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Die Landtagswahlen 1946 in der SBZ

Karl-Heinz Hajna

Die Landtagswahlen 1946 in der SBZ. Die Landtagswahlen 1946 in der SBZ - eine Untersuchung der Begleitumstände der Wahl. Mit dem Kapitel "Entzug des aktiven und passiven Wahlrechts" von Britta Oltmer

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2000 (Empirische und methodologische Beiträge zur Sozialwissenschaft 18); 257 S.; brosch., 79,- DM; ISBN 3-631-35950-0
Im Gegensatz zu den Wahlen und Abstimmungen in der Weimarer Republik sind die Kommunal- und Landtagswahlen 1946 in der Sowjetischen Besatzungszone von der Forschung jahrzehntelang vernachlässigt worden. Zwar können diese Wahlen wegen der massiven Eingriffe der Sowjetischen Militäradministration (SMA) nicht als freie Wahlen bezeichnet werden, doch ermöglichen sie im Vergleich zum späteren "Zettel falten" eine ungefähre Momentaufnahme des politischen Kräfteverhältnisses in der SBZ, da Christdemokraten und Liberale eine tatsächliche Alternative zur SED waren (132). Hajnas Studie ist ein Ergebnis des von Jürgen Falter an der Universität Mainz geleiteten Projektes, in dem die Wahlen von 1946 und ihre Begleitumstände untersucht werden. Am Forschungsgegenstand kann unter anderem die Frage beantwortet werden, inwieweit es in der SBZ demokratische Ansätze gegeben hat und aus welchen Gründen und mit welchen Methoden diese Ansätze erstickt wurden. Hermann Weber stellte vor Jahren die These auf, dass bei den Wahlen von 1946 in der SBZ nicht die SED sondern die SMA den Wahlkampf geführt habe (43). Dieser "Wahlkampf" richtete sich gegen die beiden bürgerlichen Parteien. Er erfolgte sowohl mit bürokratischen Mitteln, indem etwa der Hälfte der Ortsgruppen beider Parteien die Registrierung und damit die Möglichkeit verweigert wurde, mit eigenen Wahllisten anzutreten, als auch mit Erpressungen und Verhaftungen ihrer Mitglieder. Direkte Wahlfälschungen konnte Hajna nicht nachweisen (61). Da die SED trotz massiver Begünstigung "in den Länderparlamenten über keine gesicherte Mehrheit verfügte, versuchte sie mit Hilfe der SMAD, die zentralen Instanzen gegenüber den Ländern zu stärken"(219). 1952 wurden dann mit den Ländern die letzten föderativen Elemente beseitigt, die von der ersten Verfassung der DDR noch vorgesehen waren. Die Studie des Historikers ist zwar überwiegend kein Lesevergnügen, bietet aber einen zuverlässigen Überblick über die Wahlen von 1946 in der SBZ, wozu auch detaillierte Wahlergebnisse und Statistiken gehören. Der Forschungsstand bis Mitte der neunziger Jahre wird erläutert; leider fehlt ein Literaturverzeichnis. Inhalt: 1. Historische Einordnung, Forschungsstand und Quellenlage; 2. Vorbereitung der Landtagswahlen auf Landes- und Kreisebene; 3. Zur Tätigkeit der Wahlausschüsse; 4. Britta Oltmer: Entzug des aktiven und passiven Wahlrechts (81-112); 5. Der zentrale und regionale Wahlkampf der SED; 6. Der Wahlkampf von CDU und LDP und deren Benachteiligungen; 7. Zur Überwachung der Wahlen; 8. Ungültige Stimmzettel - ein Protest der Bevölkerung; 9. Zeitgenössische Einschätzungen der Wahlergebnisse; 10. Zur Konstituierung der Landtage und Landesregierungen; Einschätzung der Wahlen 1946 in der SBZ im Vergleich mit Abstimmungen in den mittel-, ost- und südosteuropäischen Ländern.
Henry Krause (HK)
Dipl.-Politologe, Referatsleiter, Sächsische Landeszentrale für politische Bildung, Dresden.
Rubrizierung: 2.314 Empfohlene Zitierweise: Henry Krause, Rezension zu: Karl-Heinz Hajna: Die Landtagswahlen 1946 in der SBZ. Frankfurt a. M. u. a.: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/12933-die-landtagswahlen-1946-in-der-sbz_15501, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 15501 Rezension drucken

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