„Je ne suis pas Marxiste“

Die neuen Rezensionen vom 24. April 2014

Die Internationale Marx-Engels-Stiftung hat mittlerweile die „Kapital“-Abteilung der Marx-Engels-Gesamtausgabe abgeschlossen und damit begonnen, diese Werke ins Internet zu stellen. Im aktuellen Jahrbuch wird bei dieser Gelegenheit daran erinnert, dass Karl Marx der Schöpfer eines unabgeschlossenen Werkes ist, bei dem doch so einige Fragen ungeklärt blieben. Gewiss ist nur, dass er sich vom Marxismus, der aufkam, als er noch mit den Grundstrukturen seines Hauptwerkes beschäftigt war, ausdrücklich distanzierte: „Je ne suis pas Marxiste“. Dies hält – selbstverständlich, ist man geneigt anzufügen – den Marburger Politikwissenschaftler und ehemaligen Abendroth-Assistenten Georg Fülberth nicht davon ab, eine kompakte Einführung in den Marxismus vorzulegen. Dabei versteht er diesen als immer noch aktuelles theoriegeleitetes Analyseinstrument, das er an eine Theorie der Politik und an eine Praxis zur Überwindung des Kapitalismus gekoppelt sieht. Was Marx zu dieser Weltsicht gesagt hätte, dürfte ungewiss sein. Nicht auszuschließen ist, dass er mit Interesse einen neuen Band von Axel Honneth und Lisa Herzog über den Wert des Marktes in die Hand genommen hätte. Darin steht die ideengeschichtliche Ausdeutung der Verbindung von Markt und Moral im Mittelpunkt – und damit die gerechtigkeitstheoretische Kritik daran, dass sich die ökonomischen Gesetzmäßigkeiten auf nahezu alle Lebensbereiche ausgedehnt haben.

Lars Distelhorst

Leistung. Das Endstadium der Ideologie

Bielefeld: transcript Verlag 2014 (Edition Politik 18); 189 S.; kart., 22,99 €; ISBN 978-3-8376-2597-4
An der Schnittstelle divergierender Gesellschaftsdiagnosen findet sich ein Befund, auf den sich vom Ökonomen über den Realpolitiker bis zum Gros der Bevölkerung wohl jeder einigen kann: Wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Dass damit noch sehr wenig gesagt ist, veranlasst Lars Distelhorst, diesem sozialen Organisationsprinzip nachzugehen, verspricht es doch sowohl objektiver Maßstab als auch Garant von Gerechtigkeit zu sein. Schnell führt ihn diese Suche an ein logisches Dilemma, in dem sich Leistung als unbestimmbar entpuppt. ...weiterlesen
Hans-Martin Zademach / Sebastian Hillebrand (Hrsg.)

Alternative Economies and Spaces. New Perspectives for a Sustainable Economy

Bielefeld: transcript Verlag 2013 (GlobalStudies); 156 S.; 21,99 €; ISBN 978-3-8376-2498-4
Nicht erst seit der gegenwärtigen Wirtschafts‑ und Finanzkrise dürfte deutlich geworden sein, dass ein auf linearem ökonomischem Wachstum beruhender, über Privateigentum organisierter Kapitalismus an gewisse Grenzen zu stoßen droht. Die Beiträge in diesem Band, in denen nach praktikablen alternativen Modellen ökonomischen und sozialen Austausches gefragt wird, sind vor diesem Hintergrund eine spannende Sammlung von Ideen und konkreten Beispielen für eine tatsächlich mögliche Nachhaltigkeit...weiterlesen
David Kraft

Die Politik des Wirtschaftswachstums. Eine empirische Untersuchung des Einflusses von Gewerkschaften und Regierungsparteien auf das Wirtschaftswachstum in den Mitgliedsstaaten der OECD

Marburg: Tectum Verlag 2013 (Politik begreifen: Schriften zu theoretischen und empirischen Problemen der Politikwissenschaft 18); XI, 128 S.; pb., 24,95 €; ISBN 978-3-8288-3146-9
Wohl kaum ein ökonomischer Begriff ist so schillernd und steckt so voller Widersprüche wie der des Wachstums. David Kraft geht in seiner Forschungsarbeit, in der er 19 OECD‑Staaten im Zeitraum von 1973 bis 2007 vergleicht, der Frage nach, inwieweit sich die unterschiedlichen Wachstumsraten in den Mitgliedsstaaten unter Berücksichtigung spezifischer nationaler institutioneller Settings ...weiterlesen