Wissenschaftlich schlecht gerüstet: Warum die Dominanz der Friedens-, Konflikt- und Governance-Forschung in Deutschland ein Problem ist
Die Politikwissenschaftlerin Gerlinde Groitl fordert ihre eigene Disziplin zu Selbstkritik auf. Die Dominanz der Friedens-, Konflikt- und Governance-Forschung habe den intellektuellen Überbau für eine deutsche Außenpolitik geliefert, die Großmachtkonkurrenz und Verteidigungsbedarfe aus den Augen verloren hat. Vor diesem Hintergrund fordert Groitl eine nachhaltige Ertüchtigung der Sicherheits- und Strategiestudien.
Ein Debattenbeitrag von Gerlinde Groitl
Die russische Vollinvasion in der Ukraine und die „Zeitenwende“-Rede von Bundeskanzler Olaf Scholz im Februar 2022 markierten eine Zäsur in Deutschland.[1] Seither wird darum gerungen, was es für die verteidigungspolitische Ertüchtigung an finanziellen Investitionen, materiellen Fähigkeiten und strukturellen Reformen braucht. Zugleich müsste es eine schonungslose Analyse geben, wie es überhaupt so weit kommen konnte. Warum wurde das russische Gewaltpotenzial systematisch unterschätzt? Wie konnte es passieren, dass die Bundeswehr der Fähigkeit zur Erfüllung ihres grundgesetzlichen Verteidigungsauftrags praktisch beraubt wurde? Wie ist zu erklären, dass Deutschland in den letzten Jahrzehnten Außen-, Wirtschafts-, Handels- und Energiepolitik ohne Bewusstsein für sicherheitspolitische Implikationen betrieb? Leider wird diese Debatte kaum geführt. Stattdessen insinuiert die „Zeitenwende“-Erzählung, dass sich 2022 die Welt verändert hätte. Allenfalls wird beschworen, Sicherheit und Verteidigung nun, anders als in der Vergangenheit, ernst zu nehmen.
Ähnlich ist es in der deutschen Politikwissenschaft. Der Disziplin der Internationalen Beziehungen (IB) stünde es gut zu Gesicht, ihre eigenen Blindstellen ehrlich zu reflektieren. Sie half nicht nur nicht dabei, die gegenwärtige Konfliktlage zu antizipieren. Sie bot mit ihren hegemonialen Strömungen – der Friedens- und Konfliktforschung, der Global Governance-Forschung und der konstruktivistischen Forschung – sogar einen intellektuellen Überbau für eine Politik, die Großmachtkonkurrenz und Verteidigungsbedarfe aus den Augen verlor. Doch auch an Universitäten richtet man sich bequem im „Zeitenwende“-Diskurs ein. So überzeugt man lange Global Governance, internationaler Integration und Abrüstung das Wort geredet und harte Sicherheitsfragen ignoriert hatte, so selbstverständlich werden nun Rüstungsanstrengungen und Waffenhilfe für die Ukraine gefordert und die Rückkehr der staatlichen Macht- und Interessenpolitik diagnostiziert. Dabei waren Genderstudien oder Integrationsforschung lange weit anschlussfähiger als die Beschäftigung mit Macht, Interessen, Strategie, Verteidigung, Militär oder Großmachtpolitik (vom Begriff „Geopolitik“ ganz zu schweigen, der bis vor kurzem verpönt war und plötzlich zuhauf und meist sinnentleert gebraucht wird). Nun sprießen Initiativen zur Stärkung der sicherheitspolitischen Forschung aus dem Boden. Was wird daraus werden?
Die IB in Deutschland hat – grob verallgemeinert – gedanklich den Kontakt zu denjenigen verloren, die in den USA, im Vereinigten Königreich, in den nordischen Staaten, in Israel und anderswo realistische Sicherheits- und Strategiestudien betreiben. Reflektiert die Disziplin ihre Lücken nicht, wird die jüngste Hinwendung zu Fragen von Sicherheit und Verteidigung womöglich ein Strohfeuer bleiben oder ein Rohrkrepierer werden. Das ist nicht nur intellektuell unbefriedigend. Bürger und Politik verdienen mehr von ihrer steuerfinanzierten Forschung nämlich beste Erkenntnisse mit maximaler Perspektivenvielfalt, die Entscheidungsträgern helfen können, unter schwierigen Bedingungen die Interessen des eigenen Landes bestmöglich zu vertreten. Das geht nur durch Selbstkritik von innen, da Außenstehende disziplinäre Entwicklungen nicht einordnen können. Fakt ist: Realistische Sicherheits- und Strategiestudien gibt es in Deutschland kaum. Das ist eine wissenschaftliche Blindstelle und ein Problem für unser Land.
Hegemony matters – auch in den deutschen IB
In den Internationalen Beziehungen gehen die meisten theoretischen Denkschulen davon aus, dass sich die Welt progressiv verändern lasse. Wie dereinst die Idealisten begreifen heute die Vertreter des Institutionalismus, des Liberalismus, des Konstruktivismus und des Postkolonialismus die internationale Politik als Gestaltungsprojekt: Die Welt könne mit den richtigen Instrumenten nach eigener Lesart gerechter, friedlicher und besser gemacht werden. Realisten unterschiedlicher Couleur besitzen dagegen ein zyklisches Verständnis der Weltpolitik, wonach der Aufstieg und Fall der Mächte die internationale Politik präge und Machtkonkurrenz, Interessenkonflikte, Gewalt und Krieg unter den Bedingungen der Anarchie nie überwunden werden können. Spätestens mit dem Ende des Kalten Kriegs galt das realistische Denken vielerorts als überholt, ja gar als rückständig. Aber die Forschung verabschiedete sich ohnehin zu einem gewissen Grad von Großtheorien und deren Debatte. Stattdessen wandte sie sich einerseits stark der Methodenlehre, quantitativen Ansätzen und der Datenanalyse, andererseits konstruktivistischen Interpretationen zu, und rückte kleinteiligere Fragen in den Fokus.
Möchte man die Fachtrends bildlich zusammenfassen: Die einen untersuchen einzelne Bäume in immer ausgefeilterer Art, befassen sich aber kaum mit dem Wald. Die anderen begreifen durch die Linse der dominanten Theorien den Wald als beliebig kultivier- und zivilisierbar. Realisten unterscheiden sich von beiden: Sie haben immer den Wald im Blick und sehen eine unzähmbare, anarchische Wildnis, in der das Recht des Stärkeren gilt. Selbst Großmächte können nur in begrenztem Raum und für begrenzte Zeit Ordnung schaffen. Schwinden ihre Kräfte, wuchert die Wildnis zurück bzw. konkurrierende Mächte betreiben „Landschaftsgestaltung“ nach eigenem Gusto. Um unter den Zwängen der Anarchie mit begrenzten Machtmitteln bestehen zu können, braucht es einen realistischen, machtpolitischen Blick auf die Welt und kluge Strategien, um das Wohlergehen des eigenen Staats zu sichern. Eben das ist die Ausgangsprämisse, die die realistische Sicherheits- und Strategieforschung antreibt.
International hat diese Perspektive relativ an Bedeutung verloren. In Deutschland ist sie quasi nicht existent. Prägend für die deutsche IB sind stattdessen die Friedens- und Konfliktforschung, die Institutionen- und Governance-Forschung sowie der Konstruktivismus. Die Friedens- und Konfliktforschung wurde während des Kalten Krieges als Gegenentwurf zu den Annahmen des Realismus und der Strategiestudien begründet. Verbunden damit war ein starker Normativismus mit politischer Schlagseite, der sich gegen „Militarisierung“, Rüstung und Abschreckungslogiken wandte. Mit der Gründung der Deutschen Gesellschaft für Friedens- und Konfliktforschung (DGFK) 1970 (aufgelöst 1983) wurde die finanzielle Förderung der Friedensforschung durch Steuermittel etabliert. Institutionell begann die Verankerung mit der Etablierung außeruniversitärer Forschungsinstitute wie der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) (heute Peace Research Institute Frankfurt, PRIF) und dem Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik in Hamburg (IFSH) in den frühen 1970er-Jahren. Da die Friedens- und Konfliktforschung eng mit der Friedensbewegung verknüpft, aktivistisch und politisch links verortet war, entbrannte alsbald politischer Streit darum.[2]
Nach dem Kalten Krieg war die große Kontroverse vorbei. Zum einen verblassten die Erfordernisse einer realistischen Auseinandersetzung mit Großmachtkonflikten, Rüstung und Abschreckung. Zum anderen gewann das sich professionalisierende Forschungsfeld lagerübergreifenden Rückhalt, wenngleich SPD und Grüne die Friedensforschung weiterhin am aktivsten unterstützen. Mit der Stiftung Entwicklung und Frieden (sef), dem Bonn International Center for Conversion (BICC; heute Bonn International Centre for Conflict Studies) und der Deutschen Stiftung Friedensforschung (DSF) wurden unter sozialdemokratischer Führung weitere Einrichtungen der Friedens- und Konfliktforschung institutionell verstetigt.[3]
Vertreter der Friedens- und Konfliktforschung weisen den Vorwurf, das Feld sei politisch oder ideologisch gefärbt, zurück und verweisen richtigerweise auf die Professionalisierung seit den 1990er Jahren.[4] Dennoch blieben normative Setzungen, und um die geht es. Erstens erhebt die Friedens- und Konfliktforschung den Anspruch, nicht der Interessendurchsetzung des eigenen Staates nachspüren zu wollen, sondern den Bedürfnissen aller, weil Frieden unteilbar sei.[5] Zweitens gibt es eine inhaltliche Engführung. Eine konstitutive Prämisse lautet, dass Gewaltvorbereitung und -androhung nicht zum Frieden führen können, zumal Frieden mehr sei als die Abwesenheit von Krieg. Damit erscheint die Logik der Abschreckung irrelevant bis kontraproduktiv, Rüstungskontrolle und Abrüstung stehen dagegen hoch im Kurs.[6] Daneben wandte sich die Forschung in den 1990er Jahren stark innerstaatlichen Konflikten und der Friedensschaffung zu. Dabei wurde die „Erweiterung des Sicherheitsbegriffs“ von militärischer zu menschlicher oder ökologischer Sicherheit postuliert.[7] Drittens ist laut Harald Müller die Einnahme der Opferperspektive zentral.[8] Das eröffnete Anknüpfungspunkte zu Gerechtigkeitsdiskursen, die früher ökonomisch und zuletzt identitätspolitisch mit Themen wie Kolonialismus, Rassismus und Gender verknüpft waren. Ein Plädoyer für westliche Stärke und die forsche Durchsetzung nationaler Interessen lässt sich aus diesen Denkmustern kaum ableiten – und soll dem Anspruch der Friedens- und Konfliktforschung nach gerade verhindert werden.
