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John Bellamy Foster / Fred Magdoff

Was jeder Umweltschützer über den Kapitalismus wissen muss. Aus dem amerikanischen Englisch von Kerstin Eitner und Dagmar Wobster

Hamburg: LAIKA Verlag 2012 (laika diskurs); 148 S.; 19,80 €; ISBN 978-3-942281-37-9
Alles, was Foster und Magdoff unter dem Schlagwort globale ökologische Krise zusammenfassen, ist nur allzu gut bekannt: globale Erwärmung, Schmelzen der Polkappen und Gletscher, Anstieg des Meeresspiegels, Artensterben, Dürren etc. Was aber bei aller Sensibilität das öffentliche Bewusstsein meist nicht erreiche, schreiben sie, sei die Tatsache, dass diese Probleme „sich auf eine einzige systematische Ursache zurückführen [lassen]: die Wirtschafts- und Sozialordnung, in der wir leben“ (26) – den Kapitalismus also. Dementsprechend seien auch alle Versuche, der Katastrophe zu entrinnen, die eine solche systemische Perspektive nicht in den Blick bekommen, zum Scheitern verurteilt und werden schlimmstenfalls den bestehenden Ursprung des Übels nur stabilisieren. Magdoff und Foster beginnen daher mit der konkreten Analyse des „business as usual“ – einer Gesellschaftsordnung der warenförmigen Sozialbeziehungen, des Konkurrenzdrucks und Wachstumsdogmas, der Akkumulationsimperative und Gier, die notwendig auf die rücksichtslose Ausbeutung der eigenen Existenzgrundlage hinausläuft, denn „das System [entfaltet] seine größte zerstörerische Kraft für die Umwelt, wenn es gut funktioniert“ (61). Vor diesem Hintergrund erscheinen die Bemühungen um einen sogenannten grünen Kapitalismus mit marktförmiger Regulierung von Emissionen, umweltbewussten Produktionsstandards, Unternehmensverantwortung und Greenwashing als bloße Verblendung. So arbeiten sich die Autoren an konkreten Lösungsvorschlägen ab – an hochriskanten High-Tec- oder lokalen Low-Tec-Varianten, Energieeffizienz und Emissionshandel –, die im Ergebnis alle den grundlegenden Widerspruch verfehlten. Nötig werde also eine „ökologische Revolution“ (117), die an der basalen Beziehung zwischen Mensch und Umwelt ansetze. In Anbetracht des sofortigen Handlungsbedarfs stellen die Autoren daher eine Liste von Forderungen zusammen, die vom kompromisslosen Umstieg auf regenerative Energien bis zur Entprivatisierung öffentlicher Güter reicht. Diese Schritte können ihrer Ansicht nach aber nur Wirkung entfalten, wenn sie in den Kontext einer breiten radikalen Bewegung gestellt werden, „die keine Angst davor hat zu tun, was getan werden muss“ (126): der Kapitalismus müsse überwunden und ein ökologisches und sozial nachhaltiges Gesellschaftssystem entwickelt werden.
Alexander Struwe (AST)
B. A., Politikwissenschaftler, Student, Goethe-Universität Frankfurt am Main.
Rubrizierung: 4.45 | 4.43 Empfohlene Zitierweise: Alexander Struwe, Rezension zu: John Bellamy Foster / Fred Magdoff: Was jeder Umweltschützer über den Kapitalismus wissen muss. Hamburg: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/35630-was-jeder-umweltschuetzer-ueber-den-kapitalismus-wissen-muss_42999, veröffentlicht am 20.12.2012. Buch-Nr.: 42999 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken