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Peter Biegelbauer (Hrsg.)

Steuerung von Wissenschaft? Die Governance des österreichischen Innovationssystems

Innsbruck/Wien/Bozen: Studien Verlag 2010 (Innovationsmuster in der österreichischen Wirtschaftsgeschichte 7); 332 S.; 38,90 €; ISBN 978-3-7065-4834-2
Das Fragezeichen hinter dem Titel dieser Aufsatzsammlung insinuiert, dass es in Österreich vielleicht nie eine Strategie oder Steuerung der Politik im Bereich Forschung, Technologie und Innovation (FTI) gegeben hat oder aktuell gibt. Um dies zu überprüfen, bietet der Band einen Überblick über Versuche und Veränderungen in der staatlichen FTI-Politik: Von den typischen Investitionen der Nachkriegszeit in big science (vor allem in Atom- und Weltraumprogramme) blieb Österreich ohnehin ausgespart; doch auch die wenigstens geringfügig spürbare Planungseuphorie ging spätestens mit den Wirtschaftskrisen der 70er- und 80er-Jahre verloren. Der seither virulente Steuerungspessimismus trifft daher auf die seit jeher mangelnde Koordination und Kooperation der mit FTI betrauten Ministerien. Werden FTI gerade in Zeiten der Globalisierung als Schlüssel für die soziale und wirtschaftliche Entwicklung des Landes gesehen, so fällt doch auf, dass zwischen ursprünglich beabsichtigten und tatsächlich eingetretenen Folgen eines Steuerungsversuche stets eine Lücke klafft, die die Lenkungsmacht des Staates heute an sich infrage stellt. Die Autorinnen und Autoren des Sammelbandes gehen dem in ihrer Untersuchung auf drei Ebenen nach: Zuerst wird die Mesoebene diskutiert, indem etwa Christoph Aichner die Geschichte des 1967 gegründeten Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) skizziert und dessen Neuausrichtungen und Verantwortlichkeiten gegenüber geänderten innenpolitischen und europäischen Verhältnissen reflektiert. Die Makroebene beschreibt Karl Müller aus systemischer Perspektive und zeigt die Netzwerkdynamiken zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft seit 1965 auf. Insbesondere für Politologen von Interesse sind Beiträge, die sich mit der Mikroebene beschäftigen: Thomas König rollt die Geschichte der österreichischen Politikwissenschaft seit 1945 auf und weist dabei auf grundsätzliche Muster der politikwissenschaftlichen Forschung und Forschungsförderung – wie etwa die extrem verspätete Internationalisierung – und damit auf die künftig zu bearbeitenden Aufgabenfelder hin.
Tamara Ehs (TE)
Dr. phil., Politikwissenschaftlerin am IWK Wien und Lehrbeauftragte an der Universität Salzburg (http://homepage.univie.ac.at/tamara.ehs/)
Rubrizierung: 2.4 | 2.263 | 1.1 Empfohlene Zitierweise: Tamara Ehs, Rezension zu: Peter Biegelbauer (Hrsg.): Steuerung von Wissenschaft? Innsbruck/Wien/Bozen: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/32992-steuerung-von-wissenschaft_39408, veröffentlicht am 03.11.2010. Buch-Nr.: 39408 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken