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Richard Javad Heydarian: The Rise of Duterte. A Populist Revolt against Elite Democracy

03.04.2019
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Autorenprofil
Vincent Wolff, M.P.P.
Basingstoke, Palgrave Macmillan 2019

Der Aufstieg von Rodrigo Duterte. Eine populistische Revolte gegen die Elitendemokratie

Ist der Präsident der Philippinen, Rodrigo Duterte, ein asiatischer Donald Trump? Dieser Kernfrage widmet sich der philippinische Journalist Richard Javad Heydarian – entstanden ist ein kurzes, detailliertes und äußert eindrucksvolles Buch zur aktuellen Lage auf den Philippinen. Dem Autor gelingt es dank ausgeprägtem Detailwissen, die Situation in dem südostasiatischen Land umfassend darzustellen, dabei verliert er nie das große Ganze aus dem Blick.

Die Philippinen nehmen historisch eine besondere Stellung ein. Oftmals als ältester Alliierter der USA bezeichnet, ist das Land außenpolitisch durch eine jahrzehntelange Kontinuität geprägt. Mit seinem Amtsantritt im Juni 2016 hatte Duterte sich zumindest verbal von den USA abgewendet und eine stärkere Annäherung an China angekündigt. Heydarian schafft es dabei, die Geschichte der Philippinen ausgewogen zu erzählen und die politischen Hintergründe des Bruches der Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten aufzuzeigen. In Letzterem sieht er einen Bruch mit der bestehenden Ordnung.

Dies sei regional entsprechend kritisch aufgenommen worden. Dennoch sei es Duterte gelungen, durch die Einbeziehung des ehemaligen Präsidenten Fidel Ramos als Berater in Fragen der Außenpolitik, die Wogen zu glätten. Auch müssten diese außenpolitischen Avancen im historischen Zusammenhang gesehen werden – bereits Amtsvorgänger Benigno Aquino habe die Annäherung an China vorangetrieben. Paradoxerweise verbessere sich aktuell das Verhältnis zu den USA wieder, da Duterte in Trump einen Geistesverwandten sehe, der mit seiner „America First“-Politik den Interessen der Philippinen entspreche. Diese Gemengelage stellt Heydarian eindrucksvoll dar und analysiert sie. Lediglich die regionalen Politikzusammenhänge fallen dabei etwas unter den Tisch, die Rolle Vietnams, Taiwans oder anderer südostasiatischer Staaten wird kaum angerissen, trotz deren direkter Betroffenheit durch die erhöhte regionale Präsenz Chinas.

Zudem sei das Land durch vergangene außenpolitische Manöver der USA geschwächt. Duterte reagiere damit nur auf die veränderten politischen Umstände in der Region. Zwar sei Obamas Fokus auf den Pazifik zwar prinzipiell zutreffend, aber deutlich zu spät gewesen. Bereits in den vergangenen Jahren sei eine schrittweise Entfremdung der Philippinen zu den USA deutlich geworden. Trotz extrem hoher Zustimmungsraten zu den USA – höher als in den Vereinigten Staaten selbst – sei der Abzug von Militärbasen und amerikanischen Truppen gesellschaftlich in den Philippinen gewollt. Dies habe allerdings die militärischen Kapazitäten sowohl der USA als auch der Philippinen vor Ort erheblich beeinträchtigt. Somit hätten sich die Philippinen militärisch in eine Lage gebracht, in der die Selbstverteidigung und die regionale Vormachtstellung reduziert waren. Daher sei die diplomatische Annäherung an China alternativlos. Diese werde allerdings elitenintern durch die militärische Führung kritisch beäugt, da sie auf Jahrzehnte amerikanischer Zusammenarbeit und Ausbildung zurückblicken. Dennoch sei sich Duterte der Unterstützung der politischen und militärischen Eliten sicher, stützen diese doch seinen innenpolitischen Kurs.

Ähnlich wie Trump müsse man den Aufstieg Dutertes innenpolitisch als Aufstand gegen die Eliten verstehen, so Heydarian. Vergleichbar wie in den USA lasse sich diese Entwicklung weniger auf den unmittelbaren Amtsvorgänger zurückführen, der ebenfalls mit hohen Zustimmungsraten aus dem Amt geschieden sei – zumal die höchsten Wirtschaftswachstumsraten seit Langem zu verzeichnen waren. Trotzdem seien die politischen Eliten gesellschaftlich desavouiert, vor allem durch zahlreiche Korruptionsskandale, die das Vertrauen nachhaltig unterwandert hätten. Dazu käme der Widerstand gegen die Hauptstadt und damit verbundene Pfründe, die Duterte als Bürgermeister von Davao in die vorteilhafte Position brachten, sich als politischer Außenseiter zu inszenieren, der das ‚wirkliche‘ Land präsentiere.

Heydarian fällt es dennoch nicht leicht, Dutertes Aversion gegen die USA politisch einzuordnen. Wiederholt wird ein Vorfall von vor zwanzig Jahren zitiert, der Dutertes Ego verletzt habe. Bei der Einreise in die USA sei ihm das Visum verweigert worden und die Befragung durch die US-Einwanderungsbehörde habe er als besonders demütigend empfunden. Obwohl dieser Vorfall bestätigt sei, sei die Auswirkung auf Dutertes politische Ideologie nicht maßgeblich, so der Autor, der offen lässt, woran dies tatsächlich liegt. Duterte sei eine Art asiatischer Trump mit einem größeren politischen Talent, der sich ähnlich wie der US-Präsident gegen angebliche kosmopolitische Eliten stelle und sich so profiliere. Dennoch fehle es ihm an ideologischer Überzeugung. Duterte wisse allerdings, wie politisch zu gewinnen sei und schlachte den Populismus gnadenlos aus.

Das Buch ist kurzgehalten und bietet sich vor allem für Einsteiger in das Thema an. Heydarian zeichnet ein umfassendes historisches Bild der Philippinen und der komplexen Lage in der Politik und Verwaltung. Tatsächlich übererfüllt das Buch seine Funktion, Dutertes Weg zur Macht zu beschreiben. Es eignet sich als generelle Einführung in die Geschichte und Politik der Philippinen. Heydarian konzentriert sich dabei stark auf außenpolitische Themen und die Eliten-Zusammenhänge. Etwas überraschend wird der selbsternannte Feldzug Dutertes gegen Drogenabhängige und die rabiate Innenpolitik nur am Rande erwähnt – und zwar als Hypothek auf internationaler Bühne. Darüber hinaus wird Duterte eine Pragmatik und innenpolitische Kontinuität attestiert, die sicherlich nicht alle Beobachter*innen teilen. Heydarian blickt positiv auf die Zukunft und rechnet vielleicht etwas zu optimistisch mit der Einhegung Dutertes durch innenpolitische Zwänge, da dieser vor allem ein politischer Machtmensch sei. Der ursprüngliche Vergleich zu Trump macht in diesem Zusammenhang wenig Hoffnung.

 

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