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Thomas Flierl (Hrsg.)

Vordenker. André Brie zum 60. Geburtstag

Berlin: Dietz Verlag 2010; 143 S.; 12,80 €; ISBN 978-3-320-02229-7
Nach dem Niedergang des real existierenden Sozialismus hat André Brie für eine strategische Neuorientierung der demokratisch-sozialistischen Linken gestritten, den Dialog der Linken im wiedervereinigten Deutschland angeregt und europäische linke Impulse gesetzt. Zu Ehren seines des 60. Geburtstages setzen sich seine politischen Weggefährten mit dem linken Vordenker auseinander oder denken selbst vor. Der Europaparlamentarier Daniel Cohn Bendit verweist auf die große Bedeutung der Loyalität für Brie. Er mahnt allerdings, dass Loyalität nicht dazu führen sollte, Inhalte und Verhaltensweisen, die man für richtig hielte, zurückzunehmen. Brie habe dies im Umgang mit seiner Partei getan und damit dazu beigetragen, dass der Linken ein großer Teil ihrer Streitkultur verloren gegangen sei. Alarmiert durch Ereignisse wie einen glimpflich verlaufenen Zusammenstoß zweier hochmoderner Atom-U-Boote im Atlantik, die drohenden Folgen des Klimawandels und den um uns kreisenden Weltraumschrott zeichnet Friedrich Schorlemmer ein beklemmendes Bild unserer Zukunft. Zur Vervollständigung dieses Endzeitszenarios wartet er auf die Kollision zweier atombetriebener Satelliten. Als besorgniserregend empfindet er auch den Konflikt des von den USA dominierten Westens mit der muslimischen Welt. Der daraus resultierende Hass werde auch unter Präsident Obama nicht zu beseitigen sein, darüber hinaus habe der bisherige Kampf gegen den Terrorismus diesen eher bestärkt. Schorlemmer folgert daher, dass die Menschheit ihren Zenit überschritten habe. Im Kontrast zu Schorlemmers düsteren Visionen liefert Karin Schüttpelz eine humorvolle Anleitung zum Umgang mit Vordenkern. Ihr Schauplatz ist eine Abteilung eines multinationalen Unternehmens, die sich mit dem „Vordenker“ konfrontiert sieht. Diesen charakterisiert sie schmunzelnd als hoffnungslosen Fall, der trotz seiner Lebenserfahrung immer noch an die Möglichkeit einer solidarischen und friedlichen Welt glaube und daran, dass sich an deren Gestaltung alle Bürger beteiligen wollten und die zu treffenden Entscheidungen demokratisch getroffen würden.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.3 | 2.331 Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Thomas Flierl (Hrsg.): Vordenker. Berlin: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/32698-vordenker_39036, veröffentlicht am 01.03.2011. Buch-Nr.: 39036 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken