Portal für Politikwissenschaft

Wir sind die Guten

Mathias Bröckers / Paul Schreyer

Wir sind die Guten. Ansichten eines Putinverstehers oder wie uns die Medien manipulieren

Frankfurt a. M.: Westend Verlag 2014; 207 S.; 16,99 €; ISBN 978-3-86489-080-2
Die beiden Autoren haben in der Vergangenheit unter anderem kritische Stellungnahmen zu den vermeintlich ungelösten Fragen rund um die Terroranschläge vom 11. September 2001 publiziert. Sie gehören damit zu den sicherlich intelligenteren Vertretern sogenannter Verschwörungstheorien und nehmen insbesondere gegenüber den USA eine fundamentalkritische Position ein. Mathias Bröckers und Paul Schreyer begehen dabei jedoch nicht den Fehler, in gänzlich unseriöse Argumentationen und Mutmaßungen abzugleiten. Vor diesem Hintergrund hat das Buch vonseiten der Kritik eine überraschend wohlwollende Aufnahme gefunden. Das liegt daran, dass die oft polemische (aber stets gut geschriebene) Analyse des Ukrainekonflikts und der diesbezüglichen Medienberichterstattung Defizite aufzeigt, die auch in der Öffentlichkeit als solche wahrgenommen werden. Die Autoren kritisieren die vermeintlich einseitig antirussische Darstellung der Ereignisse in der Ukraine. Im Buch geht es etwa um die durch Scharfschützen ausgelöste Eskalation auf dem Maidan‑Platz oder um die schnelle Schuldzuschreibung im Falle des Abschusses der Passagiermaschine MH 17. Die Geschehnisse werden in einen historischen und geopolitischen Kontext gesetzt, der die Reaktionen Russlands als Folge US‑amerikanischer Aggression erscheinen lässt. Die Autoren schreiben resümierend: „Das unerträgliche Gefasel der Großmedien von westlicher Wertegemeinschaft hier und (pro)russischen Aggressoren da, von wunderbaren Demokraten und Menschenrechtsfreunden hüben und finsteren Autokraten und Brutalos drüben muss aufhören. Die deutsche Politik muss sich daran erinnern, dass wir nicht nur in Treue fest in einer ‚Schicksalsgemeinschaft‘ mit den Amerikanern stehen, wie die Bundeskanzlerin bei ihrem letzten Besuch in Washington artig bekräftigte, sondern auch in einer geografischen Gemeinschaft mit den Russen, denen gerade die Deutschen noch etwas schuldig sind.“ (187) Damit ist das Buch natürlich noch einseitiger als der kritisierte Mediendiskurs. Als Streitschrift, deren Inhalt und Argumentationsweise der Rezensent nur in wenigen Punkten teilt, liest es sich gleichwohl hervorragend.
Markus Linden, Dr., Politikwissenschaftler, Forschungszentrum Europa an der Universität Trier, Abteilung "Partizipation und Ungleichheit".
Rubrizierung: 2.622.614.14.412.222.242.333 Empfohlene Zitierweise: Markus Linden, Rezension zu: Mathias Bröckers / Paul Schreyer: Wir sind die Guten. Frankfurt a. M.: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/37862-wir-sind-die-guten_46060, veröffentlicht am 04.12.2014. Buch-Nr.: 46060 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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