Martina Benz

Zwischen Migration und Arbeit. Worker Centers und die Organisierung prekär und informell Beschäftigter in den USA

Münster: Westfälisches Dampfboot 2014; 272 S.; 29,90 €; ISBN 978-3-89691-956-4
Politikwiss. Diss. FU Berlin; Begutachtung: M. Mayer, H. Schwenken. – Martina Benz untersucht US‑amerikanische Worker Centers – „Selbstorganisationen, Interessenvertretungen und Selbsthilfeorganisationen prekärer ArbeiterInnen in der informellen Ökonomie und im Niedriglohnsektor“ (13). Sie betrachtet ihre Anpassungsfähigkeit an geänderte Rahmenbedingungen im soziopolitischen und ökonomischen Bereich und fragt: „Welche politische Bedeutung haben Worker Centers als Organisationen innerhalb des politischen und gesellschaftlichen Systems?“ (29) Die Grundlage der Arbeit bilden Expert_inneninterviews, ergänzt durch teilnehmende Beobachtungen und Auswertungen der Presseberichterstattung und wissenschaftlicher Literatur. Die Entstehung der Worker Centers, gewachsen aus „Selbsthilfestrukturen, die sich […] im Laufe der Jahre und mit dem Zugang zu Fördermitteln zu Organisationen verfestigten“ (40), erklärt Benz mit dem Wandel der Arbeitsverhältnisse beginnend in den 1970er‑Jahren und der Expansion eines größtenteils unregulierten Niedriglohnsektors, in dem Mindestlöhne und Regelungen zu Arbeitszeit und Überstunden systematisch missachtet wurden. Die verstärkte (Arbeits‑)Migration und die schwache Stellung der US‑amerikanischen Gewerkschaften förderten die Prekarisierung der Arbeitsverhältnisse weiter. So stellen für die Autorin Worker Centers „Knotenpunkte zwischen Social Justice‑, MigrantInnen‑ und ArbeiterInnenbewegung“ (74) dar. Im Folgenden untersucht sie Worker Centers im Bereich Restaurants und Einzelhandel, der Pflege und Hausarbeit sowie als „Organisierung der TagelöhnerInnen“ (176). Je nach Branche setzen die Worker Centers unterschiedliche Schwerpunkte in ihrer Arbeit: Während in der Gastronomie und im Einzelhandel im Grunde gewerkschaftliche Aufgaben übernommen werden, findet für die Tagelöhner_innen überwiegend eine kontrollierte Jobvermittlung statt mit dem Ziel, Arbeitsstandards wie Mindestlöhne festzusetzen. Mit ihrer Arbeit bietet Benz einen umfassenden und lohnenswerten Blick auf die US‑amerikanischen Arbeits‑ und Lebensverhältnisse im Niedriglohnsektor. Ein gründlicheres Lektorat hätte dem Band allerdings gutgetan und sicherlich auch zum besseren Verständnis beigetragen.
Simone Winkens (SWI)
M. A., Politikwissenschaftlerin, Online-Redakteurin.
Rubrizierung: 2.642.222.262 Empfohlene Zitierweise: Simone Winkens, Rezension zu: Martina Benz: Zwischen Migration und Arbeit. Münster: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/37680-zwischen-migration-und-arbeit_46047, veröffentlicht am 16.10.2014. Buch-Nr.: 46047 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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