Sven Gareis / Gunther Hauser / Franz Kernic (Hrsg.)

The European Union – A Global Actor?

Opladen u. a.: Barbara Budrich Publishers 2013; 450 S.; pb., 48,- €; ISBN 978-3-8474-0040-0
„Welche Art von ‚Akteur’ ist die EU in den internationalen Beziehungen?“ (7) Auch wenn diese Frage theoretisch durchaus relevant ist, geht es Sven Bernhard Gareis, Gunther Hauser und Franz Kernic in diesem Band mehr um die praktische Dimension der Gemeinsamen Außen‑ und Sicherheitspolitik der EU. Die 24 Beiträge, die unter anderem von Politikwissenschaftlern, Völkerrechtlern und Journalisten stammen, sind dabei drei Schwerpunkten gewidmet: der Geschichte und den Institutionen der EU‑Außenpolitik, den Beziehungen der EU zu anderen internationalen Organisationen, Institutionen und regionalen Mächten sowie den unterschiedlichen Politikbereichen, die aktuelle Herausforderungen für die EU‑Politik beinhalten. Marc‑André Boisvert dreht bei der Beantwortung der Frage, welche Art von Akteur die EU darstellt, den Spieß um, indem er aus afrikanischer Warte untersucht, was Afrika von der Krisenvorsorge und Konfliktprävention der EU zu erwarten hat. Im Ergebnis diagnostiziert er der EU eine „multiple Persönlichkeit“ (181): Die Union komme als barmherziger Samariter mit guten Absichten, allerdings – insbesondere im Bereich der Sicherheitspolitik – nie selbstlos daher, offenbare sich als Kontrollfreak, dem es um Einflusswahrung gehe, trete als Wettbewerber gegenüber neuen Akteuren wie zum Beispiel China und Indien auf oder gebe sich als Retter. Letztere Rolle sei ein Resultat der Überbetonung der Sicherheit in den europäisch‑afrikanischen Beziehungen, was zu einem „auf Negativität basierende[n] Dialog“ geführt habe, der die „historischen Beziehungen zwischen den Kontinenten verschleiert und einen positiveren Austausch unterminiert“ (193). Dass die EU auch in Bereichen, in denen sie sich selbst als Vorreiter sieht, ihren eigenen Ambitionen nicht immer gerecht werden kann, zeigt Klaus Fischer in seinem Beitrag zur Rolle der EU in den globalen Umwelt‑ und Klimaschutzbemühungen. Die EU ist demnach im Post‑Kyoto‑Prozess auf Partner angewiesen, die sie für dieses Vorhaben nicht zu finden scheint. Fischer kommt daher zu dem Schluss, dass Pragmatismus und „tiefer hängende Früchte als ein Post‑Kyoto‑Abkommen“ (396), zum Beispiel in Form einer Konzentration auf technologische Fortschritte und deren internationale Verbreitung, hierzu Möglichkeiten wären. Insgesamt bietet der Sammelband eine vielschichtige und perspektivenreiche Lektüre zur EU und ihrer Rolle in der Welt. Die Herausgeber kommen zu dem Fazit, dass die EU wohl kein Akteur im traditionellen Sinne sei, jedoch global agiere und „ein bedeutender Faktor in der Weltpolitik“ (441) sei. Dabei müsse sie allerdings effektiver und entschlossener handeln, insbesondere, da es für sie in Zukunft noch schwieriger werde, international überhaupt als einflussreicher Akteur anerkannt zu werden.
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Rubrizierung: 3.63.14.14.224.34.432.672.682.652.63 Empfohlene Zitierweise: Christian Patz, Rezension zu: Sven Gareis / Gunther Hauser / Franz Kernic (Hrsg.): The European Union – A Global Actor? Opladen u. a.: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/37957-the-european-union--a-global-actor_43846, veröffentlicht am 15.01.2015. Buch-Nr.: 43846 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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