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Nachhaltige Wege aus der Finanz- und Wirtschaftskrise

Fritz Helmedag / Jürgen Kromphardt (Hrsg.)

Nachhaltige Wege aus der Finanz- und Wirtschaftskrise

Marburg: Metropolis-Verlag 2011 (Schriften der Keynes-Gesellschaft 4); 214 S.; 29,80 €; ISBN 978-3-89518-855-8
Der Band versammelt die überarbeiteten Beiträge der Jahrestagung der Keynes-Gesellschaft vom Februar 2010 in Chemnitz. Auch wenn es sich bei den Autoren nicht um „Mainstream-Ökonomen“ handelt – wie es auch verschiedentlich im Band betont wird – dürften nur wenige Beiträge wirklich von herausgehobenem politikwissenschaftlichen Interesse sein. Dazu zählen unzweifelhaft die Ausführungen von Gustav Horn und Till van Treeck, die unter Zuhilfenahme von Keynes’ Theorie sehr anschaulich die Problematik der „außenwirtschaftliche[n] Ungleichgewichte“ im globalen Vergleich erklären. Mit dem Verweis auf ein Modell der „drei U’s“ (19) – Unterregulierung der Finanzmärkte, Ungleichgewichte im internationalen Handel sowie Ungleichheit in der Einkommens- und Vermögensverteilung – spannen sie den Bogen deutlich weiter auf als dies in derzeit gängigen Kriseninterpretationen geschieht. Denn darin wird oft von einer Staatsschuldenkrise gesprochen, ohne die eigentlichen Ursachen der Krise zu beleuchten. Als gewerkschaftsnahe Ökonomen verweisen sie in diesem Zusammenhang auch auf die fehlenden „Realeinkommenssteigerungen“ (23) in den vergangenen Jahren, die – insbesondere in den USA – zu einer Form des sogenannten Privat Deficit Spendings und der großen Immobilienblase geführt haben. Dies sei ebenso wie die Zunahme der ökonomischen Ungleichheiten nicht als „das Ergebnis von technologischem Wandel“ (26) und Globalisierung zu verstehen, sondern als Folge politischer Entscheidungen zu betrachten und entsprechend zu bekämpfen. Interessant sind außerdem die Beiträge von Leander L. Hollweg, der eine Verbindung zwischen Finanz- und Bildungskrise herstellt, und von Jörg Bibow, der für eine neue Form des „Kapitalverkehrsmanagements“ (143) plädiert. Allerdings ist Bibow pessimistisch, was die Schaffung einer „globalen Finanzordnung“ (156) mit entsprechenden Aufsichtsbehörden angeht. Denn selbst die Baseler Abkommen zur Bankenaufsicht setzten lediglich Minimumstandards. Ob Aussagen der folgenden Art zur notwendigen Differenzierung in der dringend benötigten (politikwissenschaftlichen) Auseinandersetzung „mit den Märkten“ beitragen, ist zweifelhaft: „Bis auf Weiteres bleibt das internationale Finanzsystem ein Dschungel unkontrollierter Kräfte und Mächte.“ (156)
Henrik Scheller (HS)
Dr. phil., Dipl.-Politologe, wiss. Mitarbeiter, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, Lehrstuhl Politik und Regieren in Deutschland und Europa, Universität Potsdam.
Rubrizierung: 4.43 | 5.45 | 2.64 | 2.22 | 2.262 Empfohlene Zitierweise: Henrik Scheller, Rezension zu: Fritz Helmedag / Jürgen Kromphardt (Hrsg.): Nachhaltige Wege aus der Finanz- und Wirtschaftskrise Marburg: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/34641-nachhaltige-wege-aus-der-finanz--und-wirtschaftskrise_41627, veröffentlicht am 29.03.2012. Buch-Nr.: 41627 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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