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Maren Rößler

Zwischen Amazonas und East River. Indigene Bewegungen und ihre Repräsentation in Peru und bei der UNO

Bielefeld: transcript Verlag 2008 (Kultur und soziale Praxis); 383 S.; kart., 36,80 €; ISBN 978-3-89942-857-5
Phil. Diss. Leipzig; Gutachter: B. Streck, M. Münzel, M. Riekenberg. – Diese Analyse profitiert in herausragender Weise von den Erkenntnissen, die die Autorin bei der UNO und während ihrer Aufenthalte in Peru gewonnen hat. Zwischen 2003 und 2005 nahm Rößler dreimal an den Sitzungen des Ständigen Forums für indigene Angelegenheiten in New York teil und bereiste 2004 und 2005 für insgesamt sechs Monate verschiedene Regionen Perus. Entstanden ist so eine Darstellung aus erster Hand, in deren Mittelpunkt zwei empirische Teile stehen: Beschrieben werden zum einen die internationalen Prozesse indigener Selbstorganisation im Kontext der UNO, wobei Rößler diese als neue soziale Bewegungen einordnet und deren Wirken im Rückgriff auf Bourdieus Konzept des „politischen Feldes“ (30) analysiert. Zum anderen wird die Situation im peruanischen Tiefland dargestellt. Die dort lebenden 300.000 Indianer stellen unter den 26 Millionen Einwohners Perus eine kleine Minderheit dar. Politisch in Erscheinung treten sie seit den 60er-Jahren mit „supralokalen Verbänden“ (23), an denen die Menschen nicht als Individuen, sondern als Dorfgemeinschaften teilnehmen. Rößler beobachtet, wie die Indianer diese Organisationen und ihre Repräsentanten wahrnehmen, welche Aufgaben ihnen zugeschrieben werden und ob diese Zusammenschlüsse „tatsächlich als legitime, ‚staatsähnliche’ Repräsentationsinstanzen“ (25) gelten können. Ihrer allgemeinen politischen Selbstdefinition zufolge wollen diese Bewegungen gleichzeitig bestehende Gesellschaftsverhältnisse verändern und die traditionellen Lebensformen bewahren. In den Gemeinden stellte die Autorin aber auch fest, dass die Ethnizität oder Indigenität für viele Dorfbewohner nur eine mögliche, nicht aber ausschließliche Gruppenidentität darstellt. Kulturelle Ähnlichkeiten begründeten nicht zwangsläufig gemeinsame Interessen. Sie rückt daher die soziale Praxis der Akteure ins Zentrum und kommt über diese Herangehensweise doch zu dem Fazit, dass die „indianischen Föderationen im Amazonasgebiet als authentische politische Institutionen [...] gesehen werden.“ (331)
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.3 | 2.65 | 2.22 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Maren Rößler: Zwischen Amazonas und East River. Bielefeld: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/29668-zwischen-amazonas-und-east-river_35127, veröffentlicht am 21.10.2008. Buch-Nr.: 35127 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken