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Nichtregierungsorganisationen als Akteure internationaler Umweltverhandlungen

Tanja Brühl

Nichtregierungsorganisationen als Akteure internationaler Umweltverhandlungen. Ein Erklärungsmodell auf der Basis der situationsspezifischen Ressourcennachfrage

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2003 (Studien der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung 42); 388 S.; kart., 43,- €; ISBN 3-593-37353-X
Seit den 90er-Jahren erhalten NGOs immer häufiger Teilnahmerechte bei internationalen Konferenzen. Warum erlauben die Staaten als prinzipielle Akteure eine derartige potentielle Konkurrenz am Verhandlungstisch? Unter welchen Bedingungen erhalten NGOs ihre Teilnehmerrechte und welche Faktoren bestimmen den Grad ihrer Partizipationschancen? Dies sind die Erkenntnis leitenden Fragen der Autorin, die als Professorin für Friedens- und Konfliktforschung in Frankfurt a. M. arbeitet. In ihrer theoretisch fundierten Untersuchung zeigt sie, „dass die Charakteristika der jeweiligen Verhandlungssituation sowie der Konfrontationsgrad entscheidend für den Grad der Öffnung der Verhandlungssysteme sind" (30). Das Interesse der Staaten an einer Teilnahme von NGOs beruhe auf einem Tauschgeschäft, bei dem Partizipationschancen gegen die Ressourcen der Nichtregierungsorganisationen eingetauscht würden. Um zu diesen Schlussfolgerungen zu gelangen, zeichnet Brühl zunächst den Prozess der Öffnung internationaler Organisation für NGOs im Allgemeinen nach und konzentriert sich dann auf die Rolle von NGOs als Akteure in der globalen Umweltpolitik. Nachdem sie auf dieser Basis ein Erklärungsmodell für die Einbeziehung von NGOs in Verhandlungen entwickelt hat, überprüft sie ihre Annahmen am Beispiel der Biodiversitätverhandlungen und anhand von acht Fällen aus den Verhandlungen zum Cartagena-Protokoll über biologische Sicherheit. Im Schlusskapitel ihrer durchweg anregenden Studie macht sie allerdings darauf aufmerksam, dass der Trend wieder in Richtung einer Beschränkung der Partizipationschancen von NGOs geht. Die insbesondere von Czempiel postulierte Tendenz zu einer wachsenden Bedeutung gesellschaftlicher Akteure könne sie damit nicht belegen. Dies bedeute aber nicht, dass das Weltgesellschaftsmodell dadurch widerlegt sei. Brühl hält vielmehr weitere empirische Tests ihres Modells für notwendig.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 4.3 | 4.45 | 2.261 Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Tanja Brühl: Nichtregierungsorganisationen als Akteure internationaler Umweltverhandlungen. Frankfurt a. M./New York: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/9474-nichtregierungsorganisationen-als-akteure-internationaler-umweltverhandlungen_22972, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 22972 Rezension drucken

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