Wider den Menschenhandel

Die neuen Rezensionen vom 30. Oktober 2014

Menschenhandel hat viele Gesichter – und verletzt immer die Menschenrechte. Daher haben die Europäische Union und der Europarat ihr rechtliches Vorgehen dagegen intensiviert. Christoph Lindner fragt in seiner rechtswissenschaftlichen Dissertation, wie effektiv die ergriffenen Maßnahmen sind und lobt eine Richtlinie der EU aus dem Jahr 2011. Sie habe zu einer wirksamen Harmonisierung der Regelungen für die Strafbarkeit und -verfolgung von Menschenhandel in der Union geführt. Und auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte habe in einem Urteil einen Meilenstein gesetzt, indem er die Schutzpflichten von Staaten bei Menschenrechtsverletzungen durch Private formuliert habe. Insgesamt habe sich der staatliche Umgang mit der Problematik im vergangenen Jahrzehnt zum Positiven gewandelt. Diese Einschätzung wird auch in der politikwissenschaftlichen Dissertation von Bärbel Heide Uhl gestützt. Sie erläutert, dass sich die Definition der Menschenrechte ausdifferenziert und erweitert hat. Der Kampf gegen den Menschenhandel werde außerdem zunehmend durch zahlreiche nationale und internationale Akteure institutionalisiert, nicht zuletzt durch die Verabschiedung der UN-Konvention gegen transnationale organisierte Kriminalität im Jahr 2000. Im Spannungsfeld von Sicherheitspolitik und Menschenrechtsschutz komme den Betroffenen von Menschenhandel allerdings zum Teil die paradoxe Doppelrolle zu, als „Sicherheitsrisiko verwaltet und gleichzeitig zum Opfer von Menschenrechtsverletzungen erklärt" zu werden.

Inga Švarca

The Procedure of the European Court of Human Rights. Regarding Countries in Transition. The ECtHR's Transitional Justice Cases against Latvia

Hamburg: Verlag Dr. Kovač 2014 (Studien zum Völker- und Europarecht 118); LXXI, 358 S.; 129,80 €; ISBN 978-3-8300-7632-2
Diss. Hamburg; Begutachtung: R. Wolfrum, S. Oeter. – Welche Rolle spielt der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) für Staaten, die sich auf den Weg der Demokratie begeben haben? Folgt man Inga Švarca, ist der EGMR für eine Vielzahl von ihnen, insbesondere diejenigen der ehemaligen Sowjetunion, „de facto zum Gericht der letzten Instanz“ (1) geworden. In Ermangelung von Sondergerichten und angesichts von Herausforderungen, unter anderem durch den Mangel an Recht...weiterlesen
Detlef Sack

Regieren und Governance in der BRD. Ein Studienbuch

München: Oldenbourg Verlag 2013 (Lehr- und Handbücher der Politikwissenschaft); X, 323 S.; 29,80 €; ISBN 978-3-486-71270-4
Detlef Sack schickt seinem Buch die Bemerkung voraus, dass es hoffentlich keines geworden sei, das sich, wie viele andere Lehrbücher, eigentlich an Fachkollegen und nicht an Studierende richte. In der Tat dürfte das Buch sowohl für Studierende verständlich als auch für Fachkollegen interessant sein. In das Thema wird sehr grundlegend in den ersten sieben Kapiteln eingeführt. Die begrifflichen Grundlagen werden dabei ebenso behandelt wie die verschiedenen Strömungen innerhalb der Governance‑Forschung....weiterlesen
Tim Engartner / Jens Korfkamp (Hrsg.)

Grenzgänge. Traditionslinien und Spannungsfelder in der politischen Bildung. Festschrift für Klaus-Peter Hufer zum 65. Geburtstag

Schwalbach/Ts.: Wochenschau Verlag 2014 (Wochenschau Wissenschaft); 260 S.; 28,- €; ISBN 978-3-89974947-2
Diese Festschrift ist einem politischen Bildner gewidmet, der gegenwärtig zu den profiliertesten deutschen Fachvertretern gehört. Ausgehend von der politischen Erwachsenenbildung hat Klaus‑Peter Hufer mit zahlreichen bemerkenswerten Veröffentlichungen pointiert den Diskurs über ein bundesrepublikanisches Selbstverständnis mitgeprägt, dessen Themenbreite die Herausgeber in vier Kapiteln abbilden: Von der „Geschichte der politischen Bildung“ über die „Theorie und Praxis der...weiterlesen