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Melanie Morisse-Schilbach / Jost Halfmann (Hrsg.)

Wissen, Wissenschaft und Global Commons. Forschung zu Wissenschaft und Politik jenseits des Staates am Beispiel von Regulierung und Konstruktion globaler Gemeinschaftsgüter

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2012 (Internationale Beziehungen 17); 396 S.; brosch., 59,- €; ISBN 978-3-8329-4734-7
Die Liste der sogenannten Global Commons ist lang geworden. Sie reicht von Luft und Klima über Biodiversität bis hin zu Wald- und Fischbeständen. Häufig vergessen wird indes, dass diese Güter nicht aufgrund ihrer essentiellen Merkmale globale Gemeingüter sind, sondern in spezifischen Diskursen als solche konstruiert werden. Das heißt, dass prinzipiell jederzeit neue Güter und Werte – Wissen und stabile Finanzmärkte etwa – als globale Gemeingüter definiert werden können, während anderen wiederum dieser Status abgesprochen werden könnte. Die Liste ist kontingent, ihr Umfang abhängig von der diskursiven Wissensproduktion über das jeweilige Gut. Ausgehend von dieser wissenssoziologischen Grundannahme fragen die Autorinnen und Autoren der Beiträge nach dem Einfluss der Wissenschaft auf die Governance von Gemeingütern. Wissenschaft und Expertenwissen erscheinen zwar nicht als ein neuer, dominanter politischer Akteur im Rahmen internationaler Governance-Prozesse, das zeigen die Aufsätze der zweiten Sektion anhand verschiedener Politikfelder, dennoch sind diese „Epistemischen Gemeinschaften“ (18) machtvoll. Insofern sie auf neue Regulierungsnotwendigkeiten aufmerksam machen, neue Regulierungsformen konzipieren und damit geteilte Perzeptionswirklichkeiten herstellen, begünstigen sie die zwischenstaatliche Kooperation. Dabei zeigt sich, dass der politische Einfluss der Wissenschaft dann besonders hoch ist, wenn die Ungewissheit, die etwaigen Folgekosten und Risiken hoch sind. Die Autoren und Autorinnen der dritten Sektion gehen noch einen Schritt weiter. Sie betrachten nicht nur den Einfluss der Wissenschaft auf die Regulierung von Gemeinschaftsgütern, sondern arbeiten die „Prozesse und Mechanismen ihrer [...] Konstruktion“ (28) im Rahmen wissenschaftlicher Expertendiskurse heraus. Das kritisch-normative Potenzial dieser Verknüpfung von Internationaler Politik und Wissenssoziologie, das unterstreicht insbesondere Alexander Brand, besteht darin, dass sie es erlaubt, die wissenschaftliche „Produktion von ‚Wissen‘ unter dem Blickwinkel der Legitimierung/Marginalisierung konkurrierender Wissensbestände“ (319) zu thematisieren.
Marius Hildebrand (HIL)
M. A., Politikwissenschaftler, Doktorand, Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.2 | 4.1 | 4.43 | 4.45 Empfohlene Zitierweise: Marius Hildebrand, Rezension zu: Melanie Morisse-Schilbach / Jost Halfmann (Hrsg.): Wissen, Wissenschaft und Global Commons. Baden-Baden: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/34869-wissen-wissenschaft-und-global-commons_41915, veröffentlicht am 12.04.2012. Buch-Nr.: 41915 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken