Bradley Shingleton / Eberhard Stilz (Hrsg.)

The Global Ethic and Law: Intersections and Interactions

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2015; 183 S.; 48,- €; ISBN 978-3-8487-1474-2
Die Regulierung globaler politischer, ökonomischer und sozialer Interaktionen bedürfe globaler Normen; während das Recht(sdenken) noch maßgeblich vom Staat determiniert sei, so der Jurist und Mitherausgeber Eberhard Stilz, habe sich ethisches Denken seit langer Zeit, wenn nicht sogar schon immer, jenseits nationalstaatlicher Grenzen entwickelt. Erst aber der Theologe Hans Küng, dem der Band gewidmet ist, habe 1990 mit seinem Projekt Weltethos eine systematische Auseinandersetzung mit globalen ethischen Normen und Diskursen angestrebt (siehe Buch‑Nr. 3746). In der 1993 in Chicago erfolgten „Declaration Towards a Global Ethic“ definiere das Weltparlament der Religionen „Global Ethic“ als „fundamental consensus on binding values“, nämlich „non‑violence, fairness, truth and protection of sexuality“ (38). Diese Werte basierten auf zwei Prinzipien, der humanen Behandlung von Menschen und der „Goldenen Regel“: „Do not do to others what you do not want others to do to you.“ (25) Nach Küng seien diese Prinzipien allerdings keine idealistischen Slogans, sondern ethische Wegweiser, die zugleich Stützen internationalen Rechts darstellen könnten. Sie seien von einem breiten internationalen Konsens getragen, obligatorische Verhaltensnormen und Wegbereiter für internationale Rechtsnormen. Dabei distanzieren sich die Autoren sowohl von einem starren Rechtspositivismus, dem Küng die anhaltende Abhängigkeit des Rechts von seiner ethischen Rechtfertigung entgegengehalten hat, als auch von naturrechtlichen Denkmustern unter Hinweis auf den missbrauchsanfälligen, weil ahistorischen Charakter des Begriffes der Natur. Stattdessen sprechen die Autoren von einer historisch gewachsenen, „a relative, qualified relationship between legal and moral norms“ (47). Zur Verbindung von Recht und Moral spürt Bradley Shingleton in Auseinandersetzung mit Dworkin und Alexy einer Metanorm der Toleranz nach, während Jochen von Bernstorff eine Genealogie des Verhältnisses von Menschenrechten und menschlicher Würde nach dem Zweiten Weltkrieg skizziert. Brian D. Lepard, Peter G. Kirchschlaeger und Markus Kotzur erinnern an die hohe Bedeutung der Religion für die Herausbildung des modernen Völkerrechts. Dass aber auch im gegenwärtigen, „positivist[ischen]“ (65) Völkerrecht ein Spannungsverhältnis zwischen rechtlichen und moralischen Ansprüchen bestehen bleibt, zeigt sich besonders deutlich in der Geschichte und Rechtfertigung von Menschenrechten. Angesichts des globalen Rechtspluralismus plädieren die Autoren für einen dritten Weg jenseits von „sovereigntism“ und „universalism“ (174), der auf internationale rechtliche und ethische Konsensbildung, also auf „unity in diversity“ (Lepard, 65), abzielt.
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Rubrizierung: 4.14.454.424.435.44 Empfohlene Zitierweise: Hendrik Simon, Rezension zu: Bradley Shingleton / Eberhard Stilz (Hrsg.): The Global Ethic and Law: Intersections and Interactions Baden-Baden: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38767-the-global-ethic-and-law-intersections-and-interactions_47002, veröffentlicht am 20.08.2015. Buch-Nr.: 47002 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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