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Thema: Putins Russland

Warum Moskau schließlich die okkupierte Krim an Kyjiw zurückgeben wird
Andreas Umland hält eine „russische Krim“ auf Dauer für eine Fiktion

Krim Brcke Rosavtodorru Wikimedia Commons Lizenz CC BY 40Mit der Fertigstellung der Krim-Brücke durch die Meerenge von Kertsch gelang Russland eine physische Anbindung an die Krim. Foto: Rosavtodor.ru (https://rosavtodor.gov.ru/) / Wikimedia Commons (https://bit.ly/2ZN3agF), Lizenz CC BY 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.en)Entgegen populärer Kremlmythen sei die Krim nicht in der russischen Nationalgeschichte tief verwurzelt, lautet die These des Autors. Die historischen Verbindungen des Territoriums der heutigen Russischen Föderation mit der Krim seien nur gering, zudem sei die indigene Volksgruppe der muslimischen Krimtataren anti-putinistisch und pro-ukrainisch eingestellt. Erst 1944 seien die Russen infolge Stalins ethnischer Säuberung der Halbinsel zur absouten Mehrheit der Bevölkerung geworden. Russlands militärische Eroberung der Krim habe 2014 nicht nur in den Außenbeziehungen Russlands einen tiefgreifenden Wandel bewirkt, sondern sich auch auf die russische Innenpolitik ausgewirkt. Mit über 70 Prozent öffentlicher Unterstützung für die Annexion sei ein sogenannter „Krim-Konsens“ in der russischen Gesellschaft enstanden. Umland bezweifelt jedoch, dass die russische Nation zukünftig zu langwierigen finanziellen Verpflichtungen gegenüber der Krim bereit sein werde – in einer Zeit, in der das Land zunehmend unter den Auswirkungen der Coronakrise leide und sich große infrastrukturelle Herausforderungen stellten wie etwa die Süßwasserversorgung. Insofern sei die Eroberung der Schwarzmeerperle nur ein vorübergehendes Phänomen, größere Veränderungen der Geopolitik Osteuropas seien aber erst in der Zeit nach Putin zu erwarten.

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Rezension

Erdoğans Reich
Die Nahost-Politik der Türkei

Erdogans empire 9781786735973

Die Außenpolitik der Türkei unter Recep Tayyip Erdoğan und seines ehemaligen Außenministers Ahmet Davutoğlu steht im Fokus der Analyse. Deren Ziel sei es, die Türkei wieder „groß“ werden zu lassen – diese Leitidee werde auch als Neoosmanismus oder multidimensionale Außenpolitik bezeichnet, so Rezensent Rainer Lisowski. Sie stehe für eine Lösung der Fixierung auf die NATO und die EU. Auch weiterhin leide die türkische Außenpolitik unter der diffizilen Lage des Landes an der Nahtstelle zwischen politisch und kulturell sehr unterschiedlich geprägten Regionen, sodass diese am Ende zwischen allen Stühlen bleibe.

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Thema: China und die globalisierte Welt

Die Kunst der politischen Kontrolle
Formen informeller Überwachung

Die Kontrolle der Gesellschaft gelinge in China nicht allein mithilfe von Repression, vielmehr habe sich im Land eine echte Kunst der informellen, weitgehend gewaltlosen Kontrolle entwickelt. Dabei dienten lokale zivilgesellschaftliche Gruppen als versteckte, aber wirksame Instrumente der Infiltration, um DissensFoto will zhang Pixabay„Die Studie bezieht zahlreiche Dörfer in unterschiedlichen Provinzen im ländlichen China ein“, schreibt Rainer Lisowski. Foto: will zhang / Pixabay (https://pixabay.com/de/photos/dorf-china-das-alte-dorf-4622441/) zu unterdrücken und unliebsame Politiken umzusetzen. Vor allem die Kooptation lokaler Eliten stelle laut Rezensent Rainer Lisowski ein Erfolgsmuster im Arsenal der informellen Kontrolle dar. So würden etwa auf dem Lande Familienclans von Kadern wohlmeinend gestimmt, wie David Mattingly, Professor für Politikwissenschaft an der Yale University und Spezialist für autoritäre politische Systeme in seiner Studie aufzeigt. Lokale Kader würden daran gemessen, wie stark sie einerseits die Regeln in drei untersuchten Politikfeldern (Landenteignungen, die Ein-Kind-Politik und offen sichtbare Proteste der Bevölkerung) durchsetzen, aber auch, ob es ihnen gelinge, öffentlichen Aufruhr und Unzufriedenheit zu vermeiden. Folglich sei ihnen daran gelegen, Konflikte „leise“ zu lösen oder bereits im Vorfeld zu vermeiden. Mattingly vergleicht repressive und nicht-repressive Strategien lokaler Kader in den genannten Bereichen. In der Regel hätten die „Samtkrallen“ deutlich besser abgeschnitten. Die Studie bezieht zahlreiche Dörfer in unterschiedlichen Provinzen im ländlichen China ein.
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Rezension

Parlamentarier als Beruf
Rekrutierungswege von MdBs

Wie wird man Abgeordneter? Mit dieser zentralen Frage nach den Rekrutierungswegen von Parlamentariern beschäftigt sich Martin Reiher, der aus einer abgeordnetenzentrierten Perspektive nach Gemeinsamkeiten, Unterschieden und Entwicklungen von Karrierepfaden und Merkmalen der Professionalisierung des Abgeordnetenmandats sucht. Entsprechend stellt er die von verschiedenen Politikwissenschaftlern entworfenen Karrieretypologien dar und entwirft eine eigene Kategorisierung. Dabei zeigt sich, dass die Rekrutierungspfade über die Jahre hinweg erstaunlich stabil sind.
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Die Annotierte Bibliografie


Über diese Suche wird der Zugang zur Annotierten Bibliografie der Politikwissenschaft eröffnet, zu finden sind über 40.000 Kurzrezensionen aus dem Zeitraum von 1996 bis 2016. Erfasst ist damit die politikwissenschaftlich relevante Fachliteratur mit deutscher ISBN. Die erweiterte Suche bietet die Möglichkeit, für die eigene Forschungstätigkeit gezielt zu bibliografieren. Zu zahlreichen  ausgewählten Themen aus verschiedenen Politikbereichen sind außerdem Auswahlbibliografien zusammengestellt.

Rezension

So endet die Demokratie
Faktoren ihrer Bedrohung

David Runciman attestiert der westlichen Demokratie eine Midlife Crisis und fragt, „ob es sinnvoll wäre, die Demokratie durch etwas Besseres zu ersetzen“. Der Politologe stellt die Möglichkeiten dar, an denen die Demokratie zugrunde gehen könnte – nämlich Putsch, Katastrophe oder technologische Übernahme. Mark Zuckerberg sei für die Demokratie die größere Bedrohung als Donald Trump, weil Trump immerhin abgewählt werden könne: „Wahrscheinlich sieht das Schicksal der Demokratie so aus, dass die Trumps kommen und gehen und die Zuckerbergs weitermachen werden“.

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