Portal für Politikwissenschaft

Ökonomische Ungleichheit in Lateinamerika

Romy Escher

Ökonomische Ungleichheit in Lateinamerika. Die politischen Bestimmungsfaktoren einer ungerechten Verteilung

Marburg: Tectum Verlag 2015 (Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Politikwissenschaften 64); 133 S.; pb., 24,95 €; ISBN 978-3-8288-3572-6
Ökonomische Ressourcen sind in Südamerika so ungleich verteilt wie sonst kaum auf der Welt. Während die Mehrzahl empirischer Erklärungsversuche ökonomische und demografische Faktoren heranzieht, nimmt Romy Escher das „Tun und Lassen von Regierungen“ (19) in den Blickpunkt ihrer schlanken Untersuchung und fragt danach, inwiefern der Demokratisierungsgrad und der Anteil linker Parteien im Parlament eines jeweiligen Staates Bestimmungsfaktoren für ökonomische Ungleichheit sein können. Die unabhängigen Variablen werden zunächst aus der institutionalistischen sowie der Machtressourcentheorie hergeleitet. Während Institutionen „wie ein Filter für das Handeln [wirken]“ (25) und so bestimmte Problemlösungen ermöglichen oder erschweren, finden privilegierte und nicht‑privilegierte Gesellschaftsgruppen ihre Interessen in rechten und linken Parteien vertreten, die die Wirtschaftspolitik entsprechend ihrer Klientel zu verändern versuchen. Letzteres wird für die Operationalisierung entsprechend eingeschränkt, sodass nur der relative Anteil linker Parteien im Parlament und nicht ihre Regierungsbeteiligung erfasst wird. Die Autorin stellt mithilfe einfacher bi‑ und multivariater Regressionsmodelle periodenspezifische Zusammenhänge zwischen den unabhängigen Variablen und der Verteilung des verfügbaren Einkommens fest. So übte zwischen 1980 und 1997 ein niedriger Demokratisierungsgrad eines Staates einen negativen Einfluss auf die Ungleichheit aus, während im Beobachtungszeitraum 1998 bis 2008 kein beziehungsweise nur ein sehr geringer Effekt beobachtet wird. Linke Parteien sind erst in der zweiten Periode ein bedeutender Faktor zur Erklärung einer Abmilderung der ökonomischen Ungleichheit, was die Autorin auf das Zurückdrängen der neoliberalen Vorstellung „des angemessenen Verhältnisses zwischen Staat und Markt zur Steuerung ökonomischer Entwicklung“ (107) zurückführt. Die gut strukturierte, aber in ihrem Umfang begrenzte Analyse berücksichtigt auch die nationalen Faktoren der ökonomische Entwicklung, dazu zählen Bildungsgrad, Bevölkerungswachstum, Einbindung in den Weltmarkt und Inflationsgrad.
Sven-Jacob Sieg, M. A., Sozialwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.652.22.22 Empfohlene Zitierweise: Sven-Jacob Sieg, Rezension zu: Romy Escher: Ökonomische Ungleichheit in Lateinamerika. Marburg: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39633-oekonomische-ungleichheit-in-lateinamerika_48022, veröffentlicht am 28.04.2016. Buch-Nr.: 48022 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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