Antworten der Aufklärung

Die neuen Rezensionen vom 29. Januar 2015

Mag die globale Gegenwart geprägt sein durch die Zerstörung der Natur, durch Armut und Religionskriege oder durch Regime, die der Entwicklung einer freien Gesellschaft entgegenstehen – neu sind diese Phänomene nicht. Wie sie zu verstehen sind und ihnen zu begegnen ist, wird in einem durchaus großen Teil der stetig dazu erscheinenden Literatur vor allem marxistisch inspiriert diskutiert. Die Vermutung, dass es sich dabei hinsichtlich der praktischen Umsetzung allerdings um eine argumentative Sackgasse handelt, liegt nahe. Umso mehr verdient die Literatur Aufmerksamkeit, deren Anknüpfungspunkte historisch noch einen weiteren Schritt zurückliegen – in der Aufklärung und damit in der Wahrheit über die Freiheit und Rechte von Individuum und Gesellschaft. Aktuell sind hier drei Bücher zu nennen: Bo Fang beantwortet in seiner Dissertation die Frage, „wie das Individuum auf unrechtmäßige Herrschaft in der modernen Gesellschaft reagieren soll", mit den Überlegungen Kants zu Recht und Politik: Soll Recht über Gewalt verwirklicht werden, wird es Unrecht, zulässig können nur Reformen sein, die das Recht und damit die Freiheit des Einzelnen verwirklichen. Bernd Rettig argumentiert in seiner Studie wider die Zerstörung der Natur und macht Hegels sittliches Verständnis von Staat und Gesellschaft zum Ausgangspunkt seiner Forderung, die Bewahrung der Natur zum Maßstab des politischen Handelns zu machen. In einem Sammelband wird außerdem das Staats- und Gesellschaftsdenken Lorenz von Steins gewürdigt. Sein frühes Nachdenken über Sozialstaatlichkeit zielte auf die Vermittlung zwischen bürgerlich-liberalem Staatsdenken und sozialer Ungleichheit.

Amnesty International (Hrsg.)

Report 2013. Zur weltweiten Lage der Menschenrechte

Frankfurt a. M.: S. Fischer 2013; 480 S.; 14,99 €; ISBN 978-3-10-000837-4
Mit dem Argument der staatlichen Souveränität rechtfertigen Regierungen Entscheidungen und Politiken, durch die Menschenrechte verletzt werden, sei es in Form von Korruption, Unterdrückung und Gewalt gegenüber Einzelnen oder von breit angelegten Vertreibungen, Hungersnöten oder gar Massenmorden. Deshalb „müssen wir das Konzept der Souveränität überdenken […] und dabei sowohl globale Solidarität als auch globale Verantwortlichkeit“ (8) miteinbeziehen, schreibt Salil Shetty, internationaler Generalsekretär von ...weiterlesen
Ulrike Lembke (Hrsg.)

Menschenrechte und Geschlecht

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2014 (Schriften zur Gleichstellung 38); 271 S.; brosch., 27,- €; ISBN 978-3-8487-1637-1
Der universelle Geltungsanspruch der Menschenrechte setzt voraus, dass diese überall für alle Menschen gleiche Geltungskraft haben. Dass Menschenrechte auch eine Genderdimension besitzen, wird im deutschen Menschenrechtsdiskurs fast ausschließlich im engen Sinne von „Frauenrechten“ thematisiert. Frauendiskriminierung macht einen großen Teil von Geschlechtsdiskriminierung aus, dazu gehört jedoch auch die Diskriminierung der sexuellen Selbstbestimmung und der Geschlechtsidentität, also von LSBTI*‑Personen (Lesben, ...weiterlesen
Marianne Weg / Brigitte Stolz-Willig (Hrsg.)

Agenda Gute Arbeit: geschlechtergerecht!

Hamburg: VSA 2014; 270 S.; 16,80 €; ISBN 978-3-89965-632-9
„More and better Jobs“ forderten im Jahr 2000 die Staats‑ und Regierungschefinnen und ‑chefs der EU in ihrer Lissabon‑Strategie für die erste Dekade des damals neuen Jahrtausends. Damit stand nicht mehr nur die Quantität, sondern auch die Qualität von Arbeit auf der politischen Agenda. Auf nationaler Ebene ist das Ziel „Guter Arbeit“ bereits seit Längerem Gegenstand unterschiedlicher Initiativen. In diesem Band wird gezeigt, dass es aufgrund der unterschiedlichen Erwerbsbedingungen von von Frauen und Männern wichtig ist, die ...weiterlesen