Peter Leuprecht

Vernunft, Gerechtigkeit, Würde. Eine Reise zu chinesischen, islamischen und westlichen Quellen der Menschenrechte

Klagenfurt/Wien/Ljubljana: Drava 2015 (Edition TRI); 134 S.; pb., 15,80 €; ISBN 978-3-85435-758-2
Die Bedeutung der Menschenrechte im interkulturellen Kontext wird immer wieder diskutiert und dabei auch die Frage aufgeworfen, ob es sich hierbei um ein Konzept handelt, das Kind der europäischen Aufklärung und als solches nicht vereinbar mit anderen Denktraditionen ist. An dieser Stelle setzt Peter Leuprecht an, indem er neben westlichen auch chinesische und islamische Quellen der Menschenrechte betrachtet. Gleich in der Einleitung bekennt er, dass sein Werk eine normative Dimension hat und es ihm darum geht, eine Lanze für die Universalität von Menschenrechten zu brechen, die seiner Auffassung nach das wirksamste Mittel sind, „menschliches Leid zu mindern“ (9). Ihm geht es insbesondere darum zu zeigen, dass entsprechende Überlegungen schon lange im kulturellen Erbe auch nicht‑westlicher Kulturen verankert sind. So kommt er nach der Betrachtung chinesischer Denker im ersten Kapitel zu dem Schluss, dass „Menschlichkeit, Harmonie und Sorge für den Menschen“ (38) wesentliche Elemente der chinesischen Philosophie darstellen und ein zentrales Thema ihrer Arbeiten die Frage umkreist, wie der Macht ethische Grenzen gesetzt werden müssen. Damit widerspricht er der vorherrschenden These, dass dem konfuzianischen Denken die Idee der Menschrechte fremd sei. Im zweiten Kapitel beschäftigt er sich mit Avicenna, Averroes und Ibn Khaldun, Gelehrte aus der Blüte der islamischen Klassik, die das „Bild eines humanistischen, aufgeklärten, rationalen und offenen Islam“ (85) präsentieren. Gleichzeitig kritisiert er die Entwicklung der Scharia – eigentlich als Weg des Nachdenkens über den göttlichen Willen entstanden – zur „Zwangsjacke“ (86) des Islams. Das dritte Kapitel ist dem Zeitalter der Entdeckungen und der wissenschaftlichen Neuerungen gewidmet, in dem Kritik am Imperialismus der Großmächte laut wird und die Frage nach gerechten und ungerechten Kriegen immer mehr thematisiert wird. Leuprecht kommt zu dem Schluss, dass trotz der unterschiedlichen Epochen, die er betrachtet hat, alle Denker immer wieder den Glauben an die Einheit der Menschen geteilt haben. Er schließt mit einer Kritik des Fundamentalismus: „Jede Form des Fundamentalismus [...] ist selbstverständlich und notwendigerweise unvereinbar mit dem freien Gebrauch der Vernunft und mit der Achtung anderer, die diese Gewissheit nicht teilen.“ (138)
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Rubrizierung: 5.15.325.344.42 Empfohlene Zitierweise: Michael Rohschürmann, Rezension zu: Peter Leuprecht: Vernunft, Gerechtigkeit, Würde. Klagenfurt/Wien/Ljubljana: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39993-vernunft-gerechtigkeit-wuerde_47379, veröffentlicht am 11.08.2016. Buch-Nr.: 47379 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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