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Johannes Dillinger

Terrorismus. Wissen was stimmt

Freiburg i. Br./Basel/Wien: Herder 2008 (Herder spektrum 5866); 127 S.; kart., 7,95 €; ISBN 978-3-451-05866-0
Der Autor will kursorisch grundsätzliche Fragen zum Thema des Terrorismus beantworten, wie beispielsweise: Gibt es einen neuen Terrorismus? Ist der Terrorismus Ausdruck politischer Verirrung oder religiöser Motivation? Einleitend betont Dillinger, dass es problematisch sei, allein eine Definition für das Phänomen Terrorismus aufzustellen. Der UNO sei dies bis heute nicht gelungen und während man den Terror der RAF der 70er-Jahre allgemein als solchen klassifiziert, sehe die Situation im Falle von Nelson Mandelas Partei African National Congress, die vor Gewalt nicht zurückschreckte, komplizierter aus. Und schließlich sah sich die RAF auch „selbst als Opfer von Terrorismus, ausgeübt von der kapitalistischen Macht des Westens“ (11). Als Arbeitsdefinition für das Buch bestimmt der Autor Terrorismus als Gewalt oder ihre Androhung, die politischen Zielen diene und von Akteuren ausgehe, die keinen staatlichen Auftrag haben, jedoch unter der Schwelle der Kontrolle eines Gebietes bleibe. Was den Komplex Weltreligionen und Terrorismus anbelangt, stellt Dillinger fest, dass es zuvorderst irreführend sei, von religiösem Terrorismus zu sprechen. Denn keine Religion habe den Terrorismus explizit in ihren Dogmen und keiner terroristischen Gruppe gehe es um rein religiöse Inhalte. In ihrem Bestreben nach Anpassung der Ordnungssysteme von Staat und Gesellschaft an ihre religiös begründeten Konzepte, „verfolgen sie damit letztlich politische Ziele“ (47), auch die Theokratie sei eine politische Ordnung, so Dillinger. Durch den Fokus auf die politischen Ziele werde gemäß dem Autor auch der Protestcharakter des Terrorismus deutlicher. Kurze Betrachtungen widmet er unter anderem der Moslembruderschaft, dem Dschihadismus, Al Kaida, den radikalen Evangelikalen und Juden. Abschließend stellt Dillinger eher optimistisch fest, dass der Terrorismus uns zwar auch weiterhin begleiten wird, aber „dennoch darf man annehmen, dass der islamische Terrorismus an Bedeutung verlieren wird“ (123).
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.25 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Johannes Dillinger: Terrorismus. Freiburg i. Br./Basel/Wien: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/29294-terrorismus_34645, veröffentlicht am 29.07.2008. Buch-Nr.: 34645 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken