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Political decision makers and their relevance for public finances

Sebastian Thomasius

Political decision makers and their relevance for public finances

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2013 (Neue Studien zur Politischen Ökonomie 13); 167 S.; 34,- €; ISBN 978-3-8487-0814-7
Diss. FU Berlin; Begutachtung: G. Corneo, B. Jochimsen. – Sebastian Thomasius geht der Frage nach, inwieweit einzelne Entscheidungsträger Einfluss auf die tatsächliche Ausgestaltung der Finanzpolitik auszuüben vermögen. Entgegen gängiger Wirtschaftstheorien, die die Relevanz von Institutionen betonen, versucht Thomasius also, die individuelle Disposition von Menschen als Erklärungsfaktor für politische Outcomes zu etablieren. Er zieht dazu drei empirische Einzelstudien heran – über die kommunale Ebene in Bayern, über die westdeutschen Länderfinanzminister und über die Finanzminister der EU‑15‑Staaten. Im Ergebnis zeigt sich allerdings, dass in den letzten beiden Fällen kaum ein signifikanter, von der Person unmittelbar ausgehender Einfluss auf die Finanzpolitik festzustellen ist. Lediglich zwei Trends, die sich auf den Einfluss einzelner Politiker zurückführen lassen, scheinen sich herauskristallisieren zu lassen: Im Falle der bayerischen Kommunen tendieren wiedergewählte Bürgermeister zu einer rigideren Haushaltspolitik in Form einer geringeren Schuldenaufnahme. In die gleiche Richtung wirke sich, so Thomasius, eine längere Berufspraxis bei den Landesfinanzministern aus. Je länger diese im Amt seien, desto stärker sei auch deren Bereitschaft, weniger Schulden zu machen. In politikberatender Perspektive prognostiziert der Autor, dass sich der Schuldenanstieg in einem Landeshaushalt verringern lasse, wenn Ministerpräsident und Finanzminister aus derselben Partei kommen. Deswegen, so seine Empfehlung, sollte ein designierter Ministerpräsident das Amt des Finanzministers unbedingt für die eigene Partei reklamieren. Ob diese Empfehlung Gehör finden wird, wird die politische Praxis zeigen müssen – die in der Tat von weitaus mehr Variablen abhängig ist als den persönlichen Eigenschaften einzelner Politiker.
Matthias Lemke (LEM)
Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.242.612.3312.2632.3432.325 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Sebastian Thomasius: Political decision makers and their relevance for public finances Baden-Baden: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/36924-political-decision-makers-and-their-relevance-for-public-finances_45010, veröffentlicht am 03.04.2014. Buch-Nr.: 45010 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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