Portal für Politikwissenschaft

Internationale Politische Theorie

Regina Kreide / Andreas Niederberger (Hrsg.)

Internationale Politische Theorie. Eine Einführung

Stuttgart/Weimar: Verlag J. B. Metzler 2016; VIII, 268 S.; 29,95 €; ISBN 978-3-476-02409-1
Was unter Politischer Theorie (PT) zu verstehen ist, halten die Herausgeberin Regina Kreide und der Herausgeber Andreas Niederberger für mehr als umstritten – was aber Internationale Politische Theorie (IPT) meint, wird erst seit Kurzem diskutiert, wie sie in Anlehnung an Christopher Brown und Kimberly Hutchings zeigen. IPT ist also eine junge Disziplin, eine systematische Analyse des Forschungsfeldes, seiner Fragestellungen und Desiderate steht noch aus. Diese Lücke soll mit dieser Einführung in die Grundprobleme der IPT geschlossen werden. Es gehe um Blickverschiebungen, um die Eröffnung der üblichen Felder und Begriffe der nationalstaatlich gebundenen PT für die transnationale Perspektive. (Allerdings ist dementsprechend zu überlegen, ob diese „neue“ Disziplin, streng genommen, nicht „Transnationale“ oder „Globale Politische Theorie“ heißen müsste.) Für die Gesellschaftstheorie, so Frank Nullmeier, sei der Terminus „international“ problematisch, weil er einen Primat des Staatlich‑Politischen im Gesellschaftsbegriff voraussetze, aus deren Zwängen sich die Soziologie mit dem Begriff der „Weltgesellschaft“ zu lösen versucht habe. Für die normative PT aber seien neben internationalen Organisationen und transnationalen Akteuren vor allem Staaten und deren Beziehungen zueinander zu bewerten. Es mag daher nicht überraschen, dass sich die Internationalen Beziehungen (IB) zunehmend Fragen der PT geöffnet haben: Die große Herausforderung, so Jürgen Neyer, liege darin, diesen Prozess der Öffnung fortzusetzen, „ohne dabei zu vergessen, dass sich die Welten innerhalb und jenseits des Staates doch noch grundlegend unterscheiden“ (62). In der Gegenüberstellung der Beiträge von Hauke Brunkhorst und Thomas Biebricher – das heißt von der „Co‑Evolution des modernen Universalstaats und eines Pluriversums der Staatenwelt“ (91) einerseits und „Phänomene[n] der Macht […] über verschiedene Ebenen, Räume und Formen hinweg“ (106) andererseits – werden Vielzahl und Gleichzeitigkeit diverser Analyseperspektiven in der IPT deutlich. In der IPT ebenso wie in den IB und im Völkerrecht rückten, so Lothar Brock und Anna Geis, Fragen nach Inklusion und Exklusion in den Mittelpunkt. Für die systematische Selbstreflexion über liberale Theorien könne die Kritische Theorie „wichtige Grundlagen bieten“ und eine empirisch fundierte, kritische IPT „immer professionelleren Trendanalysen“ (225) gegenübertreten. Den Herausgeber_innen und Autor_innen ist es gelungen, eine außerordentlich anregende Einführung in die IPT vorzulegen, die sehr zu empfehlen ist.
Hendrik Simon, Dipl.-Pol. und M. A., Politikwissenschaftler und Historiker, wiss. Mitarbeiter bei Prof. Dr. Lothar Brock, Institut für Politikwissenschaft, Goethe-Universität Frankfurt a. M.
Rubrizierung: 4.12.25.425.41 Empfohlene Zitierweise: Hendrik Simon, Rezension zu: Regina Kreide / Andreas Niederberger (Hrsg.): Internationale Politische Theorie. Stuttgart/Weimar: 2016, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39427-internationale-politische-theorie_48046, veröffentlicht am 18.02.2016. Buch-Nr.: 48046 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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