Oliver Repkow

Blinder Gehorsam oder kritische Partnerschaft? Die sicherheitspolitischen Beziehungen zwischen Dänemark und den USA nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes (1990-2008)

Online-Publikation 2010 (http://macau.uni-kiel.de/servlets/MCRFileNodeServlet/dissertation_derivate_00005235/2005_Doktorarbeit.pdf;jsessionid=55DD65F9D6ADDE7CE508CBE32A539C6E?host=&o); 253 S.
Diss. Kiel; Begutachtung: U. Matthée, J. Krause. – Die Antwort auf die Frage nach den engsten Verbündeten der USA in Europa fällt mit Großbritannien meist eindeutig aus. Betrachtet man allerdings die Einsätze der NATO der vergangenen Dekade, ist es das Königreich Dänemark, das im Verhältnis zu seiner Bevölkerungszahl und Wirtschaftsleistung den größten Beitrag zu US‑geführten Einsätzen geleistet hat. Oliver Repkow fragt in seiner Untersuchung des dänisch‑amerikanischen Verhältnisses nach der Entwicklung, den Absichten und den Zielen der transatlantischen Politik Dänemarks. Darüber hinaus berücksichtigt er die gesellschaftliche Haltung gegenüber Washington. Repkow holt dabei weit aus und untersucht die Beziehungen zwischen diesen Staaten von ihren Wurzeln aus, die bereits in die Zeit unmittelbar nach dem Unabhängigkeitskrieg der USA zurückreichen. Den Kern seiner daher im Grunde historischen Untersuchung machen die drei Politikbereiche der Außen‑, Sicherheits‑ und Verteidigungspolitik aus. Der eigentliche Schwerpunkt der Arbeit ist allerdings der Zeitraum seit dem Ende des Kalten Kriegs, in den mit dem Ende der Sowjetunion und dem 11. September 2001 die zentralen Ereignisse für die Neuausrichtung der dänischen Sicherheits‑ und Verteidigungspolitik fallen. Für seine Untersuchung entwickelt der Autor sechs Thesen, die unter anderem von der hohen Bedeutung der USA für die Sicherheit Dänemarks, der gegenseitigen Verlässlichkeit beider Staaten als Sicherheitspartner und der anhaltenden sicherheitspolitischen Präferenz Dänemarks für die NATO – zuungunsten der EU – ausgehen. Repkows Analyse, die für Dänemark und die USA eine kritische Partnerschaft mit „dicke[m] Ausrufezeichen“ (206) anstelle blinden Gehorsams diagnostiziert, wirkt vor diesem Hintergrund folgerichtig und gleichzeitig auch wenig überraschend. Irritierend bleibt, dass einige dieser Thesen dem selbstgewählten neorealistischen Ansatz der Arbeit offen zu widersprechen scheinen. Hierzu zählt insbesondere der vom Autor nach eigenem Bekunden nachgewiesene „erhebliche Einfluss“ (202) der Parteizugehörigkeit des dänischen Ministerpräsidenten auf die Beziehungen zu den USA. Gleiches gilt für den ebenfalls positiven Nachweis, dass es gerade „konstruktive Ideen“ seien, die Kleinstaaten in Bündnissen in die Lage versetzten, „internationale Politik aktiv zu gestalten“ (201). Nähere Erläuterungen zum Verhältnis von Theorie und Empirie wären für die Stichhaltigkeit der Argumentation an dieser Stelle hilfreich gewesen.
Christian Patz (CPA)
M.A., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Institut für Sozialwissenschaften, Fachbereich Politikwissenschaft, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
Rubrizierung: 4.222.612.64 Empfohlene Zitierweise: Christian Patz, Rezension zu: Oliver Repkow: Blinder Gehorsam oder kritische Partnerschaft? 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/37089-blinder-gehorsam-oder-kritische-partnerschaft_45349, veröffentlicht am 15.05.2014. Buch-Nr.: 45349 Rezension drucken

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