Die unkontrollierte Macht

Die neuen Rezensionen vom 18. Dezember 2014

Das Agieren von Geheimdiensten steht im Blickpunkt von drei Büchern, die wir neu vorstellen. In der Publikation Im geheimen Krieg der Spionage wird der langjährige Leiter des Auslandsnachrichtendienstes im Ministerium für Staatssicherheit der DDR, Markus Wolf, dem früheren Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes (BND), Hans-Georg Wieck, in biografischen Porträts gegenübergestellt. Letzterer gewährt, wie Rezensent Christian Becker schreibt, Einblicke in das Innenleben des BND. Wie dieser und auch andere westliche Nachrichtendienste während des Kalten Krieges gehandelt haben und auf welcher Grundlage ehemalige NS-Funktionsträger rekrutiert wurden, erzählt der Historiker Peter Hammerschmidt in der Biografie über den ehemaligen SS-Hauptsturmführer Klaus Barbie. Er habe nicht nur eine Weile auf der Gehaltsliste des Bundesnachrichtendienstes gestanden, sondern auch über Kontakte zum früheren US-Geheimdienst CIC verfügt und die Regime in Bolivien unterstützt. In das Innere des Geheimdienstes CIA blickt Pulitzer-Preisträger Mark Mazzetti. In seiner Analyse Killing Business geht es um die Transformation der US-Geheimdienst- und Sicherheitspolitik im Kampf gegen den islamistischen Terrorismus. Dabei beobachtet er die Ausweitung des Drohnenkrieges und eine Tendenz zur Privatisierung der Spionage ohne klare Spielregeln durch Gesetzgeber und Regierung – auf dem Prüfstand steht damit auch die Glaubwürdigkeit der USA.

Niels Werber

Geopolitik zur Einführung

Hamburg: Junius 2014; 208 S.; brosch., 14,90 €; ISBN 978-3-88506-085-7
Die als Einführung konzipierte Schrift ist dem geopolitischen Diskurs gewidmet, dessen „endliche[s] Set von Aussageregeln“ (12) herausgearbeitet werden soll. Niels Werber möchte dazu „an kanonischen Texten entlang die Genealogie des Diskurses verfolgen“ (12). Insofern ist es folgerichtig, dass er erst gegen Ende des Buches einen eigenen definitorischen Vorschlag unterbreitet und zuvor die Protagonisten selbst zu Sprache kommen lässt. Den vorherrschenden Ansichten folgend ...weiterlesen
Martina Timmermann (Hrsg.)

Wirken in Wendezeiten – 40 Jahre Mid-Atlantic Clubs. Festschrift, gewidmet den MAC Gründern und Lenkern H. W. Lessing und Dr. F. Krüger- Sprengel

Hamburg: Verlag Dr. Kovač 2013 (Schriften zur internationalen Politik 38); XXVII, 248 S.; 79,80 €; ISBN 978-3-8300-6936-2
Der erste dieser Gesprächskreise über den Atlantik hinweg wurde 1971 von Walter Lessing in London gegründet, ist der Einleitung zu entnehmen, ein weiterer folgte 1972 in New York. „Die Entstehung der Mid‑Atlantic Clubs ist eng verknüpft mit den Entwicklungen der ausgehenden 1960er und beginnenden 1970er Jahre, speziell der Ostpolitik Willy Brandts, die eine Wendezeit im Nachkriegsdenken über die Sicherheitspolitik in Deutschland und Europa auslöste.“ (1) Die Absicht war, führen...weiterlesen
Wolfgang Benedek / Florence Benoît-Rohmer / Wolfram Karl / Matthias C. Kettemann / Manfred Nowak (Hrsg.)

European Yearbook on Human Rights 2014

Wien/Graz: Neuer Wissenschaftlicher Verlag 2014; 547 S.; 68,- €; ISBN 978-3-7083-0987-3
Der Einfluss von Krisen und Krisendiskursen auf die Weiterentwicklung der Menschenrechte und ihre Umsetzung bilden das zentrale Thema, mit dem diese Ausgabe des Jahrbuchs eröffnet wird. Neben allgemeinen Aspekten werden die Herausforderungen und Möglichkeiten durch den Gebrauch sozialer Medien analysiert. Anita Danka und Oliver Pahnecke benennen den Vorteil, auch über diesen Weg eine Öffentlichkeit herstellen zu können, betonen aber zugleich, dass damit eine fachlich versierte Feststellung...weiterlesen