Kira Auer

Vergangenheitsbewältigung in Ruanda, Kambodscha und Guatemala. Die Implementierung normativer Ansprüche

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2014 (Studien der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung 24); 399 S.; brosch., 69,- €; ISBN 978-3-8487-0994-6
Diss. TU Darmstadt; Begutachtung: K. D. Wolf. – Die Aufarbeitung von Gewalt‑ und Genoziderfahrungen ist für Nachkriegsgesellschaften unabdingbar, damit diese in Zukunft Konflikte gewaltfrei lösen und ein Wiederaufkeimen von Gewalt vermeiden können. Kira Auer fragt, welchen normativen Anforderungen die Bewältigung innergesellschaftlicher Gewaltkonflikte genügen muss, um zu einem nachhaltigen Frieden zu gelangen, und wie Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) diese Prozesse erfolgreich unterstützen können. Hierfür greift die Autorin auf die vom Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen Louis Joinet definierten Rechte auf Wissen, Gerechtigkeit und Entschädigung zurück. Diese bilden für sie, zusammen mit der Garantie der Nicht‑Wiederholung der Menschenrechtsverletzungen, die normativen Ansprüche von Vergangenheitsbewältigung. Sie dienen zugleich der Strukturierung der drei Fallstudien. Darin beschreibt Auer ausführlich die Akteure, Instrumente und Handlungsfelder der ruandischen, kambodschanischen und guatemaltekischen Vergangenheitsbewältigung sowie deren Etappen im „Zeithorizont der Generationen“ (20). Für jedes Land werden Vorschläge für die Planung und Umsetzung von entwicklungspolitischen Maßnahmen erarbeitet. So sei im Falle Ruandas politischer Druck durch negative und positive Sanktionen geboten, um entgegen der politisch geforderten Versöhnung den Rahmen für einen Aufarbeitungsprozess der Gesellschaft zu öffnen, „in dem diese selbst das Tempo, die Art und Weise und die Intensität der Erinnerung und Auseinandersetzung bestimmt“ (164). Für Guatemala, wo die Vergangenheitsbewältigung selbst Gegenstand gewaltsamer Auseinandersetzungen gewesen sei, sei eine aktive Beobachter‑ und Vermittlerrolle der EZ‑Organisationen erforderlich. In Kambodscha bestehe unter anderem enormer Aufklärungsbedarf über das vergangene Regime der Roten Khmer. Aus den Fallstudien leitet die Autorin abschließend ein Phasenmodell ab, das den Akteuren der EZ Anhaltspunkte für die Erarbeitung entsprechender Konzepte liefert. Die Arbeit ist in Verbindung mit dem Exzellenzcluster „Normative Ordnungen“ der Universität Frankfurt am Main entstanden.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.23 | 2.65 | 2.67 | 2.68 | 4.41 | 4.44 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Kira Auer: Vergangenheitsbewältigung in Ruanda, Kambodscha und Guatemala. Baden-Baden: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/37492-vergangenheitsbewaeltigung-in-ruanda-kambodscha-und-guatemala_45851, veröffentlicht am 04.09.2014. Buch-Nr.: 45851 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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