Ernst Cassirer

Über Rousseau. Hrsg. von Guido Kreis

Berlin: Suhrkamp 2012 (suhrkamp taschenbuch wissenschaft 2025); 174 S.; 10,- €; ISBN 978-3-518-29625-7
Anlässlich des 300. Geburtstags von Rousseau 2012 erscheint eine Fülle von Publikationen, die dem Philosophen gewidmet sind. Dazu gehört auch dieses Werk von Ernst Cassirer, das zugleich über Rousseau hinausgeht. Versehen mit einem Nachwort des Herausgebers Guido Kreis, wissenschaftlicher Assistent am Institut für Philosophie in Bonn, sind zwei Aufsätze aus den Jahren 1932 und 1939 wiederabgedruckt. In dem ersten Text beschäftigt sich Cassirer mit dem Problem Jean-Jacques Rousseau – gemeint ist die Ambivalenz zwischen Biografie und Wesen auf der einen und der heute vermittelnden Lehre über ihn auf der anderen Seite. Cassirer stellt die These auf, dass eine objektive historische Betrachtung von Person und Werken nicht möglich sei. Zu widersprüchlich sei das Leben und Streben von Rousseau und zu leidenschaftlich und modern seien die Ansichten über ihn, als dass man sie in bestimmte Schemata pressen könne. Daher zeichnet Cassirer ein Bild des Philosophen, das die verschiedenen Facetten seines Lebens hervorhebt: vom Kritiker der modernen Zivilisation über den Theoretiker des Gesellschaftsvertrages und den Pädagogen bis hin zu dem Melancholiker. Cassirer zeigt hierbei das weite Spannungsfeld von Existenz und Schriften auf, von einigen Schlüsselszenen seines Lebens bis hin zur philosophischen Verortung seines Wirkens. Im zweiten Aufsatz widmet sich Cassirer den diesbezüglichen Einflüssen auf die Werke Kants. Dieser selbst sagte einmal: „Rousseau hat mich zurecht gebracht.“ (91) Und wenn man den Worten von Cassirer glauben mag, so hatte dieser maßgeblichen Einfluss auf Kants spätere Moral- und Rechtsphilosophie. In der Summe bietet der schmale Sammelband interessante Einsichten in Rousseaus Gedankenwelt. Ob die Qualität der einzelnen Aufsätze ihren Wiederabdruck legitimiert, kann an dieser Stelle nicht endgültig beantwortet werden. Kreis schreibt dazu, dass kein anderer Autor die innere Zerrissenheit von Rousseau so prägnant wiedergegeben habe wie Cassirer.
Mario-Gino Harms (MGH)
Dipl.Pol., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.33 Empfohlene Zitierweise: Mario-Gino Harms, Rezension zu: Ernst Cassirer: Über Rousseau. Berlin: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/35678-ueber-rousseau_43079, veröffentlicht am 29.11.2012. Buch-Nr.: 43079 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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