Trotz (oder wegen) dieser Färbungen erlebte die Friedens- und Konfliktforschung einen Siegeszug in der deutschen Universitätslandschaft. Die Bologna-Reform der 2000er-Jahre bot Chancen zur Verankerung des Felds, da in der Folge eine ganze Reihe spezialisierter Studiengänge im Bereich der Friedens- und Konfliktforschung entstanden und wissenschaftlichen Nachwuchs hervorbrachten. Gekonnt positionierte sich das Feld mit Drittmitteln, Netzwerkstrukturen und Publikationsforen in der neuen Wissenschaftslandschaft. Das politische und gesellschaftliche Klima wirkte unterstützend. Insofern weist Klaus Schlichte treffend „wissenschaftspolitische“ Gründe als zentralen Erfolgsfaktor der Friedens- und Konfliktforschung aus.[9] Der Großteil der Zivilklauseln, mit denen heute rund 75 Universitäten und Hochschulen Forschung mit militärischen Bezügen und Nutzen eine Absage erteilen, stammt aus den 2000er und 2010er Jahren.[10]
Die Governance-Forschung war der zweite große Sieger disziplinärer Debatten in den deutschen IB. Sie setzt auf die Zähmung der Macht und der Anarchie durch Institutionen, zwischenstaatliche und transnationale Verflechtung sowie das Regieren in Mehrebenensystemen. Eben den Integrations- und Koordinierungsprozessen jenseits des Nationalstaats gelte es wissenschaftlich nachzuspüren. Insofern stehen einerseits Institutionen, andererseits der europäische Integrationsprozess, die Funktionsweise der EU sowie normative Macht in Form von Autorität im Fokus.[11] Dieser Blick auf die Welt manifestierte sich auch in großen Sonderforschungsbereichen.[12]
Der dritte Großtrend ist der Aufstieg des Konstruktivismus. Dieser schlug sich in den beiden zuvor skizzierten Strängen nieder und wurde auch für Sicherheitsfragen zu einer prägenden Linse. Statt Machtpotenzialen und Interessen rückten Perzeptionen, Narrative, Rollenkonstruktionen und Identitäten in den Mittelpunkt.[13] Es ist also nicht so, als hätte sich hierzulande niemand mit „Sicherheit“ beschäftigt. An einer realistischen, an Macht, Interessen und Großmachtpolitik orientierten, sich mit der internationalen Anarchie, der Verteilung von Machtressourcen und den Mechanismen strategischen Handelns befassenden IB mangelte es jedoch.
Strategische Studien sind – Ausnahmen bestätigen die Regel – praktisch nicht existent.[14] Die Standortspezialisierungen, die seit rund zehn Jahren entstehen, sind jeweils Ausnahmebedingungen geschuldet: an den beiden Bundeswehr-Universitäten, mit dem durch ein privates Stiftungsvermögen getragenen Institut für Sicherheitspolitik (ISPK) an der Universität Kiel, dem vom Auswärtigen Amt und dem Bundesministerium der Verteidigung finanzierten Henry-Kissinger-Lehrstuhl in Bonn oder dem Centre for International Security der privaten Hertie School in Berlin. Andernorts gibt es zwar Einzelforscher, aber keine Institutionalisierung. Die deutsche IB prägen andere.
Fachtrends in Zahlen – die deutsche IB unter der Lupe
Der Befund einer relativen Engführung lässt sich quantifizieren. Die theoretische Selbstverortung der deutschen IB wurde 2014 im Rahmen der internationalen TRIP-Studie (Teaching, Research, and International Policy) beleuchtet. In Deutschland ordnete sich rund ein Drittel der befragten Wissenschaftler dem Sozialkonstruktivismus zu, dem Realismus hingegen nur rund 5 Prozent – im Gegensatz zu rund 18 Prozent der Befragten weltweit. Thomas Risse und Wiebke Wemheuer-Vogelaar wiesen ergänzend darauf hin, dass die Zuordnungsoption „Institutionalismus“ nicht verfügbar war, sie diese Theorieströmung in Deutschland aber für die breitenwirksamste halten.[15] Ihr Fazit:
„Zusammengenommen forschen mehr als 40% der Befragten in Deutschland über global governance-Probleme wie etwa die Weltwirtschaft, Menschenrechte, Umweltfragen, Entwicklungszusammenarbeit und die Europäische Union (EU). Der Anteil derjenigen, die Internationale Organisation(en) als ihr erstes (14%) oder zweites Forschungsfeld (21%) angeben, ist in der deutschen IB mehr als doppelt so groß als im internationalen Vergleich oder in der amerikanischen IB […]. Zusammengenommen dürften diese Daten die starke institutionalistische Tradition der deutschen IB reflektieren […]. Die TRIP-Umfrage spiegelt unserer Meinung nach die fast hegemoniale Position der diversen Institutionalismen in der deutschen IB wider, wie sie von den wichtigsten Vertreter*innen [sic] des Fachs in der Vergangenheit (Ernst-Otto Czempiel, Helga Haftendorn, Beate Kohler, Volker Rittberger u. a.) und der Gegenwart (Nicole Deitelhoff, Harald Müller, Thomas Risse, Klaus Dieter Wolf, Bernhard Zangl, Michael Zürn u. a.) geprägt wurden.“[16]
Normative Setzungen wurden damit auch in der IB wirkmächtig. Tanja Brühl konstatiert, dass sich die Friedensforschung nach 1990 bis zu einem gewissen Grad „entnormativisiert“ habe, die übergeordnete IB jedoch eine normative Wertorientierung internalisiert habe und beide ein progressiver Veränderungswille verbinde: „Die Schnittmenge der beiden Disziplinen liegt in einer empirischen Analyse von Konflikt- und Friedensprozessen, die langfristig zu einer Veränderung der politischen Strukturen beitragen will.“[17] Brzoska sieht die Friedens- und Konfliktforschung als prägenden Impulsgeber für die „Erneuerung der IB seit den 1970er Jahren, sie hat den Paradigmenwechsel in den IB von Spielarten des Realismus zu Ausformungen des Idealismus nachhaltig befördert.“[18]
Thematisch passten die dominanten Stränge gut zueinander. Da gab es auf der einen Seite die „Zone des Friedens“, den liberalen Westen, also den befriedeten Raum um den euro-atlantischen Nukleus. Hier forschte man Governance-Strukturen und normativen Mustern nach. Auf der anderen Seite gab es die „Zonen des Konflikts“: Räume fragiler Staatlichkeit und innerstaatliche Konflikte, die es zu befrieden galt und die in vielen Drittmittelprojekten untersucht wurden.[19] Schlichte diagnostiziert den Befund einer „mentalen Teilung der Welt in den IB“ – verbunden mit der Differenzierung, dass „in der dominanten IB auch heute affirmative Haltungen zur europäischen Politik, in der Friedens- und Konfliktforschung dagegen kritische“ überwögen, weil „die These einer irgendwie gearteten Überlegenheit Europas die Konfrontation mit der Kritischen Theorie, dem Poststrukturalismus und den Postcolonial Studies nicht überlebt“ habe.[20] Aktuell ist eine Brückenbildung zu beobachten, weil im Zuge von Ordnungserosion und Populismus beide Stränge auf liberale und institutionelle Autoritätskrisen, Anti-Eliten-Diskurse sowie Bedingungen des „inneren Friedens“ und gesellschaftlichen Zusammenhalts in westlichen Demokratien zielen.[21]
Die relative Verengung war offenkundig. In einem Beitrag zum 20-jährigen Jubiläum der Zeitschrift für Internationale Beziehungen (ZIB), der Publikation der IB-Sektion der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft (DVPW), attestierte Felix Berenskötter eine Voreingenommenheit mit Governance und europäischer Integration.[22] Interessant ist auch ein transatlantischer Vergleich anhand von drei amerikanischen und drei europäischen Zeitschriften zu Sicherheitsstudien von 2010 bis 2020. In europäischen Zeitschriften lag der Anteil konstruktivistischer Aufsätze bei 54 Prozent, während lediglich 20 Prozent einem rationalistischen Ansatz folgten. In den USA orientierten sich 66 Prozent der Beiträge am Rationalismus, nur 8 Prozent am Konstruktivismus.[23] Während in den USA die Themen Krieg, Staatlichkeit, Allianzen, Nuklear-/Massenvernichtungswaffen, Großmachtkonflikt, Abschreckung und China mehr Aufmerksamkeit erfuhren als in Europa, blickte man diesseits des Atlantiks stärker auf Europa, Post-Konflikt-Stabilisierungsmissionen und ein breiteres Themenspektrum mit Migration, Umwelt, menschlicher Sicherheit und Gesundheit.[24] In Deutschland zeigte sich die Unterbetonung klassischer sicherheitspolitischer Sujets besonders deutlich, wie etwa der Output der DVPW, des größeren der beiden politikwissenschaftlichen Fachverbände, beweist. In der ZIB waren die Annexion der Krim, der Krieg in der Ukraine und die Krise der europäischen Sicherheitsordnung ab 2014 bis zum Jahr der Vollinvasion 2022 kein Thema.[25] Die Konferenzprogramme der DVPW unterstreichen den Befund.[26]
Ein Sonderheft der ZIB widmete sich 2024 der kritischen Auseinandersetzung mit dem Fach. Thomas Diez und Andreas Hasenclever konstatieren darin, Russlands Vollinvasion in der Ukraine vom Februar 2022 habe nicht nur die Politik und Gesellschaft, sondern auch „die Disziplin der Internationalen Beziehungen (IB) kalt erwischt.“[27] Realistische Theoriebildung sei in der deutschen Forschung „randständig“ geworden und nun mehrten sich Forderungen nach einer „Rehabilitierung des Realismus“.[28] Diez und Hasenclever weisen diese Schlussfolgerung zurück, zumal es mehrere „Realismen“ mit gegensätzlichen Erklärungen für den Kriegsausbruch gebe (NATO-Erweiterung als Ursache vs. Defizit westlicher Abschreckung) und auch konkurrierende Denkschulen überzeugende Erklärungen für Gewaltkonflikte böten. Das stimmt. Doch die Essenz der realistischen Theoriebildung und Strategieforschung ist, dass Gewalt und Sicherheitsgefahren Konstanten sind, mit denen man sich beschäftigt muss. Eben das hat die deutsche Politikwissenschaft – konkret die IB – lange kaum getan.
