Siegfried O. Wolf

Die Konstruktion einer kollektiven Identität in Indien. Vinayak Damodar Savarkar und sein Hindutva-Konzept

Online-Publikation 2009 (http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/volltextserver/volltexte/2009/9517/pdf/wolfdissertation.pdf); XIII, 549 S.
Politikwiss. Diss. Heidelberg; Gutachter: S. K. Mitra, A. Croissant. – Der Autor verfolgt in der Untersuchung ein ganzes Bündel an Zielen. So geht es eingangs um die Identifikation des Kerns und der Struktur von Savarkars soziopolitischem Denken und Handeln. Diese Aufgabe verfolgt der Autor, indem er die gesamte Biografie und das Werk des Hindu-Nationalisten untersucht. Dann geht es aber in der Analyse auch um die Frage, wie sich eine kollektive Identität ausbilden kann. Und nicht zuletzt geht es in dieser Untersuchung um den theoretischen Aspekt, inwieweit „westliche Theorien und Konzepte“ (8) auf die indische Situation angewendet werden können. Hier enthält sich Wolf im Ergebnis einer klaren Antwort, sondern plädiert jeweils für eine Einzelfallprüfung. Der Autor schildert Hindutva als ein gesamtgesellschaftliches Konzept, das es nicht erlaubt, einzelne Teilbereiche auszublenden und verweist auf Bernhard Giesens Konzept der codebasierten kollektiven Identitäten. „Zusätzlich besteht ein Bedürfnis, eine kollektive Identität zu generieren, die sowohl zugleich allgemein und spezifisch, flexibel und stabil, exklusiv und inklusiv ist, um als soziale Bewegung im indischen Kontext politisch erfolgreich zu sein“ (34). Es gehe somit auch um einen Dualismus zwischen Identitätspolitik und sich verändernden politischen Chancenstrukturen. In der Analyse von Savarkars wirtschaftlichem Denken wird dessen zentrale Frage deutlich: Wie kann eine indische Nation stark genug sein, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen? Der Ausgangspunkt seiner Überlegungen ist dabei, dass es immer wieder Bemühungen gab, einen die Region Südasien umfassenden Staat aufzubauen: „Der Grund für dessen Scheitern ist, so Savarkars entscheidende These, die dem sozio-kulturellen und religiösen System der Mehrheit der indischen Bevölkerung – Hinduismus – inhärente Heterogenität“ (143). Abschließend wertet Wolf Savarkar nur bedingt als Vater des Hindu-Nationalismus, eher habe der heutige Hindunationalismus das Hindutva-Konzept „für seine politischen Ziele […] missbraucht“ (513).
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.68 | 2.1 | 2.23 | 5.42 | 5.46 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Siegfried O. Wolf: Die Konstruktion einer kollektiven Identität in Indien. 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/31484-die-konstruktion-einer-kollektiven-identitaet-in-indien_37478, veröffentlicht am 21.10.2009. Buch-Nr.: 37478 Rezension drucken

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