Werner Rätz / Jörg Bergstedt

Attac. Gipfelstürmer und Straßenkämpfer

Hamburg: LAIKA Verlag 2010 (Bibliothek des Widerstands 10); 127 S.; 24,90 €; ISBN 978-3-942281-79-9
„Mit der Kritik an den globalen Finanzmärkten und der Forderung nach einer Transaktions-(Tobin-)Steuer“ (12) sorgte das globalisierungskritische Netzwerk Attac zu Beginn des 21. Jahrhunderts auch in Deutschland für kontroverse Diskussionen. Slogans wie „Die Welt ist keine Ware“ oder „Eine andere Welt ist möglich“ wurden alsbald zu politischen Leitgedanken einer neuen „Bewegung der Bewegungen“ (11), die im Zuge der Auseinandersetzungen während des G8-Gipfels 2001 in Genua einen breiten Zuspruch vor allem von Jugendlichen und jungen Erwachsenen erfuhr. Für Attac Deutschland hatte dies u. a. einen rasanten Mitgliederzuwachs und ein unverhofftes Medienecho zur Folge – Attac avancierte gewissermaßen zum inoffiziellen Sprachrohr der globalisierungskritischen Bewegung. Doch was ist nach dieser anfänglichen Euphorie geschehen? Welches Zwischenresümee kann nach dem zehnjährigen Bestehen des deutschen Attac-Ablegers gezogen werden? Die Autoren Werner Rätz, Gründungsmitglied von Attac Deutschland, und Jörg Bergstedt, Ökoaktivist und Autor des Buches „Mythos Attac“, versuchen hierauf erste Antworten zu geben und aus unterschiedlichen Blickwinkeln die Stärken und Schwächen des globalisierungskritischen Netzwerks zu beleuchten. Während Rätz die einzelnen Initiativen, Kampagnen und bundesweiten Arbeitsgruppen von Attac erörtert und die „grundsätzliche Frage des Demokratieverständnisses“ (62) innerhalb des Netzwerks thematisiert, kritisiert Bergstedt vor allem die Dominanz von „selbsternannten SprecherInnen der Bewegung“ (98) sowie die in weiten Teilen fehlende „Kritik an den ökonomischen Verhältnissen von Ausbeutung und Profitzwang“ (112). Erschienen ist die Publikation im Laika Verlag in der Reihe „Bibliothek des Widerstandes“; diese zeichnet sich dadurch aus, dass jeder Band ergänzend eine DVD mit thematischem Bezug zu den schriftlichen Ausführungen enthält. In diesem Fall handelt es sich um die Dokumentarfilme „Gipfelstürmer und Straßenkämpfer – Attac gegen Globalisierung“ (2003, 45 Min.) von Thomas Leif und „eviannaive“ (2005, 80 Min.) von Verena Vargas. Leider können sowohl der textliche als auch der filmische Teil nicht endgültig überzeugen – beiden fehlt es stellenweise an inhaltlicher Schärfe. Zu oft versinken die Autoren in bewegungsinternen Debatten, ohne zuvor die nötigen historischen Bezüge und thematischen Ergänzungen vorzunehmen.
Björn Allmendinger (BA)
M. A., Politikwissenschaftler/Historiker, Studienleiter des "Gesamteuropäischen Seminars" im Bildungszentrum Hustedt (Celle), Lehrbeauftragter an der Universität Hannover.
Rubrizierung: 4.3 | 4.43 Empfohlene Zitierweise: Björn Allmendinger, Rezension zu: Werner Rätz / Jörg Bergstedt: Attac. Hamburg: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/34936-attac_42011, veröffentlicht am 28.06.2012. Buch-Nr.: 42011 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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