Wissenschaftliche Blindstellen – ein Problem für das Land
Die Engführung der deutschen IB ist intellektuell unbefriedigend und ein Problem für unser Land. Gemeinhin wird angenommen oder auch beklagt, dass die Wissenschaft von der Politik kaum gehört werde. Doch so einfach ist das nicht. Die Politikberatung ist für die Friedens- und Konfliktforschung konstitutiv. Tatsächlich betonte der Wissenschaftsrat in seiner Evaluation 2019 politikberatende Aktivitäten „in beeindruckendem Umfang und mit vielfältigen, auf unterschiedliche Adressatengruppen zugeschnittenen Formaten“.[29] Dabei gebe es im Bereich Wissenstransfer eine bewussten Fokussierung auf politische Entscheidungsträger.[30] Festgestellt wird weiter eine Konzentration der Beratungstätigkeit auf Ministerien, insbesondere das Auswärtige Amt und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung; der Austausch mit dem Verteidigungsministerium und mit Parlamentariern des Bundestags wird hingegen als ausbaufähig bewertet.[31] Da sich die Friedens- und Konfliktforschung zunehmend mit Fragen wie Radikalisierung und gesellschaftlichem Zusammenhalt befasst, werden zudem Kontakte zum Innenministerium und zum Familienministerium ausgebaut.[32] Wenn also ein Forschungsfeld einen institutionalisierten Zugang zur Politik – konkret zur Exekutive – aufgebaut hat, dann ist es die Friedens- und Konfliktforschung. Über den tatsächlichen Einfluss ist damit noch nichts gesagt. Aber die Friedensforschung war in der Vergangenheit durchaus selbstbewusst, wenn es um die eigene Beratungstätigkeit auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene ging.[33] Auch aus großen Drittmittelprojekten heraus wurden politische Kontakte kultiviert.[34]
Die Politik war daran durchaus interessiert, wie Finanzierungstrends belegen. Im Begutachtungszeitraum des Wissenschaftsrats von 2014 bis 2017 erhielt die universitäre und außeruniversitäre Friedens- und Konfliktforschung 23,1 Millionen Euro von Bundesministerien, was 39 Prozent ihrer gesamten Drittmittelförderung entsprach. Von den Bundesmitteln entfielen 34 Prozent auf das Auswärtige Amt, 25 Prozent auf das Forschungsministerium, 19 Prozent auf das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie 10 Prozent auf das Verteidigungsministerium. Ansonsten operierte die Friedensforschung noch mit 12,3 Millionen Euro aus Projekten der Deutschen Forschungsgemeinschaft (21 Prozent), 9,2 Millionen Euro aus EU-Projekten (16 Prozent), 5,7 Millionen Euro aus öffentlichen und privaten Stiftungen (10 Prozent) und 1,3 Millionen Euro aus der Deutschen Stiftung Friedensforschung (2 Prozent). Damit besaß die Friedensforschung allein aus Drittmitteln – und substanziell aus der Bundespolitik – eine prall gefüllte „Kriegskasse“, um Output zu generieren.[35]
Dies wirft eine grundsätzliche Frage auf: Fördert die Politik jene Forschung, die ihr genehm ist und die wiederum Zugang zur Politik erhält, um diese wissenschaftlich zu beraten? Dass es Wechselwirkungen zwischen politisch-gesellschaftlichen Präferenzen und der Wissenschaft gibt, ist offenkundig. So konstatieren Risse und Wemheuer-Vogelaar, dass „der Fokus auf globales Regieren und internationale Kooperation [in der deutschen IB] natürlich auch der multilateralistischen Tradition der deutschen Außenpolitik“[36] entspricht. Ähnlich erklärte Harald Müller, dass das Scheitern der angelsächsischen Sicherheits- und Strategiestudien mit der Inkompatibilität zur „ausgesprochen zivilistischen Kultur der ‚Zivilmacht Deutschland‘ zusammenhing. Die beiden Begriffe hatten für viele den Ruch des Militärischen, wenn nicht Militaristischen“.[37] Die IB, die in Deutschland reüssierte, bewegte sich im Gleichschritt mit politischen und gesellschaftlichen Präferenzen.
Welche Handlungsempfehlungen und Ratschläge gab es nun? Ein Blick in die Friedensgutachten, die die Friedensforschungsinstitute jährlich mit maximaler Sichtbarkeit in der Bundespressekonferenz vorstellen, ist erhellend. Das Friedensgutachten 2021 als Referenzdokument unmittelbar vor der „Zeitenwende“ formulierte beispielsweise sechs Kernempfehlungen für die Politik. An erster Stelle hieß es: „Globale Herausforderungen wie die Corona-Pandemie oder der Klimawandel verlangen nach nicht-militärischen Antworten. Deswegen sollte die ‚strategische Autonomie‘ Europas die zivilen Komponenten der Außen- und Sicherheitspolitik betonen.“ Im Umgang mit Russland sollten „Anreize für Kompromissbereitschaft der Konfliktparteien“ gesetzt werden; gegenüber China müssten „Kooperationspotenziale“ genutzt und Peking an die Normen der internationalen Ordnung, darunter die Menschenrechte, gebunden werden. Zur Finanzierung der Pandemiekosten sollten die Militärausgaben gesenkt (!) werden; daneben sei finanzielle Solidarität mit dem Globalen Süden zu zeigen und die Demokratie zu schützen.[38]
Eine Durchsicht der früheren Friedensgutachten zeigt, wie stark sie von den skizzierten normativen Färbungen durchzogen sind. Nur einige Beispiele: Nach der Annexion der Krim erteilten die Friedensforscher den Rückversicherungsmaßnahmen der NATO eine Absage und riefen dazu auf, auch russische Sicherheitsinteressen zu berücksichtigen:
„Der NATO-Generalsekretär drängt auf verstärkte Manöver und den Aufbau einer schnellen Eingreiftruppe zum Schutz ihrer Ostflanke. Diese Politik könnte jedoch eine gefährliche Eskalationsspirale in Gang setzen, mit unkalkulierbaren Folgen über die Ukraine hinaus. Das gilt es zu verhindern. Wir warnen ausdrücklich vor Muskelspielen und fordern ein Umdenken: Sicherheit in Europa kann es langfristig nur als gemeinsame Sicherheit geben.“[39]
2017 erklärte das Gutachten zum Umgang mit Russland und zur Wiederkehr der Machtpolitik unter der Überschrift „Internationale Kooperation ist möglich“:
„Dazu brauchen wir neue Abrüstungsinitiativen, den Ausbau der Kapazitäten für Konfliktprävention, Verhandlungskonzepte und Mediation sowie militärische und polizeiliche Mittel für die verschiedenen UN-Missionen und nicht zuletzt die multilaterale Kooperation in der OSZE.“[40]
Das Gutachten von 2019 stellte fest:
„Weitere Erhöhungen der deutschen Militärausgaben benötigen fundiertere sicherheitspolitische Begründungen als bisher vorliegen. Die Bundesregierung sollte darum Widerstand gegen eine mechanistische Umsetzung des Zwei-Prozent-Beschlusses der NATO leisten. […] Eine Erhöhung der Militärausgaben ohne überzeugende sicherheitspolitische Notwendigkeit schadet zudem Deutschlands internationaler Glaubwürdigkeit als friedensfördernde Nation.“[41]
Außerdem forderte es deutsches Engagement für nukleare Rüstungskontrolle, Abrüstung und den Einbezug des Atomwaffenverbotsvertrags. Der Wert der nuklearen Teilhabe innerhalb der NATO sowie nukleare Abschreckungserfordernisse gegenüber Russland kamen hingegen nicht vor. Dafür aber wurde angemahnt, Deutschland solle sich dafür einsetzen, „die Rolle von Nuklearwaffen in der NATO-Strategie zu reduzieren und die nukleare Teilhabe so zu überarbeiten, dass dadurch ein Abzug taktischer Nuklearwaffen aus Europa möglich werden kann“.[42]
Aus der Analyse der Cyberbedrohungslage im Gutachten 2020 folgte die politische Empfehlung zu Rüstungskontrolle und defensiver Angriffsabwehr im Cyberraum.[43] Man könnte argumentieren, dass die deutsche Politik in den vergangenen Jahren genau dem gefolgt ist, was die Friedensforschung geraten hat. Wenn heute von einem Scherbenhaufen der deutschen Sicherheits- und Verteidigungspolitik die Rede ist, muss sich die Friedensforschung zumindest die Frage gefallen lassen, ob sie dazu beigetragen hat.
Eine ehrliche Auseinandersetzung der Wissenschaft mit der Frage gibt es bislang nicht. Auf die in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung geäußerte Kritik von Joachim Krause, die Friedensforschung habe eine illusionäre Russlandpolitik legitimiert, antwortete Nicole Deitelhoff in den sozialen Medien mit einer barschen Replik.[44] In einem Fachbeitrag aus dem Jahr 2024 wiesen Deitelhoff, Christopher Daase und Anna Geis Defizitvorwürfe zurück.[45] Die Neigung, die Blindstellen der Wissensproduktion nicht einmal thematisieren zu wollen, lässt zweifeln, ob die Kraft zur Korrektur besteht. Dabei geht es weder um Fingerzeige noch um eine Überhöhung realistischer Analysen der Sicherheits- und Strategiestudien, sondern schlicht um die Diagnose, dass wir das als wissenschaftliche Gemeinschaft besser können müssten.
Es bräuchte strukturelle Reformen, um eine größere inhaltliche Vielfalt zu fördern. Bislang gibt es stattdessen nur Initiativen, die vermutlich mehr PR als Substanz produzieren werden. So wurde 2024 mit Unterstützung des Freistaats eine „Bayerische Wissenschaftsallianz für Friedens-, Konflikt- und Sicherheitsforschung“ (FoKS) ins Leben gerufen, die auf Initiativen des Verbands Universität Bayern e.V. und der Grünen im Landtag zur Stärkung der Friedens- und Konfliktforschung zurückging. Mittlerweile sind 90 Fellows – also Wissenschaftler, die in den unterschiedlichsten Disziplinen an bayerischen Universitäten tätig sind – darunter versammelt. Dass daraus produktive Forschung in den Sicherheits- und Strategiestudien erwächst, ist nicht zu erwarten. Unabhängig von den möglichen Synergieeffekten dürfte gemäß der Eigenlogik des Wissenschaftssystems jedoch bereits das Dabeisein und die Vermarktbarkeit des Netzwerks einen Wert haben.[46]
Wäre man ernsthaft an der Stärkung von Sicherheits- und Strategiestudien interessiert, müssten mit Stellen, Geld und Durchsetzungskraft zielgerichtet Lücken gefüllt werden. Und wollte man wirklich sicherstellen, dass beste wissenschaftliche Expertise von außen systematisch und in all ihrer Unterschiedlichkeit die Politik erreicht, wäre die Einrichtung eines Sachverständigenrats Sicherheit in Anlehnung an das Gremium der sogenannten Wirtschaftsweisen ein erster Aufschlag. Freilich garantiert auch das weder gute Politik (Output) und erst recht keine guten Ergebnisse (Outcome). Aber die Grundlagen fundierter Entscheidungsfindung zu stärken, wäre ein wichtiger Schritt. Die Frage, wie das besser organisiert werden könnte, verdient weit mehr Aufmerksamkeit.
Now what – was folgt daraus?
Die deutsche IB hat in den vergangenen Jahrzehnten realistische Annahmen, existenzielle Sicherheitsfragen und den anhaltenden Bedarf nach eigener Stärke und Durchsetzungsfähigkeit im anarchischen internationalen System aus dem Sichtfeld verdrängt. Auch der Wissenschaft stünde es gut zu Gesicht, ihre Leistungsbilanz ehrlich zu ergründen. Schließlich sind die Dynamiken, die zu einer relativen Engführung beitrugen, keineswegs behoben. Der Punkt ist nicht, dass die realistische Sicherheits- und Strategieforschung alles besser wüsste. Aber sie bringt andere Fragen, Annahmen und Empfehlungen ein.
Ohnehin wäre dies ein guter Anlass, weitergehend über universitäre Strukturen und die Möglichkeiten des Wissensaustausches mit der Politik nachzudenken. Einerseits sollten alle Mechanismen ausgelotet werden, die Entscheidungsträgern helfen, auf Basis einer besseren Urteils- und Erwartungsgrundlage zu handeln. Andererseits droht bei zu großer Nähe eben auch eine Politisierung der Wissenschaft beziehungsweise eine inhaltliche Lenkung durch eine Förderpolitik, die politischen Präferenzen folgt. Hier liegen ohnehin strukturelle Probleme. Eine Wissenschaft, die sich zunehmend an Drittmittelprojekten, Verbundforschung und Förderlogiken orientiert, in der Monografie und Habilitation an Bedeutung verlieren und disziplinäre Tiefe schwindet, während die Formalisierung von Berufungsprozessen Konformismus befördert, wird kaum jene intellektuelle Freigeistigkeit hervorbringen, die für eine Kurskorrektur nötig ist.
