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Kapital. Nation. Identität

Michael Kern

Kapital. Nation. Identität. Politische und kulturelle Dimensionen von Auslandsinvestitionen in Indonesien

Berlin: regiospectra Verlag 2011; 130 S.; 19,90 €; ISBN 978-3-940132-24-6
Während der Haupttitel mehr verspricht, als das Buch halten kann, weist der Untertitel auf das eigentliche Anliegen des Autors hin: Kern analysiert mithilfe eines regionalwissenschaftlichen Ansatzes die Auswirkungen von ausländischen Direktinvestitionen (Foreign Direct Investment – FDI) auf nicht-ökonomische Bereiche in Indonesien. Das Buch besteht aus zwei zentralen Teilen. Zunächst werden die Einflüsse der FDI auf politische Ereignisse und Konflikte in der indonesischen Geschichte nach 1966/67 geschildert, ausgehend von der Beobachtung, dass sich seit dieser Zeit die Investitionspolitik geändert habe. Dafür untersucht Kern vier Fallbeispiele. Bei den Malari-Unruhen 1974 stellt er eine zentrale Rolle der FDI fest, da hier eine liberale Investitionspolitik mit zu einer breiten Verbitterung innerhalb der Bevölkerung führte, die dann in Gewalt resultierte. Die Regionalkonflikte in Aceh und Papua zeigen noch deutlicher die entscheidende Rolle der FDI für Gewaltausbrüche und Bürgerkriege auf, da der Widerstand bestimmter Gruppierungen direkt gegen FDI-Projekte gerichtet waren wie auch die Bedeutung der FDI-Projekte den indonesischen Staat zu einem massiven militärischen Einsatz motivierte. Die Mai-Unruhen 1998 und auch der islamische Terrorismus in den 2000er-Jahren waren dagegen nur unwesentlich von FDI beeinflusst. Zusammenfassend kommt Kern zu dem Fazit, dass eine komplexe Beziehung zwischen FDI und politischen Konflikten besteht und FDI eine wesentliche Rolle – in unterschiedlicher Intensität – im Rahmen von politischen Konflikten spielen. Der Autor will diese Rolle nicht monokausal verstanden wissen, er geht jedoch davon aus, dass FDI zumindest verschärfend auf politische Konflikte wirken. Im zweiten Teil geht es um die Effekte, die ausländische Direktinvestitionen auf die kulturelle Dimension haben. Dafür analysiert der Autor verschiedene literarische Werke und einen Film aus Indonesien, um zu zeigen, wie ausländische Direktinvestitionen gerade im Hinblick auf den kulturellen Wandel dargestellt und bewertet werden. Im Ergebnis stellt Kern fest, dass transnationale Unternehmen als ethisch fragwürdig dargestellt werden; ein Vorwurf lautet, dass sie die indonesische Bevölkerung ausbeuteten. Zum anderen wird ein Zusammenhang innerhalb dieser Werke und des Films zwischen FDI und dem kulturellen Wandel beschrieben, der vor allem im Technologie- und Wertetransfer begründet liegt.
Jan Achim Richter (JAR)
Dipl.-Politologe, Doktorand, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.68 | 2.22 | 2.23 | 2.25 | 2.262 | 4.43 Empfohlene Zitierweise: Jan Achim Richter, Rezension zu: Michael Kern: Kapital. Nation. Identität. Berlin: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/35069-kapital-nation-identitaet_42207, veröffentlicht am 05.07.2012. Buch-Nr.: 42207 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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