Portal für Politikwissenschaft

Kleine deutsche Geschichte

Hagen Schulze

Kleine deutsche Geschichte. Mit Bildern aus dem Deutschen Historischen Museum

München: C. H. Beck 2007; 282 S.; erw. und akt. Ausg.; geb., 19,90 €; ISBN 978-3-406-56130-6
Mit einem überzeugend sachkundigen Blick auf das Wesentliche erzählt der Berliner Historiker Schulze die deutsche Geschichte mit dem Ziel, „uns selbst und unseren europäischen Nachbarn die ‚deutsche Frage’ zu beantworten“ (7). Erst seit der Wiedervereinigung sei der deutsche Sonderweg beendet, so das Resümee: Die Frage Ernst Moritz Arndts, „Was ist des Deutschen Vaterland“, sei erstmals unmissverständlich beantwortet, zum ersten Mal seien Einheit und Freiheit mit Zustimmung der europäischen Nachbarn vollständig erreicht und der deutsche Nationalstaat unwiderruflich an den Westen gebunden. Schulze setzt den Beginn der deutschen Entwicklung mit der Spaltung des Römischen Reiches an und fragt dann, ob der Sieg der Germanen in der „Schlacht im Teutoburger Wald“ nicht ein Fehlschlag für die weitere Entwicklung war, weil damit die römische Zivilisierung scheiterte und ein deutscher kultureller und politischer Sonderweg begann – wenngleich zu diesem Zeitpunkt von deutscher Geschichte noch keine Rede sein konnte. Das Wort „Deutschland“ entstand erst im 15. Jahrhundert. Der Nationalismus aber war dann nach 1871 „blass und schal“ geworden: „Was fehlte, das war eine bürgerliche Kultur des common sense, der gemeinschaftlichen Üblichkeiten und Selbstverständlichkeiten, die die politische Kultur von Deutschlands westlichen Nachbarn regulierte, und es fehlte darüber hinaus eine einigende Idee, die über Gegenwärtige hinaus in die Zukunft wies“ (145). Die Idee von einem starken Staat bot dafür keine Kompensation, dieser ging in der Weimarer Republik „unter dem gebündelten Erwartungsdruck der gesellschaftlichen Gruppen in die Knie“ (190). Anders als „die nüchterne, rationalistische Demokratie“ (204) habe dann die nationalsozialistische Diktatur die Gefühle der Bevölkerungsmehrheit befriedigt. Nach einer komprimierten Darstellung der Zeit bis 1989 und der Wiedervereinigung sieht Schulze keinen Anlass für einen Abgesang auf den Nationalstaat. Vielmehr werde die innere Gründung des neuen „Staat[s] der deutschen Nation“ (271) noch viel Zeit und Geduld erfordern.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.31 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Hagen Schulze: Kleine deutsche Geschichte. München: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/28208-kleine-deutsche-geschichte_33181, veröffentlicht am 27.03.2008. Buch-Nr.: 33181 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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