Eine ausführlichere Fassung des Texts ist unter dem Titel „„Follow the Science“? Die Blindstellen der (deutschen) Politikwissenschaft in Fragen von Krieg und Frieden“ in SIRIUS – Zeitschrift für strategische Debatten erschienen: https://doi.org/10.1515/sirius-2026-3007
Literatur:
[1] Der Beitrag ist eine gekürzte und leicht angepasste Fassung des Aufsatzes Groitl, Gerlinde (2026): „Follow the Science?“ Die Blindstellen der (deutschen) Politikwissenschaft in Fragen von Krieg und Frieden, in: SIRIUS – Zeitschrift für Strategische Analysen, Online First, online unter https://doi.org/10.1515/sirius-2026-3007 [letzter Zugriff: 08.09.2026].
[2] Vgl. Wissenschaftsrat (2019): Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Friedens- und Konfliktforschung, online unter https://www.wissenschaftsrat.de/download/2019/7827-19.pdf?__blob=publicationFile&v=6 [letzter Zugriff: 09.08.2026], S. 16-19.
[3] Vgl. Wissenschaftsrat 2019, S. 19.
[4] Vgl. Daase, Christopher / Deitelhoff, Nicole / Geis, Anna (2024): Wer hat uns verraten? Friedens- und Sicherheitsforschung in Kriegszeiten, in: Zeitschrift für Internationale Beziehungen 31: 2, S. 83-105, S. 91 ff.
[5] Vgl. Brzoska, Michael (2012): Friedensforschung und Internationale Beziehungen – Lob der Verschiedenheit, in: Zeitschrift für Internationale Beziehungen 127: 1, S. 127-141, S. 128, auch S. 132.
[6] Vgl. die Übersicht der Forschungsschwerpunkte in Wissenschaftsrat (2019), S. 119-120.
[7] Vgl. Daase/Deitelhoff/Geis (2024), S. 90.
[8] Vgl. Müller, Harald (2012): Über allen Gipfeln ist Ruh. Zum Verhältnis von Friedensforschung und IB, in: Zeitschrift für Internationale Beziehungen 19: 1, S. 155-169; S, 159-161.
[9] Vgl. Schlichte, Klaus (2012): Die Internationalen Beziehungen als Kirche, die Friedens- und Konfliktforschung als Sekte? Anmerkungen zur Disziplin, in: Zeitschrift für Internationale Beziehungen 19: 1, S. 143-154, S. 145; für eine detaillierte Nachzeichnung Wissenschaftsrat 2019.
[10] Meist wird auf folgende Übersicht verwiesen: http://zivilklausel.de/index.php/bestehende-zivilklauseln [letzter Zugriff: 09.08.2026].
[11] Vgl. zum Beispiel Börzel, Tanja A. / Risse, Thomas (2021): Effective Governance under Anarchy. Institutions, Legitimacy, and Social Trust in Areas of Limited Statehood, Cambridge / New York: Cambridge University Press; Zürn, Michael (2018): A Theory of Global Governance. Authority, Legitimation and Contestation, Oxford: Oxford University Press.
[12] SFB 700 „Governance in Räumen begrenzter Staatlichkeit“, online unter https://www.sfb-governance.de/index.html; SFB 597 „Staatlichkeit im Wandel“, online unter https://www.sfb597.uni-bremen.de/pages/forKonzept.php%3FSPRACHE=de.html; Forschungszentrum „Normative Ordnungen“, online unter https://normativeorders.net/ueber-uns/ [letzter Zugriff jeweils: 09.08.2026].
[13] Vgl. zum Beispiel Harnisch, Sebastian / Frank, Cornelia / Maull, Hanns W. (2011): Role Theory in International Relations. Approaches and Analyses, London / New York: Routledge; Risse, Thomas (2013): Identity Matters. Exploring the Ambivalence of EU Foreign Policy, in: Global Policy 3: 1, S. 87-95.
[14] Vgl. Krause, Joachim (2022): Strategische Studien in den Internationalen Beziehungen, in: Sauer, Frank / von Hauff, Luba / Masala, Carlo (Hg.): Handbuch Internationale Beziehungen, Wiesbaden: Springer VS, S. 609-637.
[15] Vgl. Risse, Thomas / Wemheuer-Vogelaar, Wiebke (2016): IB in Deutschland: jung, internationalisiert und eklektisch. Ergebnisse der TRIP-Umfrage 2014, in: Zeitschrift für Internationale Beziehungen 23: 2, S. 144-172, S. 153 ff.
[16] Ebd., S. 151.
[17] Brühl, Tanja (2012): Friedensforschung als „Superwissenschaft“ oder Sub-Disziplin? Zum Verhältnis der Friedens- und Konfliktforschung und der Internationalen Beziehungen, in: Zeitschrift für Internationale Beziehungen 19: 1, S. 171-183, S. 176 f.
[18] Brzoska (2012), S. 129.
[19] Vgl. Schlichte, Klaus (2012): Die Internationalen Beziehungen als Kirche, die Friedens- und Konfliktforschung als Sekte? Anmerkungen zur Disziplin, in: Zeitschrift für Internationale Beziehungen, 19: 1, S. 143-154, S. 148.
[20] Ebd. (Hervorhebung im Original).
[21] Zum Beispiel Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt, online unter https://fgz-risc.de/index/; Exzellenzcluster „Contestations of the Liberal Script“ (SCRIPTS), online unter https://www.scripts-berlin.eu/de/index.html [letzter Zugriff jeweils: 09.08.2026].
[22] Vgl. Berenskötter, Felix (2014): Mehr Kreativität wagen, in: Zeitschrift für Internationale Beziehungen 21: 2, S. 133-139, S. 134.
