Anna Katharina Skornia

Entangled Inequalities in Transnational Care Chains. Practices Across the Borders of Peru and Italy

Bielefeld: transcript Verlag 2014 (Global Studies); 316 S.; kart., 49,99 €; ISBN 978-3-8376-2886-9
Politikwiss. Diss. FU Berlin; Begutachtung: S. Costa, H. Drotbohm. – Anna Katharina Skornia zufolge existieren heute in Europa abseits der medialen Aufmerksamkeit informelle, transnationale und zum Teil über Kontinente hinweg reichende Netzwerke zur privaten häuslichen Pflege (global care chains). Die Autorin beschäftigt sich mit diesem Phänomen am Beispiel peruanischer privater Pflegekräfte im norditalienischen Mailand. Methodisch stützt sie ihre Arbeit, die anthropologische und soziologische Ansätze zusammenführt, auf Feldforschungen in beiden Staaten. Skornia entwickelt das Konzept der „transnational care chains“ (20) als Abwandlung der bereits zuvor in die Literatur eingebrachten Idee der global care chains und spezifiziert diese anhand ihres Beispiels. Im Allgemeinen seien diese Pflegeketten durch die Wahrnehmung häuslicher Pflege durch Migrant_innen gegen Bezahlung geprägt. Diese müssten wiederum ihrerseits durch ihre Abwesenheit entstandene Lücken in der Betreuung ihrer eigenen Angehörigen – seien es Kinder oder Ältere – durch die unbezahlte Hilfe von Mitgliedern ihrer Familien oder von Frauen aus anderen, noch ärmeren Haushalten kompensieren. Besonders am Beispiel der peruanischen Migration nach Italien seien demnach die Trends der Feminisierung und des gestiegenen (Aus‑)Bildungsgrads der Migrant_innen abzulesen. Zudem habe sich die Rolle der Hausbediensteten von einer Frage des sozialen Status (beziehungsweise der Klasse) hin zu einer von Ethnizität beziehungsweise Nationalität gewandelt. Bereits hier wird deutlich, dass diese Art von Migration und soziökonomische Ungleichheit miteinander eng verknüpft sind. Im Verlauf ihrer Arbeit widmet sich Skornia den gesellschaftlichen Hintergründen in Peru, der Rolle der Arbeitsmigrant_innen in italienischen Haushalten sowie den Auswirkungen auf die Art der Kindererziehung und Altenbetreuung in familiären Kontexten in Peru. Für die peruanischen Arbeitsmigrant_innen ergeben sich nach Skornia – dies ist eines der Ergebnisse ihrer Untersuchung – neue Abhängigkeitsverhältnisse und Ungleichheiten, die einem Zugewinn an Möglichkeiten und Freiheiten der sie beschäftigenden Arbeitgeber_innen gegenüberstehen. Hinzu komme, dass die Fähigkeiten der Migrant_innen, diese Bedingungen neu zu verhandeln (aufgrund ihres Geschlechts, ihres Migrationsstatus etc.), eingeschränkt seien. Andererseits sei diesen Frauen auch eine größere Autonomie und Emanzipation zuteil geworden, da sie zum Auskommen ihrer Familien in der Heimat beitragen.
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Rubrizierung: 4.422.612.652.263 Empfohlene Zitierweise: Christian Patz, Rezension zu: Anna Katharina Skornia: Entangled Inequalities in Transnational Care Chains. Bielefeld: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39222-entangled-inequalities-in-transnational-care-chains_46832, veröffentlicht am 07.01.2016. Buch-Nr.: 46832 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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