Andreas Haidvogl

Unternehmen als Friedensmacher? Zur Rolle privatwirtschaftlicher Akteure im nordirischen Friedensprozess

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2012 (Studien der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung 13); 238 S.; brosch., 36,- €; ISBN 978-3-8329-6893-9
Diss. TU Darmstadt; Begutachtung: K. D. Wolf, H. Müller. – Bisher standen privatwirtschaftliche Unternehmen als Akteure in Konfliktregionen nur marginal im Fokus der politikwissenschaftlichen Analyse und wenn, dann beschränkte sich ihre Untersuchung innerhalb der Friedens- und Konfliktforschung fast ausschließlich auf die Herausarbeitung ihrer negativen Wirkungen. Haidvogl will dies in seiner Dissertation ändern und untersucht am Beispiel des nordirischen Friedensprozesses „ob, und unter welchen Bedingungen sich privatwirtschaftliche Akteure an der Bearbeitung von Konflikten, respektive Friedenskonsolidierungsprozessen beteiligen“ (24). Hierfür sichtet der Autor zunächst die Forschungsliteratur und stellt die vielfältigen Ansätze vor, innerhalb derer auch Unternehmen in Konfliktzonen berücksichtigt werden, betont aber gleichzeitig das bestehende Desiderat, da die Bedingungen, unter denen Unternehmen (sowohl positive als auch negative) Beiträge leisten, bisher nicht erforscht worden seien. Haidvogl konzeptionalisiert daher auf Grundlage der Governance- und unter Anreichung der Peace-Building-Forschung die unternehmerischen Beiträge und wendet dieses theoretische Raster auf das Beispiel Nordirland an. Hier kann der Autor darlegen, dass es privatwirtschaftliches Engagement im nordirischen Friedensprozess gibt, es für verschiedene Unternehmen aber unterschiedlich stark ausfällt. So zeigte Bombardier Aerospace zu Beginn des Konflikts keinerlei Aktivitäten, engagierte sich aber im Zeitverlauf erheblich im Friedensprozess und leistete in rechtsstaatlicher und sozioökonomischer Dimension beachtliche Governance-Beiträge zu Frieden und Sicherheit. Das Unternehmen Epsilon hingegen beteiligte sich nicht, das Unternehmen Kuehne + Nagel mäßig. Als Bedingungen für das Engagement kristallisiert Haidvogl Faktoren wie Unternehmensgröße, Institutionalisierungsgrad der Interfaces, das Vorhandensein einer Unternehmenskultur der allgemeinen gesellschaftlichen Verantwortung sowie das Unternehmensimage heraus. Die zunächst vom Autor angenommenen Faktoren einer gewandelten Unternehmensumwelt (u. a. neue Gesetzgebung) müssen bei genauerer Betrachtung als notwendig, aber nicht hinreichend gewertet werden. In seiner empirischen Studie betont Haidvogl, dass der Friedman’schen Annahme, Unternehmen strebten nach größtmöglichem wirtschaftlichen Gewinn, durch seine Forschungsergebnisse eine Absage erteilt werden müsse.
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 4.41 | 4.45 | 2.61 Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Andreas Haidvogl: Unternehmen als Friedensmacher? Baden-Baden: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/34847-unternehmen-als-friedensmacher_41891, veröffentlicht am 26.04.2012. Buch-Nr.: 41891 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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