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Günther Schmid

Übergänge am Arbeitsmarkt. Arbeit, nicht nur Arbeitslosigkeit versichern

Berlin: edition sigma 2010; 175 S.; 16,90 €; ISBN 978-3-8360-3578-1
Angesichts der vielfältigen Umbrüche im Beschäftigungssystem sind in allen modernen Gesellschaften Zugänge und Erhalt von Erwerbsarbeit riskanter geworden – der Rückgang von Normalarbeitsverhältnissen zeigt dies ebenso wie der Anstieg atypischer Beschäftigungen und die Zunahme von Mehrfacharbeitslosigkeit. Gegen die im politischen Raum als Reaktion auf diese Lage vielfach lediglich rhetorisch ins Spiel gebrachten Ansätze von Flexicurity – also einer Verbindung von Flexibilität und Sicherheit – setzt Günther Schmid das Konzept der Übergangsarbeitsmärkte. Riskant nämlich seien heute typische Übergänge im Lebenslauf – von der Schule in den Beruf, zwischen verschiedenen Erwerbsformen, Familien- und Berufstätigkeit, Beschäftigung und Arbeitslosigkeit und schließlich Übergänge vom Erwerbsleben in die Rente. Angesichts der damit verbundenen Unsicherheiten müsste eine präventiv ansetzende Politik die bisherige Arbeitslosenversicherung zu einer Arbeitsversicherung weiterentwickeln, die einerseits alle Erwerbsformen einbezieht und andererseits durch Kombination von armutsfester Grundsicherung, lohnbezogener Einkommenssicherung und lebenslauforientierter Arbeitsmarktpolitik institutionelle Arrangements schafft, die die neuen Risiken für die Betroffenen kalkulierbar machen. An etlichen Beispielen – teils aus Deutschland, teils aus europäischen Nachbarländen – zeigt Schmid, wie durch intelligente Verknüpfungen staatlicher, wirtschaftlicher und zivilgesellschaftlicher Akteure Arbeitsmarktpolitik als soziales Risikomanagement funktionieren könnte. Mindestens ebenso wichtig wie die Empirie ist jedoch die systematische Begründung dieser Abkehr von allen Workfare-Ansätzen. Hier bezieht sich Schmid zum einen auf das von der Systemtheorie entwickelte Inklusionsprinzip – dass also die wesentlichen gesellschaftlichen Funktionssysteme grundsätzlich für alle offene Zugangsmöglichkeiten bieten müssen. Zum anderen greift er – im Anschluss an Sen und Dworkin – Elemente einer normativen Verantwortungsethik auf, die als Grundlage einer Unterscheidung von individuell beziehungsweise gesellschaftlich zurechenbaren Risiken dient.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.342 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Günther Schmid: Übergänge am Arbeitsmarkt. Berlin: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/33792-uebergaenge-am-arbeitsmarkt_40477, veröffentlicht am 28.07.2011. Buch-Nr.: 40477 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken