten: Der Fall Kassel (361-378); Wigbert Löer: Ausflug zur Macht, noch nicht wiederholt: Die Sozialdemokratische Wählerinitiative und ihre Rudimente im Bundestagswahlkampf 1998 (379-393); Frank Bösch: "Zu katholisch": Die Durchsetzung der CDU und das schwierige Zusammengehen der Konfessionen in der Bundesrepublik Deutschland (395-418); Gerhard Hirscher: Die CSU nach den Wahlen 1998: Tendenzen zur "lose verkoppelten Anarchie", zur "Cäsarisierung" und "Bonapartisierung"? (419-444). V. Parteien in internationaler Perspektive: Bassam Tibi: Eine islamische Spielart der nicht-westlichen Demokratie? Parteien und Interessenverbände im demokratischen Nationalstaat und in der fundamentalistischen Gottesordnung (449-461); Feliks Tych: Zwischen Usurpation und Transformation: Bemerkungen zum System der Einparteienherrschaft und dem Wandel der Arbeiterbewegung am Beispiel Polens 1944-1989 (463-473); Uwe Jun: Forza Italia - der Prototyp einer Medienkommunikationspartei? (475-491); Gunnar Hinck: Schwedens Sozialdemokraten: Das Ende einer Erfolgsgeschichte? (493-508). VI. Ideen: Walter Euchner: Sozialdemokratismus aus ideengeschichtlicher Vogelperspektive (513-526); Manfred Friedrich: Sozialwissenschaftliche Parteienanalyse bei Georg Jellinek (527-536); Undine Ruge: Glaube und Gemeinschaft: Der "konservative Liberalismus" des Alexis de Tocqueville (537-552).
Thomas Mirbach (Mir)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 1.3 | 2.3 | 2.331 | 2.22 | 2.64 | 2.32 | 2.62 | 2.61 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Tobias Dürr / Franz Walter (Hrsg.): Solidargemeinschaft und fragmentierte Gesellschaft: Parteien, Milieus und Verbände im Vergleich. Opladen: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/8302-solidargemeinschaft-und-fragmentierte-gesellschaft-parteien-milieus-und-verbaende-im-vergleich_10935, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 10935 Rezension drucken