[23] Vgl. Borg, Stefan (2023): Cult of irrelevance or broad church? Responsiveness, diversity, and intellectual pluralism in the academic study of security, in: European Political Science 22: 4, S. 511-532, S. 527.
[24] Vgl. Borg (2023), S. 520 ff.
[25] Auf die Zeitschrift für Außen- und Sicherheitspolitik und die SIRIUS sei hier u. a. verwiesen, in denen diese Fragen durchaus thematisiert wurden.
[26] Vgl. Deutsche Vereinigung für Politikwissenschaft: Veranstaltungen der DVPW, online unter https://www.dvpw.de/veranstaltungen [letzter Zugriff: 09.08.2026],
[27] Diez, Thomas / Hasenclever, Andreas (2024): Raus aus den Silos! Russlands Überfall auf die Ukraine und seine Konsequenzen für die Theorie der Internationalen Beziehungen, in: Zeitschrift für Internationale Beziehungen 31: 2, S. 16-45, S. 16.
[28] Ebd., 23.
[29] Wissenschaftsrat (2019), S. 50.
[30] Vgl. ebd.
[31] Vgl. ebd., S. 51, zu Details siehe S. 106 ff.
[32] Vgl. ebd., S. 51 f., S. 75 ff.
[33] Vgl. Müller (2012), S. 163 f.
[34] SFB 700 „Governance in Räumen begrenzter Staatlichkeit“, Teilprojekt T3 – Policy-Implikationen der Governance-Forschung für die deutsche Außenpolitik (Kooperationspartner: Auswärtiges Amt), online unter https://www.sfb-governance.de/teilprojekte/projektbereich_t/t3/index.html [letzter Zugriff: 09.08.2026].
[35] Vgl. Wissenschaftsrat (2019), S. 75 ff.
[36] Risse / Wemheuer-Vogelaar (2016), S. 151 f.
[37] Müller (2012), S. 162.
[38] Vgl. Bonn International Center for Conversion (BICC) / Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) / Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH) / Institut für Entwicklung und Frieden, Universität Duisburg-Essen (INEF) (2021): Friedensgutachten 2021. Europa kann mehr!, online unter https://www.friedensgutachten.de/user/pages/03.archiv/2021/02.ausgabe/FGA_2021_gesamt.pdf [letzter Zugriff: 09.08.2026], S. 4.
[39] Kursawe, Janet (2015): Presserklärung. Friedensgutachten 2015. Vorstellung am 09.06.2015 in Berlin, online unter https://www.friedensgutachten.de/user/pages/03.archiv/2015/Presseerklaerung_FGA2015.pdf [letzter Zugriff: 09.08.2026], S. 2 (Hervorhebung im Original).
[40] Schoch, Bruno / Heinemann-Grüder, Andreas / Hauswedell, Corinna / Hippler, Jochen / Johannsen, Margret (2017): Stellungnahme der Herausgeber und Herausgeberinnen: Aktuelle Entwicklungen und Empfehlungen, in: HSFK / BICC / FEST / INEF / IFSH (Hg.): Friedensgutachten 2017, online unter https://www.friedensgutachten.de/user/pages/03.archiv/2017/04_Stellungnahme_dt_FGA_2017.pdf [letzter Zugriff: 09.08.2026], S. 1-29, S. 18.
[41] Alwardt, Christian et al. (2019): Rüstungsdynamiken. Rüstungskontrolle schärfen, in: BICC / HSFK / IFSH / INEF (Hg.): Friedensgutachten 2019. Vorwärts in die Vergangenheit? Frieden braucht Partner, online unter https://www.friedensgutachten.de/user/pages/03.archiv/2019/02.ausgabe/friedensgutachten_2019_web.pdf [letzter Zugriff: 09.08.2026], S. 93-113, S. 110.
[42] Daase, Christopher / Neuneck, Götz / Schaper, Annette / Schmidt, Hans-Joachim / Wunderlich, Carmen (2019): Fokus. Nukleare Weltordnung in der Krise, in: ebd., S. 25-44 sowie Baumgart-Ochse, Claudia / Daase, Christopher / Debiel, Tobias / Deitelhoff, Nicole / Schetter, Conrad / Schröder, Ursula (2019): Stellungnahme. Vorwärts in die Vergangenheit? Frieden braucht Partner, in: ebd., S. 5-13, S. 7 f., Zitat S. 7.
[43] Vgl. BICC / HSFK / IFSH / INEF (2020): Empfehlungen, in: Friedensgutachten 2020. Im Schatten der Pandemie: letzte Chance für Europa, online unter https://www.friedensgutachten.de/user/pages/03.archiv/2020/02.ausgabe/Friedensgutachten_2020_web.pdf [letzter Zugriff: 09.08.2026], S. 4.
[44] Vgl. Joachim Krause (2023): Deutschlands strategische Blindheit, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, online unter https://www.faz.net/aktuell/karriere-hochschule/hoersaal/universitaet-es-fehlen-lehrstuehle-fuer-sicherheitspolitik-19171343.html [letzter Zugriff: 09.08.2026]; Nicole Deitelhoff hat auf X (ehemals Twitter) in zwei Threads auf den Artikel reagiert, online unter: https://x.com/NDeitelhoff/status/1702586384563814481?s=20 [letzter Zugriff: 14.09.2026] sowie https://x.com/NDeitelhoff/status/1702376906077986994?s=20 [letzter Zugriff: 14.09.2026]
[45] Vgl. Daase / Deitelhoff / Geis (2024).
[46] Vgl. Bayerische Wissenschaftsallianz für Friedens-, Konflikt- und Sicherheitsforschung, online unter https://www.foks-allianz.de [letzter Zugriff: 09.08.2026].
