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Britta Grell

Workfare in den USA. Das Elend der US-amerikanischen Sozialhilfepolitik

Bielefeld: transcript Verlag 2008 (Sozialtheorie); 470 S.; 36,80 €; ISBN 978-3-8376-1038-3
Politikwiss. Diss. FU Berlin; Gutachter: M. Mayer. – In dieser glänzend geschriebenen Arbeit diskutiert Grell die Entstehungsbedingungen und beschäftigungspolitischen Folgen der US-amerikanischen Sozialhilfereform durch den „Personal Responsibility and Work Opportunity Act“ von 1996. Überzeugend gelingt es der Autorin, die systematische Verbreitung und Durchsetzung des Workfare-Konzeptes – die Kopplung von Sozialleistungen an aktive Arbeitsuche – zu beschreiben. Der Wandel in diesem Wohlfahrtsstaatsmodell, das in Politik und Forschung immer wieder als Vorbild für Europa beschworen wird, beschränkte sich nicht allein auf eine arbeitsmarkt- und wirtschaftspolitisch motivierte Umorientierung zugunsten eines neoliberalen Verständnisses von Sozialstaatlichkeit, sondern wurde auch allgemein mit konservativen moralischen und strafpolitischen Argumenten begründet. Faktisch bedeutete die Reform die grundlegenden Re-Konditionierung und Re-Föderalisierung der Sozialhilfepolitik, in der kein Rechtsanspruch auf bundesstaatliche Unterstützung mehr vorgesehen ist. Überzeugend schildert Grell, dass die Folgen eines so verstandenen Wohlfahrtsstaates letztlich nicht nur in der Zunahme von Formen prekärer Beschäftigung (working poor), verstärkter Anwendung punitiver Maßnahmen und wachsender Desintegration liegen, sondern auch den Verlust von politischer Regulierung bedeuten, weil beachtliche Teile der Bevölkerung aus den amtlichen Statistiken fallen und überhaupt nicht mehr erfasst werden können. Die Arbeit bleibt nicht allein bei der ernüchternden Bilanz dieser Politik stehen, Grell fragt am Beispiel von New York und Los Angeles weiter, wie Oppositionsbewegungen auf die Erosion des bundesstaatlichen Wohlfahrtsstaates reagieren. Obwohl sich in den 90er-Jahren zahlreiche Anti-Workfare-Gruppen bildeten, scheiterten sie mit ihrem Anliegen, nichtprekäre Arbeitsplätze im öffentlichen Beschäftigungssektor zu schaffen. Hier zeigte sich die wesentliche Achillesferse der Re-Föderalisierung der Sozialpolitik, verfügten doch die Städte nicht über die monetären Mittel, solche Förderprogramme umzusetzen.
Frank Schale (FS)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 2.64 | 2.262 Empfohlene Zitierweise: Frank Schale, Rezension zu: Britta Grell: Workfare in den USA. Bielefeld: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/30251-workfare-in-den-usa_35896, veröffentlicht am 17.03.2009. Buch-Nr.: 35896 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken